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Baublies will nie wieder für die Ufo arbeiten oder kandidieren

Für den ehemaligen Ufo-Chef Nicoley Baublies ist die jüngste Abrechnung von Teilen der Ufo mit seiner Zeit bei der Gewerkschaft auch Ausdruck eines größeren Konflikts um die Arbeitsweise der Gewerkschaft. "Verwaltende Vereinsmeier" hätten wohl Angst vor seiner Rückkehr. Die werde es aber nicht geben - mit einer Einschränkung.

Nicoley Baublies, Beauftragter des Ufo-Vorstands © dpa / Frank Rumpenhorst

Seit Jahren macht die Flugbegleitergewerkschaft Ufo mehr durch Streit, denn durch Tarifarbeit auf sich aufmerksam. Für Außenstehende gab die zerstrittene Organisation vielfach wenig mehr als ein Bild kaum zu durchschauernder, interner Querelen. Nach einer Mitgliederversammlung am Donnerstag, auf der ein struktureller Neuanfang begonnen werden soll, läuft die Aufarbeitung der "Ära Baublies" weiter. Jetzt spricht der ehemalige Vorsitzende und Geschäftsführer über das Chaos und sagt: "Ich werde nie wieder für die Ufo arbeiten oder kandidieren."

Nach der Mitgliederversammlung der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, bei der ein Wechsel im Wahlsystem für die anstehenden Vorstandswahlen im Frühjahr mit großer Einigkeit beschlossen wurde, hat sich der ehemalige Vorsitzende Nicoley Baublies im Gespräch mit airliners.de gegen "die übertriebenen und teils schlicht falschen Vorwürfe" über seine Zeit als prägende Figur der Gewerkschaft gewehrt.

"Ich möchte nicht von mir behaupten, eine Person zu sein, die nicht polarisiert im Interesse der Sache. Sie können jedoch getrost davon ausgehen, dass, wenn Dinge so lange schwelen, daran mehrere Seiten und Personen zu ähnlich großen Teilen beteiligt sind", zeigt sich Baublies teils reumütig, aber auch wehrhaft: "Die Gruppe die mich jetzt erneut angegriffen hat, das ist der Typ verwaltende Vereinsmeier, das hat sich während der Corona-Krise deutlich gezeigt", kommentiert Baublies, der im vergangenen Jahr nochmal als Geschäftsführer zur Gewerkschaft zurückgekehrt war.

Während Flugbegleiter etwa bei Germanwings und Sunespress Deutschland massenweise ihre Jobs verloren haben, hätte sich der Flügel um Schwerthelm lieber mit der Frage beschäftigt, ob das "vorübergehende Konstrukt meiner Geschäftsführung" der Satzung entspreche. "Einladungsfristen für Sitzungen schienen denen wichtiger als das Schicksal der Mitglieder."

Ich werde nie wieder für die Ufo kandidieren. Sollte mich jemand um Hilfe bitten, mache ich das nach wie vor gerne.

Den Grund, warum die Vorwürfe, die laut Baublies ebenso wie die Betrugsklage der Lufthansa gegen ihn "vollständig entkräftet" sind, trotzdem nun kurz vor der Mitgliederversammlung wieder hochkommen, sieht der Ex-Chef "wohl auch in der Sorge begründet, dass ich mich bei der beschlossenen Personenwahl des Vorstands im Frühjahr wieder zu Wahl stellen könnte, das wird aber auf keinen Fall passieren."

Die jüngsten Vorwürfe interpretiert Baublies nun als "Nachtreten", denn "ich werde nie wieder für die Ufo arbeiten oder kandidieren", verspricht Baublies, ohne jedoch auf einen Zusatz zu verzichten: "Sollte mich jemand um Hilfe bitten, mache ich das nach wie vor gerne."

Entsprechende Befürchtungen im aktuellen Ufo-Vorstand mögen sich aus der jüngeren Vergangenheit nähren. Denn in der Tat kam Baublies nach einem Rückzug schon einmal zurück. Zunächst als "Beauftragter des Vorstandes" und zu Beginn des vergangenen Jahres vergangenen wurde er auf Vorschlag des mittlerweile ebenfalls ehemaligen Vorsitzenden Daniel Flohr sogar zum Geschäftsführer ernannt. Bei [seinem Rücktritt 2019](

) schloss Baublies eine Rückkehr auch in Ämter anders als heute jedoch auch nicht aus.

Dabei sei aber von Anfang an das Ziel gewesen, die Geschäftsführung "nur vorübergehend zu installieren", erklärt Baublies heute. Es sei damals darum gegangen, "den großen Erfahrungsverlust durch die vielen Rücktritte 2019 auszugleichen", um in der Corona-Krise handlungsfähig zu bleiben. Allerdings habe man es aufgrund der fortschreitenden Krise zu lange versäumt, die dreiköpfige Geschäftsführung wieder aufzulösen, räumt Baublies ein: "Das muss man sagen, das lief zu lange." Ein Auflösungsvertrag für seine Anstellung sei jedoch einvernehmlich und ohne Streit beschlossen worden.

Vor allem den wiederkehrenden Narrativ, er habe sich finanziell bereichert, womöglich illegal, will Baublies nicht auf sich sitzen lassen. Jeder Arbeitsvertrag sei gecheckt und alle Ergebnisse seien intern und auf Info-Veranstaltungen veröffentlicht worden. "Auch meiner - ich habe als Ufo-Vorsitzender 3900 Euro monatlich in Vollzeit verdient, eben weil wir die Finanzen schonen wollten."

Den Ursprung des Konflikts um intransparentes Gebaren der Ufo-Führung sieht Baublies ohnehin nicht bei sich. Das habe im Spesen-Skandal um die ehemaligen Vorstände im Jahr 2018 seinen Ursprung. "Dass gegen die damalige Vorstandsmehrheit zügig aufzuklären war unmöglich," sodass es zu seinem Rücktritt 2019 kam. Das entstehende Vakuum an der Gewerkschaftsspitze habe sich die Lufthansa mit einer Betrugsklage und der Nichtanerkennung der Ufo als legitimer Verhandlungspartner im Jahr 2019 zunutze gemacht. "Die Situation war chaotisch, keine Frage."

Von: dk

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