Berliner Flughafen Tegel darf am 15. Juni schließen

Der Berliner Flughafen Tegel kann am 15. Juni temporär geschlossen werden. Die Betreibergesellschaft will die Entscheidung aber von der Passagierentwicklung abhängig machen. Lufthansa kritisiert die Entscheidung.

Mit einer Klage der Lufthansa gegen angeblich zu hohe Gebühren in Tegel nahm der Rechtsstreit um die Entgeltordnungen der Flughäfen Fahrt auf. © Berliner Flughäfen

Die endgültige Entscheidung über die geplante Betriebspause am Berliner Flughafen Tegel fällt nach Betreiberangaben in den nächsten Wochen. "Nach der Genehmigung der Luftfahrtbehörde werden wir sehen, ob der verlässliche und sichere Flugbetrieb für die Hauptstadtregion in den kommenden Monaten einen oder zwei Flughäfen braucht", teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup der dpa mit. Es werde ermittelt, ob die Zunahme des Flugverkehrs die Offenhaltung Tegels ermögliche oder ob eine vorübergehende Schließung wirtschaftlich unvermeidlich werde.

Der Flughafen Tegel in Berlin kann am 15. Juni vorläufig schließen. Darauf verständigten sich der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg am Mittwochmorgen in einer per Videokonferenz ausgerichteten Gesellschafterversammlung, wie eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen bestätigte.

Von der Lufthansa kommt Kritik

Die Lufthansa-Gruppe hat kritisch auf die geplante Betriebspause am Berliner Flughafen Tegel reagiert. "Ein so kurzfristiger Standortwechsel ist aufwendig und kostenintensiv", teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. "In der aktuellen Krise, die uns ohnehin enorm fordert, ist das eine weitere Belastung."

Von der Lufthansa hieß es: "Sinnvoll wäre es, die Einstellung des Flugbetriebs in Tegel präzise auf die Inbetriebnahme des BER abzustimmen."

Berlin und Brandenburg wollen Kosten sparen

Berlin und Brandenburg dringen schon länger darauf, den derzeit wegen der Corona-Krise kaum genutzten Flughafen einstweilig zu schließen und damit Kosten zu sparen. Die Frage war wegen Einwänden der Bundesregierung allerdings mehrfach vertagt worden.

Bereits am Dienstag hatte das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, die beteiligten Bundesministerien hätten ihre Einwände zurückgezogen.

Der Bund hatte seine Einwände bislang damit begründet, dass die Zeit für die Inbetriebnahme des neuen Regierungsterminals in Schönefeld bis zur im Juli beginnenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu kurz sei. Laut "Handelsblatt" wurde dies inzwischen gelöst.

Nur noch 2000 Passagiere pro Tag

Der sonstige Berliner Flugverkehr könnte ohnehin über den ebenfalls derzeit nicht ausgelasteten Flughafen Schönefeld abgewickelt werden. Ende Oktober soll dann nach jahrelangen Verzögerungen der neue Flughafen BER, ebenfalls in Schönefeld, in Betrieb gehen.

Zuletzt flogen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld nur etwa 2000 Passagiere pro Tag. Das Hauptabfertigungsgebäude in Tegel ist schon seit Mitte März geschlossen, Passagiere checken nur noch im Nebenterminal C ein. Ähnlich ist es in Schönefeld.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Lesen Sie auch: Tegel-Wiedereröffnung hängt von Passagierzahlen ab

Mit der Schließung Tegels werden mehrere hunderttausend Berliner von Fluglärm entlastet. Wegen seiner Nähe zur Innenstadt und der kurzen Wege in den Terminals hat der Flughafen aber auch viele Freunde. Bei einem Volksentscheid 2017 stimmte eine Mehrheit dafür, den Flughafen parallel zum BER weiterzubetreiben. Das Votum hat aber keine Gesetzeskraft.

Ende März hatte der Bund noch durchgesetzt, dass Tegel offen bleibt. Die Infrastruktur sollte gerade wegen der Corona-Krise flexibel verfügbar bleiben, hieß es. Bedenken hatte der Bund auch, weil das neue Regierungsterminal in Schönefeld noch nicht betriebsbereit war. In den vergangenen Tagen hatte sich aber ein Kompromiss angedeutet.

Von: dpa-AFX, br

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Flughäfen Politik Berlin-Tegel Corona-Virus