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BER rechnet mit geplanter Auslastung nicht vor 2025

Die 36 Millionen Fluggäste, die 2019 die Berliner Flughäfen nutzten, werden sich am neuen BER nicht vor 2025 einfinden, stellt die Flughafengesellschaft fest. Bis dahin werde es weitere finanzielle Unterstützung vom Staat brauchen.

Engelbert Lütke Daldrup. © dpa / Annegret Hilse

Der neue Hauptstadtflughafen BER wird aus Sicht der Betreiber noch mehrere Jahre nicht ausgelastet sein. Ein Ende der Reisebeschränkungen sei erst zu erwarten, wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus global und flächendeckend zur Verfügung stehe, teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mit.

Die Flughafengesellschaft rechne deshalb erst im Jahr 2025 mit einer Erholung des Flugverkehrs auf Vorkrisenniveau. Bis dahin werde der Staatsbetrieb weiter Geld von seinen Eigentümern benötigen, den Ländern Berlin und Brandenburg und dem Bund.

"Wir als Unternehmen werden alle Anstrengungen unternehmen, bis dahin so kostengünstig wie möglich zu arbeiten", sicherte Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung zu. Er hatte dem Kontrollgremium die Aussichten für die nächsten Jahre dargelegt. Demnach könnte das Vorkrisen-Niveau von knapp 36 Millionen Fluggästen pro Jahr im besten Fall 2023 erreicht werden, im schlechtesten Fall 2027. Die Entwicklung hänge entscheidend davon ab, wie sich die Impfungen entwickelten, wann Beschränkungen gelockert würden und wie schnell sich die Wirtschaft erhole.

2021 rechnet man mit 10,7 Millionen Passagieren

Im Schnitt seien am BER in den ersten Januarwochen täglich rund 7500 Fluggäste abgefertigt worden und damit nur rund zehn Prozent des Vorjahresniveaus, berichtete die Berliner Flughafengesellschaft FBB. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit rund 10,7 Millionen Passagieren, das wäre nur ein Drittel des Aufkommens des Jahres 2019, bevor die Corona-Pandemie zu Reisebeschränkungen zwang. Viele Airlines hätten ihre Flotten deutlich reduziert, Arbeitsplätze abgebaut und positionierten sich neu am Markt, hieß es.

Die Geschäftsführung haben den Aufsichtsrat außerdem ausführlich über geplante Einsparungen in den kommenden Jahren unterrichtet. "Dazu gehört unter anderem das Zurückstellen von Investitionen zur baulichen Erweiterung des BER, eine strikte Ausgabenkontrolle und der Umbau der Personalstruktur." Sonderprojekte wie die temporäre Stilllegung des Terminal 5 oder die Aussetzung der Nutzung der südlichen Start- und Landebahn trügen ebenfalls erheblich zur Kostenreduktion bei.

Nach Informationen des "Tagesspiegels" könnten auch Bezüge der Geschäftsführung gekürzt werden. Beschlüsse wurden in der aktuellen Strategiesitzung nicht getroffen. Konkreter dürfte es bei der nächsten regulären Sitzung des Kontrollgremiums Mitte März werden.

Die geplanten Einsparungen würden in der Summe aber nicht ausreichen, um die coronabedingten Umsatzverluste aufzufangen, so die FBB. Deshalb sei an auf eine erneute Unterstützung ihrer Gesellschafter und eine Teilentschuldung zur Erhaltung der Kapitalmarktfähigkeit angewiesen.

Für dieses Jahr hatte das Unternehmen schon im Herbst einen Bedarf von rund 660 Millionen Euro bei seinen Gesellschaftern angemeldet. Im Gegenzug spart die Flughafengesellschaft im Betrieb und beim Personal. Der Plan zum Bau eines weiteren Terminals liegt auf Eis.

Schon vor der Corona-Krise gab es in der Finanzplanung des Unternehmens für 2021 eine Lücke von 375 Millionen Euro, vor allem weil noch Rechnungen für den neuen Flughafen zu bezahlen sind. Er war Ende Oktober nach jahrelangen Verzögerungen eröffnet worden. Der Einbruch der Passagierzahlen hat die Finanznot vergrößert.

Von: dk, afp, dpa

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