Boeing feiert Roll Out der 737 Max 10

Bei der Vorstellung der größten Variante der 737 Max in Renton verspricht Boeing das kosteneffizienteste Schmalrumpf-Flugzeug der Welt. Für direkte Konkurrenz zu den Langstrecken-Varianten des Airbus A321 fehlt es dem Muster jedoch an Reichweite.

Boeing stellt die 737 Max 10 in Renton vor. © Boeing

Boeing hat sein neuestes und gleichzeitig größtes Max-Modell der 737-Familie vorgestellt, wie das Unternehmen mitteilt. Mit der nochmals auf nun gut 44 Meter Länge gestreckten 737 Max 10 will der US-Flugzeugbauer dem Airbus A321 Konkurrenz machen. Nach Boeing-Angaben versammelten sich am Freitag tausende Mitarbeiter an der 737-Endmontagelinie in Renton nahe Seattle, um die Vorstellung der neuen Maschine zu feiern.

Boeing stellt die Max 10 in einer Zeit vor, in der nach wie vor unsicher ist, wann Max-Flugzeuge überhaupt wieder fliegen dürfen. Klare Aussagen von Behörden fehlen nach wie vor. Der Hersteller arbeitet in der Öffentlichkeit nach anfänglichen Problemen bei der Krisenbewältigung mittlerweile aber wieder gezielt an seinem Safety-Image und stellt diesen Aspekt bei jeder möglichen Gelegenheit stark heraus.

So verwies denn auch der General Manager des 737 Programms, Mark Jenks, in seiner Ansprache auf den Sicherheitsfokus von Boeing: "Die unermüdliche Konzentration dieses Teams auf Sicherheit und Qualität zeigt das Engagement, das wir gegenüber unseren Kunden und jeder Person haben, die mit einem Boeing-Flugzeug fliegt", so Jenks bei der Vorstellungszeremonie.

Bis zu 230 Passagiere

Die 737 Max 10 bietet Platz für bis zu 230 Passagiere in einem Einklassen-Layout. Mit Zwei-Klassen-Bestuhlung passen 188 bis 204 Fluggäste in die Maschine. Nach Herstellerangaben bietet das Flugzeug die niedrigsten Kosten pro Sitzmeile unter allen Schmalrumpfmaschinen. Die Europäische Konkurrenz von Airbus hat da traditionell eine andere Perspektive und sieht sich mit der A321 Neo und ihren verschiedenen Varianten deutlich im Vorteil. Der größte der kleinen Airbusse ist etwas größer und für bis zu 244 Passagiere zertifiziert.

Mit 3300 Meilen (6100 Kilometern) hat die Boeing 737 Max 10 auch eine deutlich geringere Reichweite als sämtliche A321-Varianten. Deren Langstrecken-Modifikationen LR und XLR bringen es auf 4000, respektive 4700 Meilen (7400 / 8700 Kilometer). Insofern ist die neue Boeing auch kaum Konkurrenz auf den von Airbus anvisierten Transatlantik-Strecken oder anderen Langstrecken. Sie wird eher als effizienterer Ersatz für bereits vorhandene Muster auf der Kurz- und Mittelstrecke zum Einsatz kommen.

Ungeachtet möglicher Freigaben durch die Behörden wird die Max 10 in diesem Jahr nicht mehr fliegen. Zunächst stehen Systemchecks und Triebwerkstests auf dem Programm, der Erstflug ist für kommendes Jahr vorgesehen. Nach Boeing-Angaben haben bislang über 20 Kunden feste Bestellungen und Optionen über mehr als 550 Max 10 gezeichnet.

© Boeing, Lesen Sie auch: Boeing baut Vertrauen in 737 Max langsam wieder auf

Boeing war nach zwei Abstürzen der 737 Max in eine tiefe Krise geraten. Seit März gilt für das Modell ein weltweites Flugverbot. Bei zwei Abstürzen mit Maschinen dieses Typs in Indonesien und Äthiopien waren zuvor 346 Menschen ums Leben gekommen. Ermittler vermuten, dass beide Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

Fluggesellschaften weltweit müssen derweil ohne das Flugzeug planen. American Airlines will frühestens ab dem 5. März 2020 wieder mit ihrer Boeing-737-Max-Flotte abheben, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte die Airline den 16. Januar als Termin für die Wiederaufnahme von Flügen mit diesen Maschinen angepeilt. Die Frist wurde damit bereits zum wiederholten Mal verlängert.

Die europäische Luftfahrtbehörde Easa hat bereits mitgeteilt, dass sie die 737 Max genau prüfen werde und eine Wiederzulassung frühestens für Januar angekündigt. Mitte Dezember seien Flugtests geplant, eine Entscheidung über die Wiederzulassung des Musters könne dann im Januar folgen.

Von: hr

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