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Reisende am Flughafen BER. © FBB

Nach dem Einbruch in der Corona-Krise steigen Reisende erst nach und nach wieder in Flugzeuge. In diesem Jahr könnte ein Drittel der Verkehrsleistung von 2019 erreicht werden, wenn sich die Erholung fortsetze, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Dienstag in Berlin mitteilte.

Im ersten Halbjahr 2021 waren von den deutschen Flughäfen so wenig Menschen geflogen wie vor 50 Jahren. "So wenig Passagiere an den deutschen Flughäfen hatten wir zuletzt im Jahr 1971", sagte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. "Diese Entwicklung hat den wirtschaftlichen Druck auf unsere Unternehmen und ihre Investitionskraft noch einmal drastisch verschärft: Die Umsätze sind um 63 Prozent eingebrochen", betonte er.

Bei weiteren Impfungen, zurückgehenden Reisebeschränkungen und einer robusten Konjunktur sind demnach 2022 bis zu 80 Prozent der Vorkrisen-Zahlen möglich. "Das Niveau von 2019 würde hingegen erst auf Höhe von 2025 erreicht werden."

Praktisch wie im Jahr 1971"

"Wir sind praktisch im Luftverkehr in einem anderthalbjährigen Lockdown". Erst seit Juni zeichne sich eine Belebung ab. "Der Verkehr nimmt deutlich zu." Im internationalen Mittelstreckenverkehr sei die Hälfte des Angebots wieder da, vor allem Flüge für Urlauber in die sogenannten Warmwasserregionen am Mittelmeer. Was weiter fehlt, ist der Langstreckenverkehr.

Die Umsätze waren nach Angaben des BDL um 63 Prozent eingebrochen. Die Zahl der Beschäftigten liegt mittlerweile 10 Prozent unter dem Niveau von 2019. Positiv sei: Seit dem Sommer ziehe die Nachfrage deutlich an. "Da inzwischen immer mehr Menschen durchgeimpft sind und ein System aus Impf- und Testnachweisen sichere Mobilität auch unter Pandemiebedingungen ermöglicht, hat der touristische Reiseverkehr wieder deutlich zugenommen", so Randow. "Dieses System des sicheren Reisens funktioniert, denn nur ein kleiner Teil der Infektionen in Deutschland ist auf Aufenthalte im Ausland zurückzuführen."

Internationaler Verkehr stärker betroffen

Durch die zahlreichen Reisebeschränkungen weltweit waren internationale Verkehre stärker betroffen als inländische Verkehre. Da die europäischen Staaten strukturell stark durch internationalen Verkehr gekennzeichnet sind, ist der Verkehrsrückgang hierzulande auch überproportional: Bei den europäischen Fluggesellschaften sank die Nachfrage im Passagierverkehr im ersten Halbjahr gegenüber 2019 um 78 Prozent, bei den deutschen Fluggesellschaften um 85 Prozent und an den deutschen Flughäfen um 86 Prozent.

Allerdings liege Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern hier zurück. Das liege vor allem daran, dass hierzulande vergleichsweise mehr alternative Transportmöglichkeiten zur Verfügung stünden, betonte von Randow.

Anders sieht es hingegen beim Frachtverkehr aus: Der weltweite Luftfrachtverkehr konnte sich von der negativen Entwicklung des Passagiergeschäfts laut BDL entkoppeln und entwickelt sich grundsätzlich sehr positiv, obwohl weiter viel Bellyfracht-Kapazität aus den am Boden stehenden Passagierflugzeugen fehlt.

An den deutschen Flughäfen wurden im ersten Halbjahr elf Prozent mehr Güter ein- und ausgeladen als im ersten Halbjahr 2019 und 23 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2020. Damit liegt die Entwicklung in Deutschland über dem weltweiten Durchschnitt von acht Prozent und dem europäischen Durchschnitt von fünf Prozent. Gründe dafür sind die dynamische Entwicklung der deutschen Wirtschaft und die Erholung des Außenhandels, wobei sich auch Nachholeffekte zeigen. Besonders stark sei das Wachstum an den Flughäfen Köln/Bonn und Leipzig als Expressfracht-Standorte. Frankfurt habe hingegen leichte Einbußen hinnehmen müssen.

