Boeing für weltweit zeitgleiche Wiederzulassung der 737 Max

Die Boeing 737 Max sollte erst wieder abheben, wenn alle Luftfahrtbehörden das Flugzeug wieder freigeben. Das sagte Boeing-Chef Dennis Muilenberg vor der Paris Air Show. Viele Bestellungen erwartet Boeing dort nicht.

Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max der Southwest Airlines stehen Ende April 2019 in Victorville, Kalifornien. © AirTeamImages.com / Colin Parker

Boeing-Chef Dennis Muilenburg übt sich nach den Abstürzen und dem weltweiten Flugverbot für den Mittelstreckenjet 737 Max in Demut. Bei der bevorstehenden weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris gehe es für sein Unternehmen diesmal nicht um Aufträge, sondern um Sicherheit, Bescheidenheit und Lernen, sagte der Chef des weltgrößten Flugzeugbauers am Sonntag vor Journalisten in Paris.

Wann die Max-Jets wieder abheben können, wollte der Boeing-Chef nicht prognostizieren. Für die Verbesserung des Flugzeugs, dessen automatisches Trimmsystem MCAS vermutlich zu den Unglücken mit insgesamt 346 Toten beigetragen hat, werde sich Boeing die notwendige Zeit nehmen. Der Zertifizierungsprozess komme zwar gut voran, doch die Entscheidung liege bei den Behörden.

Muilenburg sprach sich dagegen aus, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA mit einer Freigabe vorprescht. "Wir halten es für sinnvoll, das Flugzeug auf der ganzen Welt gleichzeitig wieder in die Luft zu bekommen", sagte Muilenburg.

FAA rechnet mit Zulassung bis Ende des Jahres

Derzeit nehmen zahlreiche Aufsichten, darunter auch die EU-Luftfahrtbehörde Easa, den Flieger und die geplanten Änderungen an Software und Sicherheitssystem unter die Lupe. Bisher hatten sie sich größtenteils auf die Prüfungen durch die US-Behörde FAA verlassen. Diese steht aber im Zusammenhang mit der Zulassung der 737 Max selbst in der Kritik.

Viele Airlines haben die Max-Maschinen vorausschauend bereits für den Großteil des Sommers aus dem Flugplan genommen. Der Weltluftfahrtverband Iata rechnet damit, dass das Startverbot nicht vor Anfang oder Mitte August aufgehoben wird. Die FAA und auch Boeing selbst hatten zuletzt den Zeithorizont auf "bis Ende des Jahres" erweitert.

Wegen des seit Mitte März geltenden Startverbots muss Boeing laut Muilenburg derweil rund 150 neu gebaute Flugzeuge des Typs rund um die Werkshallen parken. Der Boeing-Chef rechnet dennoch nicht damit, die Produktion irgendwann stoppen zu müssen. "Wir denken nicht, dass die Abstellmöglichkeiten ein Problem werden", so Muilenberg. Man habe die Produktion der 737-Reihe um zehn Maschinen pro Monat gedrosselt. In den jetzt monatlich gebauten 42 Jets sei auch die Vorgängerversion 737 enthalten, sagte Muilenburg. Diese ist von dem Software-Problem und dem Flugverbot nicht betroffen.

Bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget, die an diesem Montag beginnt, erwartet der Manager zwar "ein paar Aufträge". Doch vor allem wollten er und sein Management mit Kunden und Zulieferern in den Dialog treten, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Auch die von Boeing ins Auge gefasste Entwicklung eines neuen mittelgroßen Flugzeugs muss weiter warten. "Die Aufarbeitung der Max-Krise geht vor", sagte Muilenburg. Er rechnet aber immer noch damit, dass das "New Midsize Aircraft" (NMA) wie geplant im Jahr 2025 fertig sein kann. Eine Entscheidung über den Bau werde aber wie zuletzt geplant in zwei Stufen fallen, voraussichtlich in diesem und im nächsten Jahr. Der Flieger soll mit 220 bis 270 Sitzplätzen größer sein als die 737 Max, aber kleiner als etwa der Langstreckenjet Boeing 787 "Dreamliner".

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Rivale Airbus hat sich bereits mit einer Langstreckenversion seines Mittelstreckenjets A321 Neo für das von Boeing anvisierte Marktsegment gerüstet. Die A321 LR (Long Range) ist bereits fertig und kann Entfernungen von bis zu 4000 nautischen Meilen bewältigen. Airbus-Verkaufschef Christian Scherer deutete am Freitag an, dass bald eine Super-Langstreckenversion des Jets folgen soll. Damit könnte Airbus dem "NMA" von Boeing zeitlich zuvorkommen.

Von: dh mit dpa

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