BDL drängt auf bilaterale Verhandlungen über Grenzöffnungen

Der deutsche Luftverkehrs-Dachverband BDL lehnt die generellen Drittstaaten-Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ab. Jetzt müssten bilaterale Verhandlungen "schnellstmöglich" starten. Über die Sicherheit von Flugreisen brauche sich niemand zu sorgen.

Matthias von Randow © dpa / Stephanie Pilick

Mit der Lockerung der Reisebschränkungen in Europa und der Ausweitung des Flugangebots im Juni ist die Phase der wirtschaftlichen und betrieblichen Unsicherheit für die Fluggesellschaften längst nicht beendet. Das erklärte Matthias von Randow, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, vor Journalisten des LPC-Mediennetzwerks Luft- und Raumfahrt.

"Wenn wir darüber reden, dass es wieder losgeht, dann reden wir von einem Sprung für die Airlines von annähernd Null auf 15 Prozent des normalen Flugangebots im Juni. 30 Prozent des Streckennetzes ab Deutschland werden dann wieder bedient", so von Randow. Das sei unter den gegebenen Rahmenbedingungen betrieblich anspruchsvoll, aber natürlich weit von einer Normalisierung entfernt. Die Liquidität der Fluggesellschaften bleibe auf absehbare Zeit "ein Riesenproblem."

Wie sich das Flugangebot kurzfristig weiterentwickelt, sei schwer abzusehen. Die Fluggesellschaften würden sich strikt an der Nachfrage orientieren. Auch erschwere die weiterhin gültige pauschale Reisewarnung für 160 Länder außerhalb Europas die Planung immens.

Branche mahnt Planungssicherheit an

Die Politik sei an dieser Stelle gefragt, ihren Worten Taten folgen zu lassen und die angekündigten bilateralen Verhandlungen zur Lockerung von Reisebeschränkungen mit wichtigen Zielländern "schnellstmöglich" zu beginnen.

Die Türkei, das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen, wirbt seit längerem offensiv um deutsche Touristen. Präsident Recep Tayyip Erdogan will dieser Tage mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonieren, um mit ihr unter anderem über dieses Thema zu sprechen.

© dpa, Lefteris Pitarakis/AP Lesen Sie auch: Türkei hält deutsche Reisewarnung für unbegründet

Auch Ägypten will sich schnellstmöglich wieder für Reisende aus Deutschland öffnen. Wichtig für die deutsche Tourismuswirtschaft sind zudem Fernziele wie die Dominikanische Republik.

Pauschale Reisewarnungen

"Wir sehen die generelle Reisewarnung sehr kritisch", betonte von Randow. Sie operiere an der Realität vorbei und entpuppe sich immer als Hindernis auf dem Weg zur Erholung. "Durch die jüngsten Urteile von Verwaltungsgerichten sehen wir uns in unserer Auffassung bestätigt, dass derartige pauschale Regelungen völlig unverhältnismäßig sind."

Zuletzt hatte das Berliner Oberverwaltungsgericht die automatische Corona-Quarantäne für in Berlin ankommende Reisende aus Staaten außerhalb der EU sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und Großbritannien gekippt. Die pauschale Annahme, dass alle einreisenden Personen ansteckungsverdächtig sind, sei rechtlich nicht zu halten, so das Gericht (VG 14 L 150.20).

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Weiterhin große Planungsunsicherheiten

Bis Ende des Jahres dürfte nach Einschätzung des BDL gerade einmal wieder die Hälfte des ursprünglich geplanten Angebots bereitstehen - abhängig vom weiteren Pandemieverlauf und den weiteren Öffnungen der Grenzen. Auch die Luftfrachtbranche bekomme die weltweite Rezession immer deutlicher zu spüren. Von einem Boom könne keine Rede sein.

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Sicherheit im Fokus

Aus Sicht der BDL-Experten, sollte beim Wiederhochfahren des Luftverkehrs der Fokus auf größtmögliche Sicherheit für Passagiere und Mitarbeiter am Boden wie in der Luft gelegt werden: "Wir wissen, dass wir weiter unter Pandemiebedingungen arbeiten." Fliegen sei weitgehend sicher und habe durch die ohnehin schon strengen Sicherheitsvorschriften und technischen Vorkehrungen einen Vorteil gegenüber anderen (Massen-)Verkehrtsrägern. Das habe auch das Robert-Koch-Institut dem BDL bescheinigt.

An den Flughäfen werde wo möglich auf genügend Abstand geachtet, ansonsten gelte die Maskenpflicht, auch an Bord. Es sei anzuraten, dass Passagiere etwas mehr Zeit für Check-In und Boarding einplanen. Das sei jedoch überschaubar. Vier Stunden, wie teils kolportiert wurde, seien keinesfalls nötig.

Einen weiteren Vorteil im Luftverkehr sieht der BDL beim Thema Awareness. "Flugreisende sind daran gewöhnt, Informationen und Anweisungen für mehr Sicherheit zu bekommen und umzusetzen." Er sei daher zuversichtlich, dass eine transparente und intensive Kommunikation mit den Passagieren, wie sie von Flughäfen und Airlines geplant sei, einen großen Teil zum Erfolg des Hygienekonzepts der Branche beitragen wird, so von Randow.

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Von: Dennis Kazooba

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