BDLI rechnet erst 2023 mit Normalisierung des Flugverkehrs

Der Flugverkehr wird aus Sicht der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland erst in zwei bis drei Jahren wieder das hohe Vorkrisen-Niveau erreichen. Hersteller- und Zulieferbranche fordert daher weitere Unterstützung vom Staat.

Rumpfproduktion bei Airbus in Hamburg. © Airbus / Helmut Hofer

Wir rechnen für Ende 2022 oder Anfang 2023 mit einem Niveau des Flugaufkommens wie wir es 2019 hatten", sagte der Präsident des Branchenverbands BDLI, Dirk Hoke, auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Es sei zu früh, um abzusehen, wann Verbraucher mit dem Flugzeug wieder über Ländergrenzen hinweg reisen könnten.

Derzeit stecke die Branche aufgrund des neuartigen Coronavirus in der größten Krise ihrer Geschichte. Die meisten Fluggesellschaften flögen derzeit nur mit einem Bruchteil ihrer Flotte oder ließen diese vollständig am Boden. "Wir sehen, dass das Ende des Einbruchs immer noch nicht absehbar ist", sagte Hoke.

Sieben Millionen Passagiere im März

Lediglich rund 7 Millionen Passagiere verzeichneten die Flughäfen in Deutschland im März. Das waren allein in diesem Monat mehr als 60 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres, wie aus Daten des Flughafenverbands ADV hervorgeht. Zahlen für April liegen noch nicht vor.

Trotz der schlechten Aussichten beginnt die Branche damit, sich auf eine wieder zunehmende Mobilität von Wirtschaft und Verbrauchern einzustellen. "Mit den Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen kommt eine neue Herausforderung auf den Personenverkehr zu", heißt es in einem gemeinsamen Papier von Unternehmen und Branchenverbänden der Luftfahrt sowie des Straßen- und Schienenpersonenverkehrs. Darin empfehlen sie den Ländern konkrete Sicherheitsvorgaben für Busse, Züge und Flugzeuge.

Für Flugreisen fordert darin unter anderem der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft die Einhaltung von Abstandsregeln beim Check-in und beim Boarding sowie erweiterte Hygienemaßnahmen.

Der BDLI schloss sich den Vorschlägen am Dienstag an. "Hier wurden gute, ganzheitliche Ansätze für Dienstleister, Fluggäste und Behörden deklariert, um sicherstellen, dass Fliegen auch in Zukunft sicher ist", sagte Präsident Hoke.

Branche fordert staatliche Hilfen

Die Hersteller- und Zulieferbranche im Luftverkehr forderte daher weitere Unterstützung vom Staat. "Wir gehen davon aus, dass etwa gebrauchte Flugzeuge künftig sehr billig sein werden", sagte Hoke. Das liege unter anderem am derzeit extrem niedrigen Ölpreis. Der BDLI-Präsident forderte daher staatliche Anreize für Fluggesellschaften, nach der Krise alte Maschinen auszumustern und neue anzuschaffen. "Wir dürfen ökologisch effizientes Fliegen in der Krise nicht aus den Augen verlieren."

Von: dpa-AFX, br

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