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Blockchain-Technologie in der Flugzeugwartung soll Milliarden sparen

Blockchains sind fälschungssicher und damit für die Dokumentation und den Informationsaustausch im MRO-Geschäft gut geeignet. Der IT-Dienstleister Sita arbeitet an der koordinierten, weltweiten Einführung der Technologie und verspricht große Eiffzienzsprünge.

Alle relevanten Infos für die Flugzeugwartung schnell und garantiert korrekt zur Stelle: Die Blockchain-Technologie verspricht mehr Sicherheit bei mehr Tempo. © Lufthansa Technik

Führende Unternehmen rund um den weltweiten MRO-Markt haben die Gründung der "MRO Blockchain Alliance" bekannt gegeben. Diese soll die erste branchenweite und praxisorientierte Untersuchung im Luftverkehr über den Einsatz der Blockchain-Technologie zur Verfolgung, Rückverfolgung und Aufzeichnung von Flugzeugteilen in den globalen Liefer- und Verteilketten starten.

Die neue Allianz umfasse Unternehmen, die jeden Aspekt der Flugzeugwartung abdecken, um möglichst alle Interessengruppen von Beginn an in die Entwicklung des neuen Ansatzes zu integrieren, teilte der das Bündnis anführende IT-Provider Sita mit. Es gehe darum frühzeitig industrieweite Standards zu schaffen, um die neue Technologie effizient einzusetzen. Zu den weiteren Mitgliedern der Partnerschaft gehören derzeit Bolloré Logistics, Cathay Pacific, FLYdocs, die HAECO-Gruppe, Ramco Systemsund die Willis Lease Finance Corporation.

In den kommenden Monaten wolle die Initiative einen Proof-of-Concept starten, um die Verwendung von Blockchains zur digitalen Verfolgung und Aufzeichnung der Bewegungen und der Wartungshistorie von Teilen bei unterschiedlichen Akteuren zu demonstrieren. Dazu gehörten neben Fluggesellschaften, Leasinggebern, Logistikern und Wartungsdienstleistern auch die Hersteller von Originalteilen (OEMs), so Sita.

MRO-Branche verarbeitet 25 Milliarden Teile im Jahr

Die an der Untersuchung beteiligten Unternehmen versprechen sich durch die Blockchain-Technologie große Effizienzsteigerungen und neue Geschäftsmodelle im MRO-Geschäft. So schätzt die Unternehmensberatung Pwc, dass der Einsatz von Blockchain den Umsatz der Luft- und Raumfahrtindustrie um bis zu vier Prozent oder 40 Milliarden US-Dollar steigern und gleichzeitig die MRO-Kosten weltweit um etwa fünf Prozent oder rund 3,5 Milliarden US-Dollar senken könnte. Die Einsparungen würden sich laut der Experten aus der sicheren Dokumentenspeicherung, der Gewährleistung von Vertraulichkeit und Datenschutz, verbesserten Einblicken in Reparaturzeiten und Bestände, automatisierten Arbeitsabläufen und einem effizienteren Abgleich von Unterlagen ergeben.

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Vor allem die Verfolgungsinformationen durch Blockchains sind für die Verwaltung einer komplexen logistischen Wertschöpfungskette wertvoll. Hochwertige Flugzeug-Teile haben oft eine hohe Lebensdauer, werden teils auch wiederaufbereitet und erneut verbaut und haben verschiedene Besitzer. Entsprechend aufwendig ist die Dokumentation.

Derzeit gebe es keine globale Datenbank und eine nur unvollständige gemeinsame Nutzung von Daten. Die Prozesse seien nur teilweise digitalisiert, erklärt Sita. Hier wolle man ansetzen, die Verwendung von Blockchains erleichtere und beschleunige die Teileverfolgung und sorge für einen sicheren Informationsaustausch. Jedes Jahr verarbeite die MRO-Branche 25 Milliarden Teile, während drei Milliarden neue Teile hinzukommen.

Jedes Teil bekommt einen Lebenslauf und einen Pass - beides sicher ungefälscht

Einer der Vorteile der Technologie besteht darin, dass ein nachträgliches Ändern von Daten sofort auffällt, da der Datensatz eines Blocks nur Sinn ergibt, wenn der vorhergehende (Daten-)Block nicht verändert wird. So kann der umfassenden Dokumentationspflicht in der Luftfahrt Rechnung getragen werden, in der Mechaniker und Ingenieure mit ihrer Unterschrift Verantwortung für die Sicherheit von Passagieren und Flugzeugen übernehmen. Ein Prozess, der Fälschungssicherheit voraussetzt.

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Die Allianz der Luftfahrtunternehmen werde Blockchains in ihrer Untersuchung verwenden, um zwei separate Informationsstränge für jedes Flugzeugteil aufzuzeichnen und zu verfolgen, teilte Sita mit: Einen digitalen Thread und einen digitalen Pass. Der digitale Thread liefere den Echtzeit-Status, die Chain of Custody und die Rückverfolgung des Teils über die Zeit. Der digitale Reisepass soll - wie ein menschlicher Pass - die unbestreitbare Identität eines Teils und andere wichtige Daten enthalten. Dazu gehöre etwa die Bescheinigung der Lufttüchtigkeit oder der Nachweis der Eigentümerschaft.

Sita werde die Leitung des globalen Bündnisses verwalten und alle erforderlichen Komponenten der Bockchain-Technologie liefern. Auch die Abstimmung mit und Validierung durch die Regulierungsbehörden will der Spezialist für digitale Lösungen im Luftverkehr übernehmen. Die Blockchain-Allianz werde sich in den nächsten Monaten in der Planungsphase befinden, mit dem Ziel, im zweiten Quartal 2020 mit dem ersten Proof of Concept in Betrieb zu gehen, so das Unternehmen.

Von: dk

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