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Die Born-Ansage (135) Gastautor werden

Bizarrer Humor des Lebens

Die Corona-Krise könnte ausgerechnet für den BER-Start hilfreich sein und der Ölpreis sackt ab, ohne dass Airlines davon profitieren können. Corona schreibt Geschichten, die sich kein Science-Fiction-Autor ausdenken könnte, meint unser Kolumnist Karl Born.

Montage: airliners.de © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH; Privat / Günter Wicker

Da haben wir viele Jahre über einen zwar immer "fertigeren" Flughafen in Berlin gelästert, der zwar einiges zu bieten hat (vom jährlichen Halbmarathon-Laufevent bis zum Parkplatz für nicht verkaufbare PKWs), nur leider mangels fehlender Zulassung keinen Flugverkehr. Von der Ankunft zweier Panda-Bären mal abgesehen. Auf den Titel emissionsfreiester Flughafen der Welt hätte Flughafenchef Lütke Daldrup sicherlich gerne verzichtet. Und jetzt, welch Wunder, man glaubt es kaum, soll der TÜV endlich die so lange ersehnte Genehmigung für den BER erteilt haben.

Aber wenn der legendäre Gorbatschow Spruch "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" jemals auf einen Flughafen passen könnte, ist der BER "Favorit Nummer Eins". Denn wenn er tatsächlich am 31. Oktober eröffnen sollte, wird er, dank Corona, zwar nicht emissionsfrei, aber doch sehr emissionsarm sein. Das ist schon bitter.

Besonders bizarr wird es bei dem Gedanken, falls für Tegel demnächst coronabedingt (bei fünf Prozent Auslastung) die Betriebspflicht ausgesetzt würde, könnte der BER eventuell schon vor dem 31.10. genutzt werden. Warum auch nicht, bis maximal 800 Quadratmeter Check In-Fläche ließe sich bestimmt realisieren.

Kaum einer kann vom billigen Ölpreis profitieren

Auch den Fluggesellschaften selbst bleibt zurzeit die Freude im Hals stecken. Auf dem Weltmarkt haben wir die niedrigsten Ölpreise aller Zeiten. Aber wer nicht fliegt, kann auch von den niedrigen Treibstoffpreisen nicht profitieren. Da saßen bei den Airlines die schlauesten Manager und dachten ununterbrochen darüber nach, was die richtige Hedge-Strategie sein könnte, und jetzt schlägt der aktuelle Fuel-Preis Kapriolen ohne Ende. Ölkontrakte zum Minus-Preis, wer das vorhergesagt hätte, wäre mitleidig belächelt worden.

© Fraport, Lesen Sie auch: Ölpreis rutscht erstmals ins Negative

Es ist nicht jedem gegeben über "schwarzen Humor" zu lachen. Dem realen Leben ist das zurzeit egal. Hätte man die beiden Geschichten in einem Science-Fiction-Roman verarbeitet, wäre man von jedem Verlag vom Hof gejagt worden.

Wem im Moment nicht nach schwarzen Humor ist, dem sei die Lektüre von meinem SF-Lieblingsautor Stanislaw Lem empfohlen: "Das Ringen der Menschen nach Erkenntnis, das ist ein Prozess, dessen Ziel im Unendlichen liegt."

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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