Weitere Erholung erwartet

Ein BDL-Szenario auf Basis von historischen Wachstumsraten geht zudem davon aus, dass sich der Passagierluftverkehr weiter erholen wird. "Wenn sich die aktuelle Entwicklung weiter fortsetzt, würden im Gesamtjahr 2021 rund 33 Prozent der Verkehrsleistung von 2019 erreicht werden", erklärt der BDL. Bei weiteren Fortschritten der Impfkampagne und einer weiteren Aufhebung von Reisebeschränkungen sowie bei einer robusten Entwicklung der deutschen Wirtschaft könnte im Jahr 2022 die Verkehrsleistung 80 Prozent von 2019 erreicht werden. Das Niveau von 2019 würde hingegen erst auf Höhe von 2025 erreicht werden.

Beschäftigungsabbau

Die Unternehmen der deutschen Luftverkehrswirtschaft verzeichneten nach Angaben des BDL im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 63 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Dies habe weitreichende Folgen für das Kostenmanagement, die Personalplanung und die Investitions- und Innovationskraft der Unternehmen.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Einbruchs der Verkehrszahlen seien die Unternehmen laut BDL zu Restrukturierungsmaßnahmen gezwungen, die auch den Abbau von Personal umfassen. Zum Ende des ersten Halbjahrs 2021 lag die Anzahl der Beschäftigten bei den Fluggesellschaften und an den Flughäfen 10 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Zu den Personalengpässen an deutschen Flughäfen, wie sie in Köln/Bonn, Frankfurt, München, Berlin oder Hannover bekannt wurden, sagte von Randow: "Wir wussten, es wird zu Engpässen kommen." Punktuell gebe es Personalengpässe, besonders in Verkehrsspitzen würde sich dies bemerkbar machen. "Es gab Situationen mit besonderer Herausforderung", betonte er. Die Kunden sollten früher zu den Flughäfen kommen. "Ein, zwei Stunden wären gut", sagte er. Generell müsse man mehr Zeit einplanen. Auch das Online-Check-in sollten sie nutzen. Solange es die Kontrollauflagen seitens der Bundesregierung gebe, würde es weiterhin Engpässe geben. Diese seien vom Zeitpunkt her nicht absehbar. Auch bei den durch die Bundespolizei durchgeführten Sicherheitskontrollen habe es Engpässe gegeben. Flughäfen und Behörden würden jedoch Mittel ergreifen, um die Wartezeiten für Fluggäste zu reduzieren, sagte von Randow.

"Schrittweise CO2-neutral"

Vor dem Hintergrund der perspektivisch wieder steigenden Nachfrage bekräftigte von Randow das Ziel der Branche, mit einer Vielzahl von Maßnahmen das Fliegen und den Flughafenbetrieb schrittweise CO2-neutral zu gestalten. Hierfür arbeitet die Branche an der Umsetzung ihres "Masterplans Klimaschutz". Zu den Maßnahmen gehören weitere Fortschritte bei der ökologischen Flottenmodernisierung, der Systemwechsel hin zu alternativen Kraftstoffen, eine bessere Vernetzung von Luftverkehr und Bahnverkehr sowie Klimaschutzmaßnahmen an den Flughäfen. Dabei unterstützt der BDL ambitionierte marktbasierte Instrumente der CO2-Bepreisung, soweit diese im Sinne des Klimaschutzes wirksam und wettbewerbsneutral ausgestaltet sind. Er hoffe, so von Randow, dass sich auch die neue Bundesregierung, die im nächsten Monat gewählt wird, auf diesem Pfad bewege.

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