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Branche will Luftverkehrsabkommen mit Katar auf den letzten Metern stoppen

Das Open-Skies-Abkommen zwischen der EU und Katar wurde bei der Unterzeichnung 2019 als "win-win"-Abkommen bezeichnet. Doch angesichts eines insgesamt schrumpfenden Geschäfts wächst der Widerstand gegen die Aussicht auf mehr Flüge von Qatar Airways nach Deutschland.

Qatar Airways Boeing 777-300ER © Qatar Airways

Europäische Fluggesellschaften und Gewerkschaften wollen das von der EU verhandelte Luftverkehrsabkommen mit Katar wegen der Corona-Krise stoppen. Die vorgesehene "massive Ausweitung des Marktzugangs" für staatlich subventionierte Airlines wäre in der schwersten Branchenkrise "unverantwortlich" und würde "unzählige Jobs" in der Europäischen Union gefährden, kritisierte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

Auch die Lufthansa sprach sich für eine Neubewertung des noch nicht vom EU-Ministerrat verabschiedeten Abkommens aus, das Qatar Airways schrittweise freien Zugang zum europäischen Luftraum gewähren würde. Im Gegenzug soll sich das arabische Emirat zu fairem Wettbewerb und höheren Sozialstandards verpflichten.

"Eine kurzfristige Öffnung des Marktes darf nicht zu Lasten der EU und ihrer Arbeitsplätze gehen", erklärte Lufthansa-Sprecherin Sandra Courant. Die EU-Kommission müsse vor Unterzeichnung sicherstellen, dass die Bestimmungen auch tatsächlich eingehalten würden.

Die Gewerkschaft Verdi verlangt die Rückabwicklung des 2019 verhandelten Abkommens, mindestens aber ein Moratorium bis zum Ende der Corona-Krise. Gemeinsam mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der Vereinigung Cockpit hat die Gewerkschaft auch bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) um Unterstützung gebeten. In einem Schreiben aus dem Januar heißt es: "Zusätzliche Kapazitäten in diesen Krisenzeiten in einem ohnehin am Boden liegenden Markt zu ermöglichen, wäre eine zusätzliche Belastung für die europäischen Luftfahrtunternehmen und ihre Mitarbeiter."

Für Qatar gibt es in Europa mehr zu holen als andersrum

Laut Medienberichten regt sich auch bei Air France-KLM und ihren Gewerkschaften Widerstand. Von der Marktöffnung erwarten sich die europäischen Airlines nur Nachteile, weil für sie auf dem kleinen Zielmarkt Katar kaum Geschäft zu holen wäre. Umgekehrt könnte Qatar Airways bei zusätzlichen Verbindungen seinen europäischen Kunden ein dichteres Umsteigenetz insbesondere nach Afrika und Asien bieten.

Auf der Grundlage des bisher geltenden bilateralen Luftverkehrsbakommens dürfen die Araber derzeit 35 Flüge in der Woche aus Deutschland anbieten. Bis in die vergangene Woche waren auf der Website von Qatar Airways für den Juni 38 Wöchentliche Abflüge ab Frankfurt München und Berlin buchbar. Auf eine Anfrage dazu hat die Airline jedoch nicht reagiert, mittlerweile wurden mehrere Flüge wieder aus dem Angebot entfernt, sodass für die Sommermonate 30 bis 35 Abflüge wöchentlich buchbar sind.

Das Cata genannte neue Abkommen wurde im Rahmen der EU-Luftverkehrsstrategie verhandelt. Es sieht als erstes seiner Art mit einem Golfstaat einen uneingeschränkten Zugang zu den Märkten der jeweils anderen Partei vor.

Bevor die Märkte jedoch voll geöffnet werden, ist ein Übergangszeitraum von fünf Jahren vorgesehen. Fluggesellschaften der EU und Katars erhalten schrittweise die Verkehrsrechte der dritten und vierten Freiheit für Passagierflüge (direkter Transport vom Heimatland der Fluggesellschaft ins Ausland und zurück) sowie begrenzte Rechte der fünften Freiheit für den Frachtbetrieb (Beförderung von Fracht zwischen zwei ausländischen Staaten).

Die Vereinbarung werde allen Beteiligten zugute kommen, indem sie "Konnektivität durch ein faires und transparentes Wettbewerbsumfeld verbessere", teilte die EU-Kommission zur Unterzeichnung 2019 mit. Es gehe darum, eine solide Grundlage für eine langfristige Luftfahrtbeziehung zu schaffen.

Von: dk mit dpa

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