Interview "Bamboo Airways ist die neue vietnamesische Full-Service-Airline"

Bamboo Airways will trotz der Coronakrise noch in diesem Jahr Vietnam mit München verbinden. Im Interview erläutert der Stellvertretende Generaldirektor unter anderem, warum München gleich zum Start mit zwei Destinationen angebunden wird.

Boeing 787-9 der Bamboo Airways © Bamboo

Deutschland und Vietnam sollen in naher Zukunft näher zusammenrücken. Die junge vietnamesische Fluggesellschaft Bamboo Airways hatte Anfang März angekündigt, in diesem Jahr Nonstop-Verbindungen zwischen Vietnam und München aufzunehmen. An den Plänen habe sich auch trotz der Coronakrise nichts geändert. airliners.de hat Anfang März mit dem stellvertretenden Generaldirektor von Bamboo Airways Bui Quang Dung über die Strategie der Airline gesprochen.

airliners.de: Bamboo Airways ist in Deutschland nahezu unbekannt. Können Sie ihre Airline kurz vorstellen?
Bui Quang Dung: Bamboo Airways noch sehr jung, der Erstflug fand erst am 16. Januar 2019 statt. Wir sind Teil der der FLC-Gruppe – einer der größten Mischkonzerne Vietnams. Das Kerngeschäft von FLC liegt auf Urlaubsreisen und verschiedenen Unterkünften, wie Resorts und Hotelanlagen.
Bamboo Airways ist der Carrier der FLC-Gruppe. Aktuell besteht unsere Flotte aus 28 Flugzeugen. Dabei setzen wir auf zwei Modelle: Unser Langstreckenmuster ist die Boeing 787-9. Bei Kurz- und Mittelstrecken vertrauen wir auf die Airbus A320-Familie. Wir verstehen uns als Full-Service-Airline. Auf unseren Langstreckenverbindungen bieten wir drei verschiedene Klassen an: Business, Premium Economy und Economy. Unsere A320 und A321 Muster sind alle mit einer Business- und einer Economy-Klasse ausgestattet.

Besitzen oder leasen Sie die Maschinen?
Beides. Uns gehören einige Maschinen, aber ein Teil unserer Flotte ist auch geleased.

Bamboo Airways nimmt bereits nach 15 Monaten des Bestehens Langstreckenflüge nach Europa auf.
Das ist richtig. Aufgrund der Corona-Epidemie haben wir entschieden, den Erstflug nach Prag zu verschieben. Eigentlich wollten wir am 29. März starten. Wenn sich ein Ende der Covid-19-Pandemie abzeichnet, werden ein neuen Termin festlegen.

Die Corona-Epidemie bringt den weltweiten Luftverkehr in heftige Turbulenzen. Nach Prag sollten die Flüge eigentlich Ende März starten. München sollte die zweite Langstreckendestination werden. Haben sich die Pläne verändert?

Ich muss Sie leider korrigieren. München wird unser drittes Langstreckenziel. Wir planen Direktflüge von Hanoi nach Melbourne. München wird unser zweites Ziel in Europa - nach überstandener Krise. Wir werden einen Starttermin in Übereinstimmung mit unseren Kapazitäten und dem aktuellen Covid-19-Status festlegen. Aber bis jetzt hat sich unser Plan, Langstreckenflüge nach München anzubieten, nicht geändert.

Beide Städte liegen allerdings nur rund 300 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Was war für München ausschlaggebend?
Zwar liegen Prag und München tatsächlich recht nahe beieinander, aber das Einzugsgebiet ist unserer Meinung nach völlig unterschiedlich. In München erstreckt es sich von Süddeutschland über Österreich und Teilen der Schweiz. Ein weiteres Plus ist der moderne Münchner Flughafen. Aus unserer Sicht ist die Nähe von Prag und München sogar für uns sogar hilfreich.

Das müssen Sie erklären!
Gerne, in unserer ersten Phase planen wir, drei- bis viermal pro Woche von München nach Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi zu fliegen. Von Prag aus bieten wir Flüge nach Hanoi an. Das gibt unseren vietnamesischen Kunden die Möglichkeit, ihre Europareise in München zu beginnen und über Prag nach Hanoi zurückzukehren. Und wir haben so die Möglichkeit, unser touristisches Produkt zu kombinieren. Die FLC-Gruppe bietet verschiedene Arten von Reisepaketen für unsere vietnamesischen Kunden an, zum Beispiel können Sie europäische Länder besuchen, einschließlich Transfers, Hotels und Flüge. Diese Reisen beginnen in Bayern und enden in der Tschechischen Republik.

