Interview "Für die Beschäftigten ist das sehr bedauerlich"

BDLS-Präsident Udo Hansen spricht im airliners.de-Interview über das gescheiterte Verdi-Mitgliedervotum zum ersten bundeseinheitlichen Tarifvertrag für Mitarbeiter an den Flughafen-Sicherheitskontrollen.

Eine Mitarbeiterin des Sicherheitspersonals kontrolliert auf dem Flughafen in Düsseldorf das Handgepäck der Fluggäste. © dpa / Roland Weihrauch

Verdi und der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) einigen sich nach etlichen Warnstreiks auf den ersten bundesweit gültigen Tarifvertrag für Mitarbeiter an der Flughafensicherheit. Dann erklärt Verdi überraschend, die Neuregelung könne nicht in Kraft treten, da bei einer Mitgliederbefragung 55 Prozent der Teilnehmer nicht zugestimmt hätten. Der BDLS zeigt "großes Unverständnis" - erklärt sich aber zu Gesprächen bereit. Die sollen im März an einem geheimen Ort stattfinden. Nun spricht BDLS-Präsident Udo Hansen im airliners.de-Kurzinterview über den Rückschlag:

airliners.de: Normalerweise fällt ja ein fertig verhandelter Tarifvertrag nicht durch ein Mitgliedervotum. Hat Verdi da etwas falsch kommuniziert?
Udo Hansen: Über das Kommunikationsverhalten unseres Sozialpartners können und wollen wir nicht spekulieren. Bis gestern haben wir keinerlei Hinweise auf eine Ablehnung von Verdi erhalten. Insoweit sind wir sehr überrascht.

Gibt es dann auch aus Arbeitgebersicht Punkte, die in den Nachverhandlungen neu aufgemacht werden sollten?
Da wir die Gründe der Ablehnung noch nicht kennen, sehen wir uns derzeit außerstande, konkrete Überlegungen zum Fortgang anzustellen.

Udo Hansen Udo Hansen wurde im Sicherheitsbereich unter anderem bekannt als Referatsleiter im Bundesinnenministerium, Leiter des Bundesgrenzschutzes (BGS) am Flughafen Frankfurt und Präsident des Bundespolizeipräsidiums Ost. Nun ist er Präsident des BDLS, der den Fachverband Aviation des BDSW ablöste. Dem BDLS gehören alle wichtigen Luftsicherheitsunternehmen an.

Ist denn schon absehbar, wie der Prozess sich dadurch insgesamt verzögert? Eigentlich sollte es ja schon im März losgehen…
Durch die Ablehnung werden die rund 23.000 Beschäftigten nun erst einmal überhaupt keine Lohnerhöhungen erhalten. Die anvisierten Erhöhungszeitpunkte sind nun nicht mehr haltbar. Insbesondere in Anbetracht der Erhöhungen des erzielten Ergebnisses der Verhandlungen empfinden wir dies für die Beschäftigten sehr bedauerlich.

Der ausgehandelte Tarifvertrag gilt als Meilenstein, weil er erstmals bundesweit die Tarife für das Sicherheitspersonal an Flughäfen regelt. Steht das jetzt auf der Kippe?
Aus unserer Sicht keinesfalls. Die Bitte der Arbeitnehmer um erneute Gespräche suggeriert uns, dass auch Verdi-seitig keine grundsätzliche Ablehnung besteht. Selbstverständlich sind wir zu einem klärenden Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern bereit, insbesondere weil wir nicht wissen welche Gründe Verdi zu ihrem Votum bewogen hat.

Wie wichtig ist denn den Arbeitgebern ein bundeseinheitliches Tarifwerk?
Uns ist dies sehr wichtig, denn es vereinfacht für alle Beteiligten viel Abläufe, schafft Transparenz und erleichtert die Personaldisposition. Außerdem erweitert es die Einsatzmöglichkeiten der Beschäftigten unserer Unternehmen und verschafft damit eine höhere Arbeitsplatzsicherheit.

© Securitas, Lesen Sie auch: Tarifeinigung: Keine 20 Euro Stundenlohn

Was passiert, wenn die Einigung nun doch noch platzt? Die Lohnerwartungen waren ja zum Teil enorm. Muss sich die Branche auf neue Streiks einstellen?
Bisher hat die Gewerkschaft um Gespräche gebeten – mehr nicht. Wir sind gesprächsbereit und von einem Platzen der Verhandlungen ist auch bei Verdi bisher keine Rede. Wir werden sehen müssen, welche Punkte die Gewerkschaftsmitglieder dazu bewegt haben abzulehnen, dann schauen wir weiter.

Herr Hansen, vielen Dank für das Gespräch.

Von: dh

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