Konkurrenz für Berlin-München-Flüge rückt immer näher

Der Bau der ICE-Strecke Berlin-München ist nahezu abgeschlossen, erste Tests mit Bahngeschwindigkeiten um die 300 Stundenkilometer sollen jetzt auf einem weiteren Teilstück beginnen. Ab 2017 könnte die Trasse eine Konkurrenz zur Flugverbindung werden.

Mit der Parallelfahrt zweier Sonderzüge (ICE T Baureihe 411) war bereits Ende 2015 die 123 Kilometer lange Eisenbahn-Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig eröffnet worden. © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Der Bau der neuen ICE-Strecke zwischen Berlin und München ist jetzt im Großen und Ganzen abgeschlossen worden. Am Mittwoch wurden die Oberleitungen des Abschnitts zwischen der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt und dem bayerischen Ebensfeld ans Stromnetz angeschlossen, berichtete unter anderem die "Süddeutsche Zeitung".

Mit dem 107 Kilometer Abschnitt Erfurt-Ebensfeld sind nun die Neubauabschnitte auf der Verbindung fertiggestellt, so ein Bahn-Sprecher. Bereits Ende 2015 war die 123 Kilometer lange Teilstrecke Leipzig/Halle-Erfurt eröffnet worden. Auch ein Großteil der Ausbaustrecken sei bereits fertig, so der Sprecher weiter.

In diesen Tagen sollen Test- und Messfahrten von Zügen mit einem Tempo von bis zu 330 Stundenkilometern beginnen. Dank einer Höchstgeschwindigkeit von Tempo 300 auf größeren Teilstrecken verkürzt sich die Bahnreisezeit mit der vollständigen Fertigstellung der neuen Verbindung Berlin-München um mehr als zwei Stunden.

Die schnellsten Züge sollen dann nur noch eine Fahrzeit von 3:45 Stunden zwischen den beiden Millionenstädten benötigen. "Das wird den Flugverkehr auf dieser Strecke marginalisieren", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Dirk Flege, Chef der bahnfreundlichen Allianz pro Schiene.

Meistbeflogene innerdeutsche Verbindung

Der Markt, um den es geht, ist groß. Rund 1,4 Millionen Passagiere sind nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) jährlich auf der meistbeflogenen innerdeutschen Flugverbindung unterwegs. Umsteiger am Drehkreuz München sind nicht mitgerechnet. Die Bahn nutzen den Angaben der ADV zufolge bisher rund 750.000 Menschen für die direkte Reise von Berlin nach München und umgekehrt.

Die Nord-Süd-Magistrale zwischen Berlin und München ist die vorläufig letzte große Hochgeschwindigkeitsstrecke in der Bundesrepublik. Nach politischen Diskussionen verläuft sie nicht direkt - also grob gesagt entlang der A9, sondern macht einen Umweg über Erfurt. Nicht nur die 26 Jahre Planungs- und Bauzeit brechen einschlägige Negativrekorde, sondern auch die Kosten von rund zehn Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel, wie ursprünglich veranschlagt.

© Fotolia.com/airliners.de, iterum Apropos (3) Kurzstreckenflüge auf die Bahn verlagern?

Weitere Informationen, Bilder und Hintergründe zum ICE-Projekt Berlin-München gibt es auf www.vde8.de.

Von: gk

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