Boeings neuer Ecodemonstrator mit vielen Experimenten in Frankfurt

Der Ecodemonstrator, eine umgebaute Boeing 777-200, ist mit vielen Experimenten derzeit in Frankfurt am Main. Im und am Flugzeug werden zahlreiche Zukunftstechniken ausprobiert, die Boeing vielen Gästen vorstellt.

Der Ecodemonstrator am Gate E9 des Flughafen Frankfurt am Main. © airliners.de / Andreas Sebayang
Vortex-Generatoren. Links das Testobjekt. Rechts die beiden simulierten Positionen. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die drei Test-Generatoren sind auf der Tragfläche gut zu sehen. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die Kabine arbeitet mit deutlich mehr Sensoren. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die Panele sind nicht nur selbstvibrierende Lautsprecher sondern sollen auch dynamische, sich bewegende Lichtstimmungen reflektieren. © airliners.de / Andreas Sebayang
OLED-Displays in der Kabinendecke © airliners.de / Andreas Sebayang

Boeing hat seinen Ecodemonstrator mit zahlreichen Experimenten zum Flughafen Frankfurt geschickt. Die Boeing 777-200 wird derzeit am Gate E9 geparkt und soll rund 1.000 Personen vorgestellt werden. Darunter sind Boeing-Mitarbeiter aber auch Studenten und selbst Schulklassen, die in den nicht öffentlichen Gate-Bereich dürfen. Es handelt sich bei der Maschine um ein aufwendig zur Experimentalplattform umgebautes Testvehikel, das voraussichtlich am Donnerstag wieder in Richtung Seattle-Tacoma abheben wird.

Die Maschine selbst ist schon seit 2001 im Dienst und wurde von Air China an Boeing für eine zweite Einsatzzeit zurückgegeben. Insgesamt befinden sich rund 50 Experimente in dem Flugzeug. Dabei testet Boeing sowohl interne wie auch externe Techniken im und am Großraumjet.

Innerhalb des Programms ist die Boeing 777-200 die sechste Maschine. 2018 wurde noch mit einer Frachtversion der 777 getestet. Boeing nennt das Flugzeug zwar Ecodemonstrator, womit der Flugzeugbauer seine ökologischen Bemühungen betonen will, getestet werden in dem Flugzeug aber auch zahlreiche andere Neuerungen in der Luftfahrt, die aber meist indirekt eine positive Auswirkung auf die Nachhaltigkeit von Flugzeugen haben.

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Recycling-Testreihen im Widebody

Im Inneren gibt es etwa Testreihen für die Wiederverwertung von Materialien, sei es das Recycling von Kohlefaserverbundstoffen oder der verstärkte Einsatz von additiven Produktionsmethoden, dem sogenannten 3D-Druck, der oft Gewicht sparen kann und die Materialverschwendung in der Produktion reduziert.

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Getestet wird auch eine Verbesserung von LED-Beleuchtungen oder die Verwendung von flexiblen OLED-Displays, um etwa die Kabinendecke angenehmer für die Fluggäste zu gestalten. Solche Tests führen auch Airbus oder Lufthansa Technik durch. Dabei geht es in der Regel zunächst darum, überhaupt festzustellen, ob sich organische Displays für den Flugbetrieb eigenen. Dementsprechend waren in dem Testvehikel auch nur reguläre OLED-Bildschirme verbaut. Die Technik selbst ist schon weiter. Kommerziell verfügbar sind etwa durchsichtige oder flexible OLED-Displays. Boeing spricht von einer Energieersparnis verglichen mit herkömmlichen LC-Displays.

Weniger nachhaltig, dafür hygienischer sind Verbesserungen beim stillen Örtchen in Flugzeugen. Bei erfolgreichen Experimenten dürfte in Zukunft mit UV-Licht binnen weniger Sekunden nach jedem Toilettengang eine Säuberung durchgeführt werden. Außerdem wird ein Boden getestet, der Nässe schnell absorbiert. Durch Tausch eines Pads wird diese Feuchtigkeit dann nach einem Flug aus dem Flugzeug entfernt

Vortex-Generatoren, die von selbst verschwinden

Extern testet Boeing beispielsweise Materialien mit Temperaturgedächtnis. Auf den Flügeln sind sogenannte Shape Memory Alloy Vortex Generators angebracht, die keine herkömmliche Mechanik besitzen. Dennoch sollen die Wirbelgeneratoren je nach Flughöhe eine andere Form annehmen, um für eine optimale Strömung zu sorgen. Diese Formen sind sozusagen im Material gespeichert. Dabei nutzt Boeing den Umstand aus, dass Materialien sich in der Regel bei Temperatursteigungen ausdehnen und bei geringen Temperaturen verkleinern. Die drei experimentellen Vortex-Generatoren am rechten Flügel verschwinden deswegen in hohen Luftschichten aufgrund der niedrigen Temperatur. Die positiven aerodynamischen Eigenschaften werden damit nur in der Start- und Landephase genutzt, während der erhöhte Widerstand der Generatoren in der Reiseflughöhe nahezu eliminiert wird. Normalerweise bleiben die kleinen Vortex-Generatoren sichtbar am Flügel und erzeugen so ungewollten Widerstand.

Auch der Flug nach Frankfurt war bereits ein Experiment. Es wurden neue Systeme zur dauerhaften Kommunikation mit dem Boden getestet. Aufgrund der ständigen Datenverbindung und vieler Daten, die der Pilot, aber auch die Kontrollstationen bekommen, wird die Flugroute bereits im Flug optimiert. Laut Boeing konnte der Anflug auf Frankfurt in höheren Luftschichten erfolgen und die Klappen wurden erst später ausgefahren, was die Lärmbelastung reduzierte. Ob die Testreihe insgesamt erfolgreich sein wird, wird natürlich erst am Ende des 777-200-Programms feststehen.

Zu den Partnern des diesjährigen Programms gehören unter anderem die Nasa, das DLR, Honeywell, die Boeing-Tochter Jeppesen und Collins Aerospace. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt das Ecodemonstrator-Programm im Rahmen der intelligenten Kabine mit zahlreichen Unternehmen. Dieses Kabinenprogramm wurde schon Anfang 2018 gestartet und wird nun in der Boeing 777 getestet.

Von: as

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