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Auch wenn die aktuelle Corona-Pandemie die weltweiten Diskussionen und Sorgen um den Klimawandel zeitweise in den Hintergrund verdrängt hat, so bleiben doch seine bereits eingetretenen und erwarteten Auswirkungen die zentrale Herausforderung der Weltgemeinschaft des 21. Jahrhunderts. Bereits anlässlich der Klimabeschlüsse der Bundesregierung diskutierte der Verfasser die Effektivität dieser nationalen (!) Klimapolitik kritisch. Stellt man sie und die politischen Debatten und Agenden zum Klimaschutz – nicht nur in Deutschland – in den Kontext der Ziele der Vereinten Nationen für eine Nachhaltige Entwicklung, so stellt sich umso mehr die Frage, ob sie im Sinne der Entwicklung des Weltklimas und der Nachhaltigkeit wirklich zielführend sind.

Klimawandel und Klimaschutz im Kontext nachhaltiger Entwicklung

Bereits bei der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt der Menschen in Stockholm (1972) wurde deutlich, dass deren Schutz einer weltweit Grenzen überschreitenden Kooperation bedarf und dass diese sich nicht allein auf Umwelt- und Naturschutzfragen beschränken darf. So wurde der Begriff "nachhaltige Entwicklung" geprägt. Er bezeichnet zusammengefasst eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der jetzigen Generation dient, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Der Begriff schließt neben ökologischen auch soziale und ökonomische Aspekte ein und erkennt zugleich deren gegenseitige Abhängigkeiten. So reklamierten in Stockholm die Schwellen- und Entwicklungsländer, dass die zu leistenden Verzichte und Ressourceneinsätze zum Schutz der Natur in erster Linie durch die Wohlhabenden der Weltgemeinschaft zu finanzieren seien.

Das in Stockholm verabschiedete Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP) und die auf ihrer Grundlage in Nairobi gegründete Agentur veranstalteten in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Konferenzen, unter anderem in Kyoto, Rio de Janeiro und Paris, nach denen die Beschlüsse benannt sind, auf die sich die weltweiten Akteure im Interesse des Klimaschutzes berufen.

Beschlüsse aber wurden nicht nur zum Klimaschutz und Naturschutzaspekten gefasst, sondern auch zu ökonomischen und sozialen Zielen und Maßnahmenprogrammen zur Förderung einer globalen nachhaltigen Entwicklung. Die im September 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung dokumentiert mit ihren 17 Zielen die Vielfalt und Interdependenz der politischen Herausforderungen zur Gestaltung einer nachhaltigen globalen Entwicklung:

Die 17 Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen © UN

Neben den ökologischen Zielen sind die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse sowie ökonomische Ziele notwendige und gleichberechtigte Interessen. Die beiden letzten Ziele beinhalten die Erkenntnis, dass Frieden, fairer Interessenausgleich und partnerschaftliche Zusammenarbeit unabdingbare Voraussetzungen einer nachhaltigen globalen Entwicklung sind und dass es letztlich im Sinne der Koordination und Führung starker globaler Institutionen bedarf.

Auch wenn die gegenwärtige Rückkehr zu ungeschminktem nationalistischem Gedankengut selbst in den Vorbildländern weltoffener Demokratien die Agenda 2030 als gutmenschliche Vision erscheinen lässt, so ist ihr ganzheitlicher Ansatz doch bestechend – und im wahrsten Sinne des Wortes alternativlos.

Sie dokumentiert die gegenseitige Abhängigkeit ökologischer und ökonomischer Ziele zu einer nachhaltigen Entwicklung und die eigentlich banale Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit nur in globaler Zusammenarbeit erreicht und damit auch angestrebt werden. Eine solche Zusammenarbeit setzt voraus – und auch das ist eigentlich banal - dass die menschlichen Grundbedürfnisse weltweit erfüllt werden. Weder kann man die ökologischen Ziele erreichen, wenn man die Grundvoraussetzungen und die ökonomischen Ziele außer Acht lässt oder sie auch nur unterordnet, noch können umgekehrt die anderen Ziele nachhaltig erreicht werden, wenn man die ökologischen unterordnet.

Es ist offensichtlich, dass Maßnahmen, die zur Erfüllung ökonomischer Ziele führen nicht notwendig auch die ökologischen befördern. Da eine uneingeschränkte Dominanz einzelner Ziele, wie dargelegt, nicht konsensfähig sein kein, bedarf es eines Interessenausgleichs. Im Interesse der Nachhaltigkeit geht es hierbei darum, ein ausgewogenes Ergebnis anzustreben.

Weiterhin ist offensichtlich, dass die politischen Agenden und Maßnahmenprogramme zur Erzielung von Nachhaltigkeit nicht für alle Länder gleichgeschaltet werden können. Die natürlichen, politischen und wirtschaftlichen Umstände der Mitgliedsländer sind zu unterschiedlich. Das gilt entsprechend auch für die Schwerpunkte der Beiträge und für die inhaltlichen Ziele und Zielwerte. Auch hier bedarf es neben Differenzierung eines fairen Interessenausgleichs.

Diese Logik einer differenzierten und ganzheitlichen Sicht der Beiträge zur Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf die politische Ebene (Nationalstaaten). Vielmehr gilt sie auch für die unterschiedlichen Lebens- und auch Wirtschaftsbereiche. Einzelne gesellschaftliche Schichten und Industrien können mehr zu den Grundvoraussetzungen beitragen, andere zu den ökonomischen Zielen und wieder andere zu den ökologischen. Und auch innerhalb der drei Zielfelder sind die individuellen Möglichkeiten, Beiträge zu leisten, unterschiedlich.

So zeugt es zusammenfassend von mangelnder Einsicht und begrenzter Vernunft, Zielwerte für einzelne Größen von einzelnen Beteiligten, seien es Staaten oder Industrien, undifferenziert einzufordern. Vielmehr gebieten Verstand und das ökonomische Prinzip,

  1. dass die Potenziale bezüglich aller Ziele da gehoben werden, wo die größten Effekte mit dem geringsten Mitteleinsatz erzielt werden können,
  2. dass Maßnahmen zur Verfolgung eines Ziels möglichst geringe gegenläufige Effekte auf die Erfüllung der anderen Ziele haben sollten und
  3. dass die Kosten der Leidtragenden aus Interessenausgleichen durch gegenläufige Beiträge von den Nutznießern kompensiert werden sollten.

Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden die Debatte um den Beitrag des Luftverkehrs zu Nachhaltigkeit in den Gesamtkontext der Ziele der Agenda 2030 gestellt werden.

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