Berliner Wirtschaft fordert mehr Langstreckenflüge

In Berlin sind Langstreckenverbindungen ein rares Gut. Eine Initiative von Wirtschaftsverbänden will das nun ändern. Vor allem Richtung Asien gibt es laut einer Studie erhebliche Potenziale, die Wirtschaft und Tourismus voranbringen könnten.

Scoot fliegt seit dem 20. Juni viermal pro Woche zwischen Berlin und Singapur. © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH / Günter Wicker

Berliner und brandenburgische Wirtschaftsverbände fordern mehr Langstreckenflüge für die Hauptstadtregion. Drei von vier Unternehmen in der Metropolregion seien unzufrieden bis sehr unzufrieden mit dem aktuellen Langstreckenangebot in Berlin, teilten die Industrie- und Handelskammer in Berlin-Brandenburg und der Tourismusverband Visit Berlin in einem gemeinsamen Statement mit.

Die Verbände sehen vor allem großen Nachholbedarf bei Langstreckenverbindungen in Richtung Asien. Das Deutsche Wissenschaftliche Institut für Tourismusforschung habe in der von den Verbänden beauftragten Studie elf der 15 besonders attraktiven Zielmärkte im asiatischen Raum ausgemacht.

Von Berlin aus werden aktuell laut Flughafen-Daten lediglich fünf Langstrecken-Destinationen direkt angeflogen. Bis auf New York handelt es sich um asiatische Ziele, die alle vom Flughafen Tegel aus angeflogen werden:

Langstreckenverbindungen ab Berlin-Tegel im Winter
Ziel Airline Flugzeug Frequenz
Doha Qatar Airways 777-300 1234567
New York (EWR) United 767-300/-400 1234567
Peking (PEK) Hainan Airlines A330-300 1-3-567
Singapur Scoot 787-8 1-3-5-7
Ulan Bator MIAT Mongolian Airlines 767-300 (direkt) / 737-800 (mit Stop in Moskau SVO) ---45-7
Langstreckenflüge ab Berlin-Tegel, die im Winter angeboten werden. Quelle: Berliner Flughäfen

Im Sommer steigt die Zahl der Berliner Direktverbindungen nach Nordamerika ein wenig an, dann werden die Ziele New York JFK, Toronto und Philadelphia zusätzlich saisonal bedient:

Saisonale Langstreckenverbindungen ab Berlin-Tegel im Sommer
Ziel Airline Flugzeug Frequenz
New York (JFK) Delta 767-300/-400 1234567
Toronto Air Canada Rouge 767-300 12345-7
Philadelphia American 767-300 -2-4-67
Langstreckenflüge ab Berlin-Tegel, die nur im Sommer angeboten werden. Quelle: Berliner Flughäfen

Bund müsste Landerechte aushandeln

Gerade beim Zielmarkt Asien zeige sich das Dilemma, dass ausländische Airlines gerne direkt nach Berlin fliegen würden, es aber an den entsprechenden Luftverkehrsrechten fehle, so Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin. "Diese auszuhandeln, ist Aufgabe des Bundes. Leider rührt sich der Bund nicht." Hier werde man mit Unterstützung der Landespolitik nicht lockerlassen. Jede zusätzliche Langstreckenverbindung sei in Sachen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region vergleichbar mit der Ansiedlung eines Großunternehmens.

Jeder vierte Deutschland-Passagier will nach Berlin

Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker sieht vor allem im Incoming-Verkehr großes Potenzial: "Laut Statistik will jeder vierte internationale Passagier mit Reiseziel Deutschland eigentlich nach Berlin." Langstreckenpassagiere würden momentan künstlich gezwungen, auf Drehkreuzflughäfen im In- und Ausland auf ihrem Weg nach Berlin umzusteigen. "Das ist ineffizient und unökologisch", so der oberste Tourismuswerber der Hauptstadt.

Kieker sieht Ostdeutschland auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch benachteiligt. Der Osten sei vom interkontinentalen Flugverkehr weitgehend abgeschnitten, so Kieker. "Während in Ostdeutschland aktuell lediglich neun Langstrecken angeboten werden, sind es in Westdeutschland 159." Mit der Eröffnung des neuen Flughafens BER würden sich neue Chancen für die Hauptstadtregion ergeben, die man mit der Initiative unterstütze.

Nur Platz 20 von 26

Berlin liegt nach Angaben der Wirtschaftsverbände im Vergleich der europäischen Hauptstädte bei den direkten Langstreckenanbindungen auf Platz 20 von 26. Diese Platzierung sei auch Anlass für die Umfrage unter 150 Unternehmen gewesen. Hochgerechnet hätten Unternehmen aus Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr 1,55 Millionen Langstreckenflüge gebucht.

Die Initiative für mehr Langstreckenverbindungen wurde im Herbst 2018 von mehreren Wirtschaftsverbänden gegründet. Die Initiative hatte auf Basis einer Unternehmensbefragung sowie einer beauftragten Studie des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e.V. (DIWF e.V.) analysiert, welche aktuellen und potentiellen Langstreckendestinationen für die Wirtschaft von besonderer Bedeutung sind.

Von: hr

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