Boeing verbucht größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte

Wegen der Krise rund um die 737 Max verbucht Boeing den größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte: Das Minus in den vergangen drei Monaten beläuft sich auf umgerechnet 2,64 Milliarden Euro.

Das Boeing-Logo ist auf einem Bildschirm über dem Tradingfloor der New Yorker Börse zu sehen. © dpa / Richard Drew/AP

Wegen der Krise rund um die 737 MAX hat der US-Flugzeugbauer Boeing den größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte verbucht: Das Minus belief sich auf 2,94 Milliarden Dollar (2,64 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz fiel um 35 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar

Im Vorjahreszeitraum hatte Boeing noch 2,2 Milliarden Dollar verdient. Einen neuen Geschäftsausblick gab das Unternehmen wegen der hohen Ungewissheit hinsichtlich einer Wiederzulassung der Maschinen nicht ab.

"Dies ist ein entscheidender Moment für Boeing", erklärte Konzernchef Dennis Muilenburg, der wegen seines Krisenmanagements zeitweise selbst stark in die Kritik geraten war. Das Unternehmen setze alles daran, dass die 737 Max sicher wieder in Betrieb genommen werden könne. Boeing rechnet laut Muilenburg weiter damit, dass dies im vierten Quartal gelingen könnte.

Zwei Flugzeugabstürze in Indonesien und Äthiopien, bei denen im Oktober und März insgesamt 346 Menschen starben, haben den Hersteller in die Kritik gebracht. Für die 737-Max-Maschinen wurden im März weltweit Startverbote verhängt.

737-Max-Produktion könnte ausgesetzt werden

Die 737 Max ist eigentlich Boeings bestverkaufte Modellserie, für die es bis zu den Startverboten zahlreiche Bestellungen gab. Stattdessen hat Boeing jetzt trotz gedrosselter Produktion Probleme, die Flieger zu lagern. Sollte es zu weiteren Verzögerungen kommen, könnte die Produktion der Baureihe weiter gedrosselt oder ganz ausgesetzt werden, warnte Muilenburg.

© dpa, Elaine Thompson Lesen Sie auch: Flottenplanung für 737-Max-Betreiber weiter voller Unsicherheiten

Der Konzern wird verdächtigt, die 737 Max wegen des harten Konkurrenzkampfs überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing bestreitet dies zwar, hat aber Pannen eingeräumt. Untersuchungsberichte deuteten auf eine fehlerhafte Steuerungssoftware als Absturzursache hin.

Große Rückstellung sollen Klagekosten abfedern

Boeing ist daher mit Klagen und Ermittlungen konfrontiert. Boeing hatte bereits in der vergangenen Woche milliardenschwere Rückstellungen wegen des 737-Max-Debakels angekündigt. Im zweiten Quartal werde eine zusätzliche Belastung in Höhe von 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) nach Steuern anfallen.

Laut Boeing soll das Geld für potenzielle Entschädigungen von Fluggesellschaften verwendet werden, die wegen des Ausfalls der 737 Max von Betriebsstörungen und Auslieferungsverzögerungen betroffen sind. Der Konzern will die Sonderkosten zwar komplett im zweiten Quartal verbuchen, mögliche Kompensationen an Airlines sollen aber erst über mehrere Jahre und in verschiedenen Formen erfolgen.

Bislang beläuft sich die Schadensbilanz laut dem Finanzdienst Bloomberg auf 8,3 Milliarden Dollar - und das Ende dürfte noch lange nicht erreicht sein. Jüngst erst hatte die Ratingagentur Fitch vor weiteren Belastungen gewarnt.

Ob und wann die Jets wieder abheben dürfen, ist derweil weiter unklar. Der Hersteller arbeitet derzeit an einem Update der Software, um das Problem mit dem Stabilisierungssystem in den Griff zu bekommen. Das gesamte Paket werde der US-Luftfahrtbehörde FAA übergeben, sobald die Software allen nötigen Anforderungen genüge, teilte Boeing mit. Der Flugzeugbauer hofft darauf, im Herbst wieder eine Betriebserlaubnis für die Maschinen zu bekommen.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Boeing hofft auf Max-Wiederzulassung im Herbst

Trotz allem bleiben Anleger bislang relativ gelassen. Boeings Aktien sind seit Jahresbeginn um knapp 16 Prozent gestiegen. Das ist zwar deutlich schlechter als der Branchenschnitt, aber dennoch ein starkes Plus. Auch der hohe Quartalsverlust sorgte vorbörslich nur für leichte Kursabschläge. Letztlich fielen die Zahlen deutlich besser als erwartet aus. Analysten weisen zudem ohnehin immer wieder darauf hin, dass Fluggesellschaften kaum an Boeing vorbeikommen, da es nur Airbus als Alternative gibt und beide auf Jahre ausgebucht sind.

Von: dpa, AFP

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