Branche und Umweltschützer kritisieren Klimaschutzpläne der Icao

Die Icao-Staatengemeinschaft will ein weltweites Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt beschließen. Umweltschützer und die deutsche Branche kritisieren die Pläne der Politik - und zwar als nicht ambitioniert genug.

Ein Flugzeug wird betankt. © dpa / Andreas Gebert

Vor den Icao-Verhandlungen über das globale Klimaschutzabkommen Corsia (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) im globalen Luftverkehr haben sowohl die deutsche Luftverkehrsbranche als auch Umweltverbände schärfere Kriterien gefordert.

Nur ein verbindliches System mit hoher Abdeckung der CO2-Emissionen führe zu Planungssicherheit für die deutschen Fluggesellschaften und einem fairen internationalen Wettbewerb, bemängelte etwa der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Stefan Schulte. "Für den Erfolg des Abkommens ist entscheidend, dass möglichst viele Staaten von Beginn an dabei sind", sagte Schulte.

Daher reicht es nach Ansicht der deutschen Branche nicht aus, dass der Entwurf der Icao zunächst nur eine freiwillige Teilnahme vorsehe, so Schulte. Je mehr Staaten sofort einbezogen würden, desto weniger drohten Wettbewerbsverzerrungen und desto größer sei der Effekt für den Klimaschutz, argumentiert der BDL.

Teilnahme erst ab 2027 für alle Staaten verbindlich

Auf der Vollversammlung der UN-Luftverkehrsorganisation Icao im kanadischen Montreal wollen die Mitgliedsstaaten aktuell eine Emissionsabgabe für Airlines beschließen. Ziel ist eine Kompensation der Klimawirkung durch das Luftverkehrswachstum ab 2020. Aber erst ab 2027 sollen dem Entwurf zufolge alle Nationen mit nennenswertem Luftverkehrsaufkommen zur Beteiligung verpflichtet werden.

Die lange Unverbindlichkeit der Teilnahme beanstanden auch deutsche Umweltschutzverbände. "Das Verschieben des Beginns der obligatorischen Maßnahmen auf das Jahr 2027 untergräbt das ab 2020 versprochene Ziel eines kohlenstoffneutralen Wachstums", heißt es in einem Brief der sechs Umwelt- und Entwicklungsverbände BUND, Brot für die Welt, FÖS, VCD, Germanwatch und Robin Wood. Das Papier ist an die bei der Icao-Sitzung teilnehmenden Bundesministerien gerichtet und liegt airliners.de vor. Zudem seien bisher keine klaren Kriterien festgelegt worden, die sicherstellen, dass die Ausgleichsprojekte wirklich dem Klimaschutz dienen.

© dpa, F. Rumpenhorst, Lesen Sie auch: Icao verhandelt globales Klimaschutzabkommen für die zivile Luftfahrt

Internationale Umweltorganisationen kritisieren am Icao-Vorstoß zudem vor allem, dass sich die geplanten Offsetting-Maßnahmen nur auf die Klimawirkungen des Wachstums im Luftverkehr beziehen. Die Branche müsse vielmehr sofort eine Reduzierung der Emissionen anstreben.

Neben den einzelnen Staaten, die das Klimaschutzabkommen jetzt auf Icao-Ebene verhandeln und später jeweils ratifizieren sollen, sind auch Vertreter von Umweltlobby und Luftverkehrsverbänden bei den Verhandlungen vor Ort. Letztere haben allerdings lediglich einen Status als Beobachter.

Darum geht es

Das aktuell diskutierte Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt wäre die erste weltweite Vereinbarung ihrer Art. Mit dem Vorstoß folgen die Icao-Staaten den Vorgaben des Kyoto-Protokolls von 1997, in dem eine Regelung für die Luft- und Seefahrt international verbindlich beschlossen wurde. Die International Air Transport Association (Iata) hatte daraufhin einen Plan ausgearbeitet, der für 2050 eine Halbierung der Emissionen im Vergleich zu 2005 anpeilt. Bis alternative Treibstoffe und gänzlich neue Technologien aber tatsächlich eine Netto-Reduzierung der Emissionen der Luftfahrt ermöglichen, soll das weitere Wachstum im Luftverkehr zunächst CO2-neutral gestaltet werden. Dazu haben die Icao-Länder nun ein Offsetting-System zur Emissions-Kompensation ausgearbeitet, in der Grafik ist das der hellblaue Bereich "Economic Measures":

Von: dh, mit Material von dpa

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