BDL kritisiert NGO-Vorschläge für Luftverkehrskonzept

Verschiedene Umweltorganisationen haben jetzt Ihren Vorschlag für das nationale Luftverkehrskonzept vorgelegt. Tragfähige Lösungen enthält es aus Sicht des Luftfahrtbranchenverbands BDL aber nicht - dafür aber fachliche Fehler.

Die Silhouette eines startendes Flugzeuges zeichnet sich vor dem Abendhimmel ab. © dpa / Julian Stratenschulte

Für mehr Klima- und Lärmschutz fordert ein Bündnis deutscher Nichtregierungsorganisationen (NGO; Non-Governmental Organizations) neue Strukturen im Luftverkehr. "Wir sehen eine Riesen-Überkapazität im deutschen Flughafennetz", sagte Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Dienstag in Berlin.

Während die Bundesregierung immer weiter auf Wachstum setze, sollten die sechs großen Flughäfen besser mit regionalen Partnern und der Bahn kooperieren, um vor allem Kurzstreckenflüge überflüssig zu machen. Zudem wird im NGO-Luftverkehrskonzept eine Klimaabgabe von 10 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2 gefordert, die bis 2030 auf 80 Euro steigen müsse. Zu den weiteren Forderungen gehören unter anderem ein Stopp der Ausbaupläne für weitere Start- und Landebahnen sowie ein generelles Nachtflugverbot an den Flughäfen, von denen Ausnahmeregelungen gewährt werden können, wie es im Konzept heißt.

BDL: Keine Basis für eine konstruktive Diskussion

Für den Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) ist das NGO-Papier keine Grundlage für eine konstruktive und lösungsorientierte Diskussion, wie es auf Nachfrage von airliners.de hieß. Es sei zwar zutreffend, dass ohne Maßnahmen für einen fairen Wettbewerb sich der "Wettlauf nach unten" beschleunige und Wohlfahrtseinbußen dann unvermeidlich seien. "Allerdings stehen die zahlreichen Vorschläge des NGO-Luftverkehrskonzepts, die allesamt Forderungen nach zumeist nationalen oder europäischen staatlichen Eingriffen darstellen, genau im Widerspruch dazu und bewirken erst recht Wohlfahrtseinbußen", so BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

Darüber hinaus kritisierte der BDL eine Reihe fachlicher Fehler. So betrage der durchschnittliche Kerosinverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer der deutschen Fluggesellschaften 3,64 Liter und nicht 5 Liter, wie im NGO-Text angegeben. Und anders als behauptet beteiligen sich die deutschen Airlines an der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Im ersten Halbjahr 2015 waren dort 4133 Schlichtungsanträge zu Flugreisen eingegangen.

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Im Verkehrsministerium entsteht derzeit ein Luftverkehrskonzept, das sich Union und SPD 2013 in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen hatten. Aus Sicht der Umwelt- und Lärmschutzverbände geht es dabei aber zu sehr um Wachstum und die Förderung des Luftverkehrsstandorts Deutschland. Deshalb haben sie nun ein eigenes Konzept vorgelegt. Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, hatte unlängst gefordert, dass das deutsche Luftverkehrskonzept kein "Abschottungsprogramm" werden dürfe.

Von: gk, dpa

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