Bombardier zieht sich aus A220-Programm vollständig zurück

Bombardier braucht dringend finanzielle Entlastung und wird seine verbleibenden Anteile am A220-Programm an Airbus und den kanadischen Staat verkaufen. Der Airbus-Anteil steigt damit auf 75 Prozent. Die Europäer haben mit dem Jet viel vor.

Ein Airbus A220-300 im Flug nahe dem Airbus-Hauptsitz am Flughafen Toulouse-Blagnac © AP/dpa / Frèdèric Scheiber

Der kanadische Bombardier-Konzern steigt angesichts großer Finanznot aus seinem letzten großen Flugzeugprogramm aus. Der europäische Airbus-Konzern und die kanadische Provinz Québec übernehmen Bombardiers verbliebenen Anteil an den Gemeinschaftsunternehmen für den Kurz- und Mittelstreckenjet A220, wie Airbus am Donnerstag in Toulouse mitteilte.

Der Airbus-Anteil steigt damit von gut 50 auf 75 Prozent. Airbus zahlt Bombardier dafür 591 Millionen US-Dollar (rund 543 Millionen Euro). Québec stockt seinen Anteil auf 25 Prozent auf, ohne weiteres Geld zu zahlen.

Der kanadische Bombardier-Konzern hatte sein Engagement bei dem Jet schon infrage gestellt. Das Flugzeug vom Typ A220 war ursprünglich als Bombardier C-Series entwickelt worden. Nachdem der Hersteller in finanzielle Schieflage geraten war, übernahm Airbus die Mehrheit der Anteile an dem Flugzeugprogramm und vermarktet das Modell seither unter dem Namen A220. Es ist der bisher kleinste Flugzeugtyp in der Airbus-Modellpalette. Bombardier hielt zuletzt noch rund ein Drittel der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen, der Rest gehört einem kanadischen Staatsfonds.

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Bombardier befindet sich derzeit in einer Krise. Die Kanadier hatten im vorigen Monat den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung schockiert. Hintergrund für die um die Hälfte gestrichene Erwartung an die Gewinnentwicklung im abgelaufenen Jahr ist auch das schlecht laufende Eisenbahngeschäft.

Der nun bekanntgegebene Verkauf an Airbus kommt nicht überraschend. Der Zug- und Flugzeugbauer scheut die Kosten für den Hochlauf der Produktion. Die Airbus-Strategie sieht vor, das Volumen deutlich hochzufahren - und dann auch deutlich günstiger produzieren zu können.

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Von: dk

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