Bericht belastet Boeing und FAA - Muilenberg gibt einen Posten ab

Ein Untersuchungsbericht unabhängiger Experten kritisiert offen das Gebaren von Boeing und der Aufsichtsbehörde FAA. Die Krise um die 737 Max führt bei Boeing zu einer Neuaufstellung im Top-Management.

Dennis Muilenburg, Vorstandsvorsitzender von Boeing © dpa / Jim Young/Pool AP

Der US-Luftfahrtriese Boeing ordnet seine Führungsetage im Zuge der Krise um den mit Startverboten belegten Flugzeugtyp 737 Max neu. Dennis Muilenburg wird den Verwaltungsratsvorsitz abgeben, um sich als Vorstandschef in Vollzeit um die angestrebte Wiederzulassung der 737 Max, die Bedürfnisse der Kunden und die Verschärfung von Boeings Fokus auf Produkt- und Service-Sicherheit kümmern zu können. Das teilte der Konzern in Chicago mit.

Zuvor waren der Hersteller und die US-Luftfahrtaufsicht FAA nach den beiden Abstürzen 737 Max weiter in die Kritik geraten. Boeing habe den Regulierern die Funktionsweise der als eine wichtige Unglücksursache geltenden Steuerungssoftware nicht ausreichend erklärt, heißt es in einem veröffentlichten Untersuchungsbericht eines von der FAA beauftragten Expertengremiums.

Der Flugzeugbauer habe die Aufsicht nicht angemessen über laufende Veränderungen an der MCAS-Automatik informiert, die bei beiden Abstürzen eine entscheidende Rolle gespielt haben soll. Der FAA sei das MCAS-System zwar nicht von Boeing verschwiegen worden. Doch der Informationsfluss sei bruchstückhaft und an getrennte Gruppen innerhalb der Aufsicht erfolgt, so dass diese die tatsächliche Funktionsweise und Wirkung schwer habe einschätzen können.

Experten zweifeln an Qualifikation von FAA-Beamten

Die von der FAA aufgestellte Taskforce geht aber auch mit der Behörde selbst hart ins Gericht. So zweifeln die Experten etwa an, ob alle für die 737-Max-Zertifizierung zuständigen FAA-Beamten ausreichend Erfahrung und Fachkenntnis für die Aufgabe hatten.

FAA-Chef Steve Dickson sprach der Kommission in einem Statement seinen Dank aus und kündigte an, die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung zu prüfen und entsprechende Schlüsse zu ziehen.

© AP/dpa, Ted S. Warren Lesen Sie auch: FAA zögert bei Wiederzulassung von Boeings 737 Max

US-Ermittler untersuchen, ob bei der Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging. Die FAA soll wesentliche Teile der Zertifizierung Boeing selbst überlassen haben. Ob und wann die 737 Max wieder abheben darf, ist derzeit unklar.

Muilenberg soll Vorstandschef bleiben

Den Verwaltungsrat des Flugzeugbauers soll künftig David L. Calhoun leiten - als nicht geschäftsführender Vorsitzender. Calhoun sprach Muilenburg im Namen des Gremiums Rückendeckung aus: "Der Rat hat volles Vertrauen in Dennis als Vorstandschef." Muilenburg erklärte, dass er die Entscheidung des Verwaltungsrats voll unterstütze. Das gesamte Team sei darauf fokussiert, die 737 Max wieder sicher in den Betrieb zu bringen. Anleger reagierten auf die Nachricht zunächst gelassen, Boeings Aktien drehten nach Börsenschluss lediglich leicht ins Minus.

© Adobe Stock Nr. 233309267, Lesen Sie auch: Diese Änderungen plant Boeing für die 737 Max

Mit dem Personalwechsel auf oberster Ebene setzt der Konzern ein klares Zeichen in Sachen Krisenmanagement. Der Schritt dürfte aber auch dazu dienen, Muilenburg etwas aus der Schusslinie zu bringen. Der 55-Jährige steht durch das 737-Max-Debakel nach zwei Abstürzen mit Hunderten Toten auch selbst stark in der Kritik und war bereits mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Mit Calhoun steht dem Verwaltungsrat - der als oberstes Gremium dem Vorstand übergeordnet ist - künftig ein Private-Equity-Mann vor, der im Boeing-Direktorium bislang nicht sonderlich auffiel.

US-Airlines nehmen 737 Max jetzt bis mindestens Januar aus dem Flugplan

Einen nachvollziehbaren Zeitplan für die Wiederzulassung gibt es derweil immer noch nicht. Die US-Fluggesellschaft United Airlines plant mittlerweile für dieses Jahr nicht mehr mit dem Einsatz der Boeing-Problemflieger. Die Maschinen werden bis zum 6. Januar aus dem Flugplan gestrichen, wie die Airline mitteilte. Dadurch fallen zahlreiche weitere Flüge aus, ausgerechnet in der besonders betriebsamen Reisezeit rund um Weihnachten und den Jahreswechsel.

Zuvor hatte United mit einem Ausfall bis zum 19. Dezember gerechnet. Zuvor hatte bereits American Airlines Flüge mit Boeings Krisenjets bis zum 16. Januar gestrichen. Die dritte große US-Fluglinie mit 737-Max-Fliegern in der Flotte, Southwest Airlines, plant derzeit bis zum 5. Januar nicht mit den Maschinen.

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Von: dk, dpa

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