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737 Max ruiniert Boeing-Bilanz

Die Krise der 737 Max kommt US-Flugzeugbauer Boeing teuer zu stehen. Statt Milliardengewinnen macht die Verkehrsflugzeugsparte 6,6 Milliarden US-Dollar Verlust. Der Konzernumsatz rutscht um ein Viertel ab. Die Jahresbilanz im Detail.

Eine Boeing 737 Max steht hinter STOP-Schildern am Boeing-Werk in Renton nahe Seattle. © AP/dpa / Elaine Thompson

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat wegen der schweren Probleme mit der 737 Max im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten Verlust gemacht. Das Minus für das vierte Quartal 2019 summiert sich auf eine Milliarde Dollar, für das Gesamtjahr beläuft es sich auf 636 Millionen Dollar (578 Millionen Euro), wie Boeing am Mittwoch mitteilte. 2018 hatte der Konzern noch über 10 Milliarden Dollar Gewinn gemacht.

In der von der 737-Max-Krise betroffenen Verkehrsflugzeugsparte lief im nun abgeschlossenen Geschäftsjahr ein operativer Verlust von 6,6 Milliarden US-Dollar auf. Das bedeutet einen Vorjahresunterschied von 14,4 Milliarden, denn 2018 hatte Boeing noch ein Plus von 7,8 Milliarden verbucht. Der Umsatz sank um 44 Prozent von 57,5 auf nun 32,3 Milliarden US-Dollar.

Auch beim Umsatz ging es mit einem Minus von 24 Prozent steil bergab. 2019 wurden 76,7 Milliarden US-Dollar umgesetzt, im Vorjahr waren es über 100 Milliarden gewesen. Trotz dieser Zahlen hat Boeing im allein im letzten Quartal 1,2 Milliarden US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet.

737 Max reißt Loch in die Kasse

Der Hauptteil des Einbruchs geht auf das Grounding der 737 Max zurück. So gibt Boeing die zusätzlichen Kosten für Entschädigungszahlungen an Kunden und wegen Produktionsausfällen mit insgesamt 9,2 Milliarden Dollar an.

Die Unterbrechung der Max-Produktion und das schrittweise Wieder-Hochfahren mit geringen Fertigungsraten werden den Konzern nach eigener Einschätzung rund vier Milliarden US-Dollar an Zusatzkosten bescheren. Diese Kosten würden im nun laufenden Jahr gebucht, wo sie auch hauptsächlich anfallen.

"Wir wissen, dass wir viel Arbeit vor uns haben", sagte der neue Boeing-Chef David Calhoun. Man konzentriere sich darauf, die 737 Max wieder sicher in den Flugbetrieb zurückzubringen und das Vertrauen in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. Sicherheit werde bei jeder Entscheidung, jeder Handlung und jedem Schritt auf diesem Weg das wichtigste sein, so der CEO.

Wann die Max-Flugzeuge wieder starten können, steht derweil immer noch in den Sternen. Nach dem Wechsel in der Chefetage gab es von Seiten der Luftfahrtbehörde FAA aber zuletzt immerhin positivere Signale. Momentan rechnen Beobachter mit einem Ende des Grounding in der Mitte des laufenden Jahres.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Experten glauben nicht an zeitnahe Wiederaufnahme der 737-Max-Produktion

Fertigungsrate der 787 wird wohl weiter reduziert

"Glücklicherweise gibt uns die Stärke unseres Geschäftsportfolios die finanzielle Liquidität, um einen sorgfältigen und verantwortungsvollen Prozess voranzutreiben," sagte Calhoun. Ihren Gesamtauftragsbestand beziffern die Amerikaner aktuell mit 463 Milliarden US-Dollar, davon gehen 377 Milliarden auf das Konto der 5400 bestellten Verkehrsflugzeuge.

Die vom CEO genannte Stärke ist vor allem in der 787 zu sehen. Das "Dreamliner"-Programm machte vergangenes Jahr mit 158 Flugzeugen den Großteil der Auslieferungen und damit auch der Einnahmen aus.

Trotzdem wird der Konzern die Fertigungsrate der 787 von derzeit 14 bis Ende 2020 auf zwölf Maschinen pro Monat herunterfahren. Auf Grundlage der aktuellen Marktentwicklung will Boeing die Rate Anfang 2021 sogar auf nur noch zehn Flugzeuge reduzieren. Ab 2023 sollen dann wieder zwölf 787 pro Monat die Werkshallen verlassen.

Hausgemachte Krise

Boeing steckt in einer schweren Krise: Seit März gilt ein weltweites Flugverbot für die 737 Max, nachdem bei zwei Abstürzen von Maschinen dieses Typs in Indonesien und Äthiopien insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

Wegen des weltweiten Flugverbots mussten Fluggesellschaften tausende Flüge streichen und auf andere Maschinen zurückgreifen. Sie verlangen vom Flugzeugbauer deswegen Entschädigungen in Milliardenhöhe. Die Produktion der 737 Max setzte Boeing aus.

© AirTeamImages.com, John Kilmer Lesen Sie auch: Die 737-Max-Zukunft entscheidet sich mit den Billigfliegern Maximales Desaster (1/3)

Von: hr, mit Material von afp

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