Das klingt interessant. München gleich mit Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt auf einmal zu verbinden. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
München ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum in Europa. In Vietnam sind die Wirtschaftszentren Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Deshalb wollen wir beide Strecken gleichzeitig aufnehmen. Damit erweitern wir unser Netzwerk und bieten unseren Kunden mehr Wahlmöglichkeiten an.

Was werden die Flüge kosten?
Es gibt derzeit keine Direktflüge zwischen Vietnam und München. Stattdessen müssen Reisende immer mindestens einmal umsteigen, sei es in Istanbul, Doha oder an einem anderen Hub. Da ist das Angebot sehr groß, was es uns sehr schwer macht konkurrenzfähig dagegen anzufliegen. Unsere Tickets werden etwas teurer sein, als der aktuell durchschnittliche Preis. Eine finale Entscheidung steht allerdings noch aus.

Bui Quang Dung (l.), Stellvertrender Geberaldirektor von Bamboo Airways im Gespräch mit airliners.de-Redakteur Benjamin Recklies (r.). Foto: © airliners.de

München ist ein wichtiges Drehkreuz der Lufthansa. Planen Sie Codeshare-Verbindungen?
Wenn es um die Aufnahme und Etablierung von Langstrecken geht, ist es unabdingbar mit anderen Fluggesellschaften zusammenarbeiten. Wir sind aktuell mitten in der Diskussion darüber, welcher Allianz wir beitreten werden. Nach dem Beitritt zu einer Allianz werden wir Codeshare-Verbindungen in Betracht ziehen.

Können Sie verraten, welche es sein wird?
Noch nicht. Solange die Verhandlungen laufen, können wir nichts sagen. Aber wir haben einen Favoriten. Zudem haben wir bereits ein Abkommen mit einer großen japanischen Fluggesellschaft getroffen. Außerdem sind wir auch mit mehreren US-Fluggesellschaften in Gesprächen.

Bekommen Sie für die Strecke nach München Subventionen?
Jeder Flughafen - und jedes Land hat seine eigene Politik für die Vergabe von Ancillaries. Bamboo Airways befolgt und erfüllt immer strikt die Anforderungen, die der Staat des Landes und der Flughafen, mit dem wir zusammenarbeiten, stellen.

Aufgrund der Verbindungen zwischen der DDR und Vietnam leben die meisten Vietnamesen im Osten Deutschlands. Warum also keine Flüge nach Berlin?
Das stimmt. Wir glauben allerdings, dass wir mit München und Prag auch das Einzugsgebiet in Ostdeutschland abdecken werden. Mit Bayern und der Tschechischen Republik können wir sowohl das Reiseaufkommen der Vietnamesen in Deutschland, als auch Geschäftsreisenden und Urlaubern aus Vietnam und Europa verschiedene Produkte anbieten.

Wollen Sie in erster Linie Vietnamesen nach Deutschland oder Deutsche nach Vietnam bringen?
Beides, glaube ich. Das Durchschnittseinkommen der Vietnamesen ist in den letzten Jahren bemerkenswert gestiegen. Eines ihrer neuen Hobbys ist das Reisen. Die Deutschen gelten ja als Reiseweltmeister. Mittlerweile ist Vietnam zu einem der beliebtesten Urlaubsziele der Welt geworden, und die touristischen Ziele in Vietnam werden immer vielfältiger.

Ein Blick in die Zukunft. Wie sehen Ihre weiteren Expansionspläne für Europa speziell für Deutschland aus?
In Deutschland bleiben wir vorerst bei München. Wir haben keine ernsthaften Pläne für die nächsten zwei oder drei Jahre, wenn es um Deutschland geht. Wir müssen schauen, wie die Routen nach München funktionieren, und dann werden wir über andere Ziele nachdenken. Für Europa werden wir in Kürze das dritte Ziel bekannt geben.

Herr Dung, vielen Dank für das Gespräch.

Von: br

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Fluggesellschaften Netzwerkplanung Interview München Bamboo Airways