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Noch keine Einigung wegen 737 Max zwischen Boeing und deutschen Airlines

Während Boeing mit amerikanischen Airlines bereits Vereinbarungen über Entschädigungszahlungen wegen des Flugverbots der 737 Max erzielt hat, lassen derartige Ergebnisse in Deutschland auf sich warten.

Boeing 737 Max 7. © Boeing

Deutsche und viele europäische Airlines verhandeln weiterhin mit Boeing über mögliche Kompensationen wegen des Grounding und der nicht erfolgten Auslieferungen von 737-Max-Flugzeugen. Zuletzt wurde von American Airlines und weitere außereuropäischen Fluggesellschaften Einigungen mit dem Hersteller verkündet. Bei hiesigen Betreibern dauert es offenbar etwas länger.

Die türkisch-deutsche Sunexpress ist nach wie vor in engem Austausch mit Boeing und den Behörden. "Im Mittelpunkt steht für uns dabei die sichere und zuverlässige Rückkehr des Modells und nicht etwa mögliche Entschädigungen", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Dabei stehe die Sicherheit der Passagiere und Mitarbeiter an erster Stelle. Weitere Details zu den Gesprächen wollte der Sunexpress-Sprecher nicht nennen.

Für die deutsche Tuifly verhandelt der Mutterkonzern Tui, über den die Flugzeugbestellungen laufen. "Wir sind weiter in Gesprächen und als langjähriger Kunde zuversichtlich, mit Boeing zu einer Einigung zu kommen", sagte ein Tuifly-Sprecher auf airliners.de-Anfrage zur momentanen Situation. Konkrete Ergebnisse würden allerdings erst feststehen und vermeldet, wenn das Grounding beendet sei. Der Tui-Konzern hatte im Sommer die Kosten des Flugverbots allein bis Ende September 2019 auf rund 300 Millionen Euro taxiert.

Tuifly betreibt in Deutschland bislang noch keine 737 Max, hätte aber bereits einige Maschinen übernehmen sollen. Die europäischen Schwestergesellschaften haben nach Daten von CH-Aviation bereits 15 Max-Maschinen von Boeing bekommen. Der gesamte Tui-Konzern hätte bis Ende 2019 auf 23 Maschinen kommen sollen.

Von Norwegian heißt es nur, man sei im Dialog mit Boeing und werde entsprechende Nachrichten per Börsennotiz mitteilen, wenn es Neuigkeiten gebe.

Die International Airlines Group (IAG), die im Sommer auf der Paris Air Show eine spektakuläre Optionsvereinbarung über 200 Boeing 737 Max unterzeichnet hatte, ist nach eigenen Angaben nicht direkt betroffen. Keine der Konzern-Airlines habe Flugzeuge des Typs im Bestand und der Letter of Intent mit Boeing sei noch keine formale Bestellung, heißt es von einer Sprecherin.

Keine finalen Einigungen

So lange nicht klar ist, wann die Flugzeuge wieder fliegen dürften, könnten Einigungen zwischen Airlines und Hersteller nur temporärer Natur sein, heißt es aus der Branche. Entweder sie reichten nur bis zu einem gewissen Datum oder beinhalteten Klauseln für jeden weiteren Tag des Grounding in der Zukunft.

Zur Aufhebung des Flugverbots muss Boeing nicht nur technische Modifikationen der Flugzeuge festlegen, sondern auch die Trainings der Piloten entsprechend anpassen. Aus Airline-Kreisen heißt es, dass auch hier noch erhebliche Zahlungen auf den Hersteller zukommen könnten. Eines der zentralen Verkaufsargumente für die Max war, dass die Piloten nur eine sehr kurze Schulung bräuchten, um von den älteren 737-Modellen auf den neuen Typ zu wechseln. Eine neue Musterberechtigung war bislang nicht notwendig.

Sollte dieser einfache und vor allem billige Wechsel künftig nicht mehr möglich sein, könnten weitere Kompensationszahlungen auf Boeing zukommen. Im Gegensatz zu Boeing und den Airlines würden sich aber wohl zumindest die Piloten über zusätzliche Trainingsstunden im Simulator freuen, so ein Insider.

Einigungen in Amerika

Mit der US-Fluglinie American Airlines hat Boeing bereits eine Vereinbarung über Entschädigungszahlungen wegen des Flugverbots der 737 Max erzielt. American teilte am Montag mit, die Vereinbarung decke durch das Flugverbot verursachte Finanzverluste des Jahres 2019 ab. Die Fluggesellschaft bezeichnete das Übereinkommen als "vertraulich" und nannte keine Details.

Die Gespräche mit Boeing liefen weiter, erklärte American. Darin gehe es um Kompensation für finanzielle Verluste über das Jahr 2019 hinaus. Für die 737 Max gilt seit vergangenem März ein weltweites Verbot, nachdem zwei Maschinen des Typs in Indonesien und Äthiopien abgestürzt waren. Dabei kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben.

Wegen des Flugverbots mussten Fluggesellschaften tausende Flüge streichen und auf andere Maschinen zurückgreifen. Boeing stellte im Juli 5,6 Milliarden Dollar (rund fünf Milliarden Euro) für Entschädigungen zurück.

Mehrere Einigungen bereits erzielt

Im Dezember schloss der US-Flugzeughersteller bereits eine Vereinbarung mit Southwest Airlines über Entschädigungen. Auch deren Höhe wurde nicht bekanntgeben. Zudem soll sich der Hersteller bereits mit Aeromexiko geeinigt haben.

© AP/dpa, Andrew Harnik Lesen Sie auch: Boeing-Chef Muilenburg tritt zurück

Boeing steckt seit den beiden Flugzeugabstürzen in einer tiefen Krise. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt. Die Produktion der 737 Max stellte Boeing inzwischen vorübergehend ein. Konzernchef Dennis Muilenburg trat kurz vor Weihnachten zurück.

Von: hr, br mit Material von afp

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