Die Born-Ansage (125) BER will an Halloween eröffnen

Der BER soll mal wieder eröffnet werden. Doch bei dem anvisierten Datum zu Halloween ergeben sich bei unserem Kolumnisten Karl Born unweigerlich Gedanken an den untoten Flughafen und seine gruselige Geschichte.

Montage: airliners.de © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH; Privat / Günter Wicker

Am 31.10.2020 soll es tatsächlich so weit sein. Engelbert Lütke Daldrup, Chef des BER, will tatsächlich seinen Flughafen eröffnen. Ganz schön mutig, so präzise zu sein.

Dabei nützt er den versprochenen Oktober 2020 voll aus. Zum Glück hat der Oktober mehr Tage als September oder sogar Februar. Aber der 50. Oktober wäre ihm bestimmt noch lieber gewesen. Und warum auch nicht, die EU hat schon öfters mal die Uhr fünf Minuten vor 24 Uhr gestoppt, wenn ein bestimmter Tag eingehalten werden musste. Bis zum Kalenderstopp ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Eröffnung an Halloween, zufällig oder echt geplant? "Süßes oder Saures", "trick or treat" wie die Amerikaner sagen. "Zombies, die für eine Nacht am Leben sind" oder für immer am Leben bleiben wollen. Ich bin gespannt, wieviel Humor die Airlines für diesen Tag und die folgenden mitbringen werden. Der BER wird immer fertiger.

Sollen die Abschiedsworte des legendären Ex-Flughafenchefs Mehdorn von 2005 (!) "Der BER wird immer fertiger und fertiger" zehn Jahre später tatsächlich in Erfüllung gehen? Toller Visionär kann man da nur sagen.

Beschlossene Sache

Man will ja nicht unken und auch kein Defätist sein. Aber sollte ….? Kann ja nicht sein. Was sagte Wowereit auf die Frage, "Was macht Sie so sicher, dass der BER pünktlich eröffnet?" Wowereit: "Weil wir das so beschlossen haben". Ein echter Macher.

Also nochmals, sollte es tatsächlich wieder nichts werden, bitte etwas früher Bescheid geben als 2012. Am 3.6.2012 sollte der BER spektakulär eröffnet werden, am 8.5.2012, nachdem alle Einladungen schon raus waren, wurde abends die große Eröffnungsparty abgesagt.

Ich weiß es deshalb noch so genau wie damals, weil am nächsten Tag der "Tag des Tourismus" in Berlin stattfand und ich einen Vortrag zur BER-Eröffnung halten sollte. So war dann am 9.5.2012 der Vortragssaal knallvoll und TV, Radio und Print drängten sich um die besten Plätze und wollten gleich am Anfang erste Statements vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und vom Flughafenchef Rainer Schwarz hören. Aber Schwarz kam viel später und Wowereit kam überhaupt nicht. So wurde ich gebeten, meinen eigentlich zum Schluss vorgesehen Vortrag vorzuziehen.

Nichtflug wurde unruhig

Tolles Gefühl vom Rednerpult das Mediengedränge zu sehen, auch wenn es bedauerlicherweise nicht "primär" mir galt. Mein Thema damals: "BER: Fasten seatbelts please – der Weiterflug könnte unruhig werden". Die aktuelle Umdeutung war nicht so schwer. "Bitte nicht anschnallen, auch wenn der 'Nichtflug' zumindest noch unruhiger als der 'Weiterflug' werden wird". Aber dass da noch acht Jahre drauf kommen, das hat auch meine Fantasie weit überschritten.

Kurzfristig bleibt demnach, was ich in meiner Ansage 72, vom November 2017 geschrieben habe. Der nächste Feiertag ist der 19.8.2020, da sind es exakt 3.000 Tage seit der 2012er Nichteröffnung. Damals schrieb ich "letzte Chance für Bundeskanzlerin Merkel ihre 2012 ausgefallenen Rede nachzuholen". Da bin ich mir jetzt auch nicht mehr so sicher.

By the way, mein Manuskript von 2012 wäre immer noch aktuell, vielleicht jetzt noch mehr.

Wenn es dann am 31.10.2020 doch klappen sollte, wäre es irgendwie schade um die vielen Auszeichnungen, die der BER inzwischen bekommen hat und die dann alle "futsch" wären: "Emissionsärmster Flughafen der Welt, einziger Flughafen, der alle Lärmrestriktionen weit unterbietet, Flughafen mit der längsten Nachtschließungszeit der Welt (20.00 Uhr bis 20.00 Uhr), einziger Flughafen, der eine special Eröffnung für ein Panda-Pärchen machte und sofort danach wieder schloss".

Als eröffneter Flughafen ist er einer wie alle anderen? Nein, glaube ich nicht. Dann haben wir vielleicht als nächste Aufreger-Headline: "Tegel wurde zu früh zugemacht".

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de

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