Boeing hofft auf Max-Wiederzulassung im Herbst

Boeing ist zuversichtlich, dass die 737 Max bis Herbst wieder abheben darf. Jetzt legt der Konzern Geld für Entschädigungen der Airlines und zurück. Die finanziellen Auswirkungen sind massiv. Die Anleger reagieren dennoch gelassen.

Endmontage der Boeing 737 Max im Boeing-Werk Renton im US-Staat Washington. © dpa / Ted S. Warren/AP

Boeing hofft, im Herbst wieder eine Betriebserlaubnis für die 737 Max zu bekommen. Der Konzern erklärte am Donnerstag, angestrebt werde eine Rückkehr zum Flugbetrieb zum Beginn des vierten Quartals dieses Jahres. Dies sei aber nur eine "bestmögliche Schätzung". Der tatsächliche Termin könne von dieser Schätzung abweichen.

Ob und wann Boeings 737-Max-Serie wieder abheben darf, ist damit weiterhin unklar. Zuletzt hatten Aufseher weitere Probleme festgestellt, wodurch sich eine Wiederzulassung noch deutlich länger hinziehen könnte. Boeing steht im Verdacht, die Flugzeuge überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Konzern bestreitet dies zwar, hat aber Pannen eingeräumt. Untersuchungsberichte deuteten auf eine fehlerhafte Steuerungssoftware als Absturzursache hin.

Die US-Fluggesellschaften mit 737-Max-Maschinen - Southwest, American und United Airlines - hatten zuletzt alle angekündigt, die Flugzeuge bis Anfang November aus den Flugplänen zu streichen. Deshalb entfallen täglich Hunderte Flüge, und den Airlines entstehen zusätzliche Kosten. Ein weiteres Problem sind Bestellungen für die 737 Max, die wegen des Flugverbots nicht ausgeliefert werden können.

Boeing erwartet fünf Milliarden Dollar Belastung

Die Krise um die nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegte Baureihe 737 Max vermasselt dem US-Flugzeughersteller damit auch die Bilanz. Im zweiten Quartal werde eine zusätzliche Belastung in Höhe von 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) nach Steuern anfallen, teilte das Unternehmen nach US-Börsenschluss mit.

Laut Boeing soll das Geld für potenzielle Entschädigungen von Fluggesellschaften verwendet werden, die wegen des Ausfalls der 737 Max von Betriebsstörungen und Auslieferungsverzögerungen betroffen sind. Der Konzern will die Sonderkosten zwar komplett im zweiten Quartal verbuchen, mögliche Kompensationen an Airlines sollen aber erst über mehrere Jahre und in verschiedenen Formen erfolgen.

Anleger nicht besorgt

Zudem teilte der Flugzeugbauer mit, dass die Produktionskosten des gesamten 737-Programms im zweiten Quartal um etwa 1,7 Milliarden Dollar angestiegen sein dürften. Dies liege hauptsächlich daran, dass die Fertigungsrate länger als geplant reduziert werden müsse. Diese gestiegenen Kosten würden auch künftig die Gewinnspannen belasten.

© dpa, Elaine Thompson Lesen Sie auch: Flottenplanung für 737-Max-Betreiber weiter voller Unsicherheiten

Anleger konnte dies jedoch nicht schrecken. Im Gegenteil: Boeings-Aktien drehten im nachbörslichen Handel sogar mit rund zwei Prozent ins Plus. Offenbar hatten die Marktteilnehmer noch heftigere Belastungen befürchtet. Ohnehin haben sich Börsianer die 737-Max-Krise bislang recht gelassen angeschaut. Auf Jahressicht hat der Aktienkurs sogar um knapp zwölf Prozent zugelegt.

Im vergangenen Jahr konnte Boeing bei einem Umsatz von rund 101 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 88 Milliarden Euro) einen Überschuss von knapp 11 Milliarden Dollar (9,2 Milliarden Euro) ausweisen.

Von: dh mit dpa

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