Brandenburg: Kosten für BER-Verschiebung kaum abschätzbar

Mit einem Flughafen-Umzug in einer Nacht wollten die Berliner den neuen Hauptstadtflughafen spektakulär in Betrieb nehmen. Jetzt ist man bescheidener - und streitet über die Mehrkosten der Verschiebung.

Arbeiter gehen am 13.02.2013 zum Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) © dpa / Patrick Pleul
Ein Baustellenschild hängt an einem Zaun am Flughafen BER. © dpa / Paul Zinken
Verlassen liegt Anfang März 2013 die Zufahrtsstraße zum Terminal des Flughafens BER. © dpa / Paul Zinken
Ein Bauarbeiter blickt im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg (BER) auf ein Hinweisschild. © dpa / Patrick Pleul

Die brandenburgische Staatskanzlei hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach die Verzögerungen bei der Eröffnung des neuen Hauptstadt-Flughafens BER jeden Monat 35 bis 40 Millionen Euro kosten. Die monatlichen Kosten, die sich aus der Verschiebung ergäben, könnten "zur Zeit nicht seriös geschätzt werden", erklärte der Sprecher von BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) am Montag in Potsdam.

Die Zahl von 35 bis 40 Millionen Euro monatlich soll Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn bei einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium genannt haben, wie das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf ein Sitzungsprotokoll berichtete. Die Kosten fallen angeblich für die Instandhaltung des BER an sowie für das von Mehdorn initiierte Bauprogramm "Sprint" und für notwendige Modernisierungen am Flughafen Tegel, der länger als geplant offen bleiben muss.

Die Staatskanzlei in Potsdam bestritt nun, dass Kosten in einer solchen Höhe aus dem Beratungsprotokoll hervorgehen. Die Kosten "sind im Übrigen auch nicht in dem zitierten Protokoll aus der Beratung im Bundesverkehrsministerium enthalten", hieß es in der Erklärung.

Mehdorn hatte auch vor einer Steigerung der Gesamtkosten gewarnt. Bislang soll der Airport Berlin-Brandenburg 4,3 Milliarden Euro kosten. Verzögert sich die Eröffnung noch bis Ende kommenden Jahres, würde der BER den neuen Zahlen zufolge über fünf Milliarden Euro kosten. Eine Inbetriebnahme des BER könnte aber auch scheibchenweise erfolgen, wie Mehdorn in einer Sendung des RBB sagte, die am Dienstag ausgestrahlt werden soll.

Bei einer Eröffnung in Schritten sind weitere Mehrkosten möglich, etwa wenn die Empfangshalle wegen der Probleme mit der Brandschutzanlage noch nicht startklar ist und Abfertigungsschalter in Seitenflügel gestellt werden müssen. Für die Flughafengesellschaft hätte das aber den Vorteil, die Anlage nach und nach zu testen und in Betrieb zu nehmen und so die Risiken zu minimieren.

Der Flughafen hatte stets von 15 Millionen Euro gesprochen, die fehlen, weil die Fluggebühren und Ladenmieten des Neubaus fehlen. Doch auch der Betrieb zweier Flughäfen und die Sicherung des ungenutzten Neubaus verschlingen Geld, ebenso mögliche Schadenersatzforderungen der Fluggesellschaften.

Die Staatskanzlei erklärte, der Flughafenaufsichtsrat erwarte derzeit "Szenarien" von der Geschäftsführung, wie eine Inbetriebnahme zu erreichen sei. Der Aufsichtsrat werde "voraussichtlich Ende des Sommers zu entscheiden haben, welches Eröffnungsszenario umzusetzen ist". Der Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens will an diesem Mittwoch über die nun in Schritten geplante Inbetriebnahme beraten. Dann würden alle Fragen dazu beantwortet.

Von: AFP, dpa

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