Zug statt Flug (4) Beim Arbeiten im Zug nervt nur das Funkloch

Weniger Hektik und mehr Platz als im Flugzeug: Arbeiten im Zug ist deutlich angenehmer. Doch die Verfügbarkeit von WLAN oder LTE lässt oft zu wünschen übrig. Nur auf Neubaustrecken ist die Verbindung stabil.

Eine Reisende in einem Zug der Deutschen Bahn arbeitet an ihrem Laptop. © dpa / Mascha Brichta

In einer mehrteiligen Reihe legt Bahn- und Luftfahrtjournalist Andreas Sebayang die praktischen Probleme rund um die aktuelle Diskussion um eine Verlagerung von Fernverkehr auf die Schiene dar. Im vierten Teil schwingt das Pendel aber zurück zur Bahn, denn es geht um die Vorteile eines mobilen Arbeitsplatzes.

Das waren noch Zeiten: Als die Deutsche Bahn vor 40 Jahren die Intercity-Taktverkehre einführte, waren die 1.-Klasse-Züge ein rollendes Büro. Hier konnte der "Geschäftsmann von Welt" richtig arbeiten und es sich dabei gut gehen lassen.

Angefangen bei den an Bord verfügbaren Zugsekretärinnen, die im "Schreibabteil" Briefe tippten und aus dem Zug Telegramme versenden konnten, bis hin zum "à la Carte"-Zugrestaurant ließen die neuen ICs keine Wünsche offen.

Nur die Reisegeschwindigkeit war zunächst noch vergleichsweise langsam. Doppelt so schnell wie das Auto, halb so schnell wie der Luftverkehr. Das war damals noch die Devise.

Mehr Zeit zum Arbeiten

Mittlerweile hat die Bahn deutlich andere Ansprüche an ihre Geschwindigkeit. Aber eines ist geblieben: Einer der großen Vorteile des Zugverkehrs im Vergleich zum Flugzeug ist die ruhige Situation im Wagen. Und damit ist nicht nur der Triebwerks- respektive im Bahnverkehr der Drehgestell-Lärm gemeint.

Eine Reise im Zug ist schlicht weniger hektisch als mit dem Flugzeug: Keine Sicherheitskontrolle, kein langwieriges Boarding hinter Passagieren, die erst einmal die Gepäckablage über ihren Sitzen füllen müssen und ein Tisch, den man bei der Bahn im Gegensatz zum Flugzeug fast immer auch wirklich nutzen kann. Selbst die Fahrkarte muss man nicht mehr vorzeigen, wenn man sich selbst eincheckt.

Das System Bahn hat hier einen grundsätzlichen Vorteil. Bei der Reise etwa von Hamburg nach Frankfurt am Main lässt sich für einen Geschäftsreisenden der größte Teil sitzend verbringen. Beim Flugzeug hingegen ist der Sitzanteil auf derselben Strecke eher kurz. Und da Reisezeit oft in die Arbeitszeit fällt, ist ein Flug im Berufsalltag auf der Kurzstrecke oft ineffizient.

Doch so richtig schön ist die Arbeitssituation in Deutschland auch in der Bahn nicht – zumindest nicht immer. Zum modernen Arbeiten gehört nämlich eine regelmäßige Netzverbindung. Man liest seine Mails, recherchiert, kommuniziert, ist produktiv.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Wie das schnelle Internet ins Flugzeug kommt Hintergrund

Das geht im Flugzeug entweder gar nicht - oder man muss es teuer erkaufen. Dann funktioniert es meist aber auch zuverlässig. Bei der Bahn ist Internet im Fernverkehr dagegen sogar ohne Aufpreis verfügbar. Per WLAN oder einfach über das Handy, Tablet oder gar via Notebook mit eingebautem LTE-Modem. Nur funktioniert es selten wirklich gut.

WLAN bei der Bahn – kostenlos aber nicht immer verfügbar

Denn was beim Arbeiten in der Deutschen Bahn gewaltig nervt, ist die Netzqualität, egal ob über die Verbindung des eigenen Geräts oder das zugeigene WLAN. Sie ist im Zug vom Mobilfunkausbau abhängig - und da sieht es in Deutschland entlang der Bahntrassen zum Teil leider sehr schlecht aus.

Von: Andreas Sebayang

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