Boeing 737 Max weltweit am Boden

Boeing empfiehlt nun doch ein weltweites Grounding aller 737 Max. Zuvor hatten auch die USA ein temporäres Flugverbot verhängt. Die FAA spricht von neuen Beweisen. Die Flugdatenschreiber kommen aber doch nicht nach Deutschland.

Nach unten hin "abgeflachtes" Triebwerk an einer Boeing 737 MAX. ©: AirTeamImages.com / MATT7X

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat am Mittwoch ein Startverbot für alle Boeing 737 Max angeordnet, die in den USA fliegen oder von US-Fluglinien betrieben werden. Die Behörde teilte mit, Ermittler hätten am Mittwoch "neue Beweise" an der Unfallstelle gesammelt und analysiert.

Diese Beweise sowie neue Satellitendaten hätten zu der Entscheidung geführt. Das Startverbot bleibe in Kraft, solange weitere Untersuchungen wie etwa die Auswertung der Flugdaten der abgestürzten Maschine liefen.

Die FAA geht von einer längeren Stilllegung der Maschinen aus. Er rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge "innerhalb von ein paar Monaten", sagte der amtierende Behördenchef Daniel Elwell vor Journalisten. Deutschland hatte seinen Luftraum für die 737 Max für zunächst drei Monate gesperrt.

Schon nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Lion Air in Indonesien war die FAA tätig geworden. Nötig seien unter anderem Änderungen am sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS), das einen Strömungsabriss verhindern soll, erklärte die FAA am Montag und kündigte eine entsprechende offizielle Anweisung für April an

Die Flugunfallexperten vermuten nun, dass die neue Assistenzsoftware in den Boeing-Maschinen auch beim Ethiopian-Unfall eine Rolle gespielt haben könnte. Bei den neuen Erkenntnissen soll es sich um Daten der Firma Aireon handeln, die Flugzeugbewegungen mit Hilfe von Satelliten überwacht. Der Aireon-Bericht habe deutlicher als alle bisherigen Informationen gezeigt, dass es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Abstürzen gebe, sagte Elwell. Aireon sammelt in kurzen Abständen von den Maschinen übertragene Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Position.

Boeing empfiehlt weltweites Grounding

Auch Boeing empfiehlt nun das Grounding für alle Flugzeuge der 737-Max-Reihe. Betroffen sei "die gesamte weltweite Flotte von 371 Boeing-737-Max-Flugzeugen". Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. "Boeing hat weiterhin volles Vertrauen in die Sicherheit der 737 Max."

Boeing sicherte zu, man unternehme alles, um der Ursache für den Absturz in Äthiopien und den einer baugleichen Maschine in Indonesien knapp fünf Monate zuvor auf den Grund zu gehen. Boeing werde alles unternehmen, dass solche Vorfälle künftig nicht mehr vorkämen.

Kurz zuvor hatten nach den EU-Staaten und zahlreichen asiatischen Ländern auch Kanada und die USA ein Startverbot für Maschinen der Boeing-737-Max-Reihe erlassen. Alle diese Maschinen müssten mit sofortiger Wirkung am Boden bleiben, sagte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch und präsentierte eine entsprechende Notverordnung.

Die meisten Flugzeuge der Boeing-737-Max-Reihe in den USA hat Southwest Airlines im Einsatz, die Fluggesellschaft verfügt über 34 Boeing 737 Max 8. American Airlines - die größte US-Fluggesellschaft - setzt 24 Boeing 737 Max 8 ein. Für United Airlines fliegen 14 Maschinen vom größeren Typ Boeing 737 Max 9.

Bereits ausgelieferte Boeing 737 Max
Operator Max 8 Max 9
9 Air 1
Aerolineas Argentinas 5
AeroMéxico 6
Air Canada 24
Air China 16
Air Italy 3
American Airlines 24
Cayman Airways 1
China Eastern Airlines 3
China Southern Airlines 23
Comair (South Africa) 1
Copa Airlines 6
Corendon Airlines 1
Eastar Jet 2
Enter Air 2
Ethiopian Airlines 5
Fiji Airways 2 1
flydubai 11 3
Fuzhou Airlines 2
Garuda Indonesia 1
Globus 2
Gol Linhas Aéreas Inteligentes 7
Hainan Airlines 11
Icelandair 5
Jet Airways 5
Kunming Airlines 2
Lion Air 10
LOT Polish Airlines 5
Lucky Air (China) 3
Mauritania Airlines 1
MIAT - Mongolian Airlines 1
Norwegian 9
Norwegian Air International 9
Norwegian Air Sweden 3
Okay Airways 2
Oman Air 5
Private 2
Royal Air Maroc 2
S7 Airlines 2
SCAT Airlines 1
Shandong Airlines 6
Shanghai Airlines 9
Shenzhen Airlines 5
SilkAir 6
Smartwings (Czechia) 7
Smartwings (Poland) 1
Southwest Airlines 34
SpiceJet 13
Sunwing Airlines 3
Thai Lion Air 3
TUI Airways 6
TUI fly (Belgium) 4
TUI fly (Netherlands) 3
TUI fly Nordic 2
Turkish Airlines 11 1
United Airlines 14
WestJet 13
Xiamen Airlines 10

Stand: 03/2019Quelle: ch-aviation

Flugdatenschreiber werden in Frankreich ausgewertet

Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines sollen die beiden Flugschreiber nun in Frankreich ausgewertet werden. Das bestätigte am Donnerstag die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges.

Zuvor hatte die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Flugschreiber sollten noch am Donnerstag bei der französischen Luftsicherheitsbehörde Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) eintreffen. Die BEA erklärte via Twitter, die äthiopischen Behörden hätten bei der Untersuchung um Unterstützung gebeten.

© dpa, Igor Kovalenko Lesen Sie auch: So ist das Vorgehen bei Flugunfalluntersuchungen geregelt Hintergrund

Berichte, wonach der Flugschreiber in Deutschland ausgewertet werden sollte, bestätigten sich dagegen nicht. Ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sagte, das habe technische Gründe: "Wir werden die Blackbox nicht untersuchen, weil wir dazu nicht in der Lage sind." Das Gerät habe eine neue Software, die an der BFU nicht ausgelesen werden könne.

Die beiden Flugschreiber waren am Montag am Absturzort in der Nähe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geborgen worden. Die Maschine vom Typ Boeing 737 MAX 8 war am Sonntag verunglückt, 157 Menschen kamen dabei ums Leben.

Von: dh mit dpa, AFP

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