airliners.de Logo

Boeing bläst Embraer-Übernahme ab

Boeing will Embraer nicht mehr übernehmen. Der Kauf sei an "erfolglosen Verhandlungen" gescheitert, teilt Boeing mit. Hintergrund dürften die finanziellen Probleme im Zuge des 737-Max-Groundings sowie der Corona-Pandemie sein.

Embraer E 195-E2 © Embraer

Boeing bläst die Übernahme von Embraer ab. Die Verhandlungen um einen Kauf von vier Fünfteln des Verkehrsflugzeug- und Service-Geschäfts des brasilianischen Herstellers für 4,2 Milliarden Dollar sei gescheitert, teilte Boeing mit.

Boeing habe "mehr als zwei Jahre gewissenhaft gearbeitet, um seine Transaktion mit Embraer zum Abschluss zu bringen", sagte Boeing-Chef Marc Allen, der für die Fusionspläne verantwortlich war. In den vergangenen Monaten seien intensive Gespräche über aus seiner Sicht unbefriedigende Bedingungen aus dem ersten Abkommen geführt worden. Es sei jedoch nicht gelungen, die Fragen bis zum vorgesehenen Termin zu klären. Nähere Angaben zu den strittigen Punkten machte Allen nicht.

Embraer kündigte rechtliche Schritte gegen den Rückzug Boeings an. Boeing wolle wegen hausgemachter Probleme aus der Kaufvereinbarung herauskommen und nutze angebliche Unstimmigkeiten als Vorwand, teilte Embraer in Reaktion auf die Erklärung Boeings mit. Embraer werde "alle Maßnahmen" gegen Boeing für den Schaden ergreifen, der durch die "unrechtmäßige" Beendigung der Kaufvereinbarung entstehe.

Boeing hat große finanzielle Probleme

Boeing wollte beim dem geplanten Joint-Venture die Sparten Geschäftsentwicklung, Produktion und Marketing übernehmen. Embraer, die die restlichen 20 Prozent der Anteile halten wollte, sollte ihr Verkehrsflugzeugs- und Service-Sparte beisteuern. Die Regulierungsbehörden hatten den Deal nach und nach durchgewunken, mit Ausnahme der Europäischen Kommission, die ihn zuletzt noch geprüft hatte.

Boeing erwähnt die Corona-Krise in der Meldung nicht. Doch klar ist, dass der Virus dem Geschäft der Flugzeughersteller heftig zusetzt, mit ungewissen langfristigen Folgen. In den kommenden Tagen sollen Verhandlungen mit dem US-Finanzministerium über staatliche Unterstützung beginnen. Die US-Regierung stellt in der Corona-Krise Milliardenhilfen für betroffene Konzerne bereit.

Der US-Luftfahrtriese Boeing steht Medienberichten zufolge vor tiefen Einschnitten. So soll die Produktion des 787 Dreamliner deutlich gekürzt werden. Es wird erwartet, dass Boeing bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal am 29. April auch Massenentlassungen verkünden wird.

Boeing leidet extrem unter der Corona-Krise, viele Kunden des Airbus-Rivalen kämpfen gegenwärtig um das Überleben. Bereits über 300 Bestellungen wurden storniert. Dazu kommt für Boeing noch das Problem mit der 737 Max. Wegen eines seit Januar geltenden Fertigungsstopps bei dem nach zwei Flugzeugabstürzen weltweit mit Startverboten belegten Modell ist Boeings Produktion ohnehin schon stark eingeschränkt.

© dpa, Sebastiao Moreira/EFE/dpa Lesen Sie auch: Boeing und Embraer schließen Milliarden-Deal

Mit der Übernahme von Embraers E-Jet-Regionalflugzeugsparte wollte Boeing zu Airbus aufschließen, die sich die C-Series von Bombardier einverleibt hatten. Boeing ist im Segment für bis zu 100-sitzige Regionaljets bisher nicht vertreten. Durch den Kauf hätte Boeing sich Embraers Palette an kleineren Flugzeugen einverleibt. Das hätte den europäischen Rivalen Airbus geschwächt.

Von: dh mit dpa

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Kapitalmarkt Wirtschaft Industrie Boeing Konsolidierung Embraer Corona-Virus