Luftfahrtbranche will CO2-Emissionen in Deutschland auf null drücken

Das Präsidium des Bundes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) will luftverkehrsbedingte CO2-Emissionen auf null senken. Dafür soll die Luftverkehrsteuer für die Förderung alternativer Kraftstoffe genutzt werden.

Zwei Passagiere sitzen zwischen Motivwänden am Frankfurter Flughafen. © dpa / Frank Rumpenhorst

In der Klimaschutzdebatte und der Diskussion über das Fliegen will die Luftfahrtbranche einem Bericht zufolge ein eigenes Klimapaket vorlegen. "Wir wollen erreichen, dass die luftverkehrsbedingten CO2-Emissionen auf null sinken", heißt es in einer Erklärung des Präsidiums des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Demnach wollen sich die Unternehmen der Branche für die Förderung von Alternativen zu herkömmlichem Kerosin engagieren.

"Wir sind bereit, uns bei Pilotprojekten zum Aufbau industrieller Anlagen zur Herstellung von Power-to-Liquid-Kraftstoff zu beteiligen", heißt es in der Erklärung des BDL-Präsidiums. Dem Gremium gehören die Chefs von Lufthansa Cargo, Eurowings, Condor und mehrerer Flughäfen an sowie weitere Vertreter von Lufthansa bis zum Reisekonzern TUI.

Zu der seit 2011 geltenden Luftverkehrsteuer hieß es als Vorschlag, die Bundesregierung könne diese Einnahmen für die Markteinführung regenerativer Kraftstoffe verwenden. Dabei sei synthetisches Kerosin, das im Power-to-Liquid-Verfahren aus Wasserstoff und CO2 erzeugt werden kann, die "ökologisch beste Lösung". Die Manager fordern dabei "gemeinsame Anstrengungen von Politik und Wirtschaft". Der Bund besteuert Flugtickets seit 2011 mit acht Euro für Inlands- und EU-Flüge und bis zu 45 Euro für die Langstrecke.

Bislang hatte sich der BDL stets für die Streichung der sogenannten Ticketsteuer eingesetzt, die dem Bund im vergangenen Jahr rund 1,2 Milliarden Euro eingebracht hat. Einzelne Manager wie der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr oder der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte hatten diese Position bereits in den vergangenen Monaten aufgegeben.

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Weniger Inlandsflüge nur mit besserer Bahn-Infrastruktur

Außerdem wollen die deutschen Fluggesellschaften ihren Kunden bei Buchungen stets Kompensationsmöglichkeiten für Emissionen anbieten. Das Streichen von Inlandsflügen machen sie von staatlichen Investitionen in Alternativen abhängig. "Wo mittels attraktiver Schnellbahnverbindungen die Kunden überwiegend auf eine attraktive Verbindung mit der Bahn umsteigen, stellen wir den Luftverkehr ein", heißt es in der Erklärung. Dafür müsse aber unter anderem "so bald wie möglich" eine Fernbahnanbindung an den Münchner Flughafen entstehen.

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Die Schiene kann dabei nach größeren Investitionen durchaus mithalten, wie entlang der Neubaustrecke zwischen Berlin und München zu beobachten ist, für die Sprinter-ICE seit 2017 weniger als vier Stunden benötigen. In Nürnberg wurde der Flugplan nach Berlin merklich ausgedünnt, die Verbindung nach München aber aufrechterhalten. Schließlich dauert die Bahnfahrt zum schlecht angebundenen Franz-Josef-Strauß-Flughafen in der Landeshauptstadt fast genauso lange wie ein Schienen-Trip nach Berlin. Für Umsteiger ist es daher immer noch einfacher und bequemer, sich gleich in Nürnberg in einen Flieger zu setzen und dann am Münchner Flughafen umzusteigen.

Auch die Lufthansa fordert bessere Bahn-Infrastruktur

Ähnlich argumentiert die Lufthansa für andere innerdeutsche Umsteigerflüge. Man bündele die Passagiere an den Drehkreuzen, um sie mit größeren Maschinen in alle Welt zu befördern. Das spare im Vergleich zu Direktflügen CO2 ein. Frankfurt und München befänden sich bei den Interkontinentalflügen in harter Konkurrenz zu Drehkreuzen im europäischen Ausland, gibt auch Matthias von Randow vom Branchenverband BDL zu bedenken.

"Dort, wo es möglich ist, verzichten wir auf inländische Zubringerflüge und bringen unsere Passagiere mit der Bahn zum Flughafen", sagt eine Lufthansa-Sprecherin. Voraussetzung sei aber eine gute Bahnanbindung der Drehkreuze sowie eine leistungsfähige und zuverlässige Schieneninfrastruktur.

Und so könnte die Zukunft aussehen: Aus 14 deutschen Städten gibt es das Programm Lufthansa Express Rail, bei dem die Anreise per Bahn bereits integraler Bestandteil der anschließenden Flugreise ist. Das heißt auch: Ist der Zug unpünktlich, wird man kostenfrei auf eine spätere Verbindung umgebucht. Das Gepäck kann man allerdings erst am Frankfurter Flughafen aufgeben. Weitere sechs Städte in Nordrhein-Westfalen sollen demnächst folgen, doch im weiter entfernten Norden und Osten der Republik klaffen noch deutliche Angebotslücken.

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Von: hr, dpa, afp

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