Austro Control startet Untersuchung zur Fehlerkultur bei Lauda

Bei Lauda sollen vier Piloten, die wichtige Zusatzaufgaben übernahmen, entlassen worden sein. Sie hätten mangelnde Austattung beklagt, was sie laut Just-Culture-Prinzip gefahrlos tun können sollten. Jetzt ermittelt die Aufsicht.

Flugzeuge von Lauda Motion und Ryanair. © AirTeamImages.com/Chris Jilli, Serge Bailleul [M]

Die österreichische Luftfahrtbehörde Austro Control, die neben der Flugsicherung auch für die Zulassung und Überprüfung der Luft- und Betriebstauglichkeit von Fluggesellschaften in der Alpenrepublik verantwortlich ist, hat eine so genannte Just-Culture-Untersuchung gegenüber der Ryanair-Tochter Lauda gestartet. Das berichtete die österreichische Tageszeitung "Der Standard" unter Berufung auf Insider.

Nachdem sich Management und Betriebsrat Anfang August auf einen flexibleren Piloteneinsatz geeinigt hatten schien die Auseinandersetzung um Arbeitsbedingungen bei Lauda zumindest vorübergehend befriedet. Nun sollen in der vergangenen Woche vier Piloten, die neben ihren Einsätzen im Cockpit für sicherheitsrelevante Zusatzaufgaben beispielsweise als Flugbetriebsleiter oder Trainingschef verantwortlich waren, entlassen worden sein.

Kündigung nach Klage über zu wenig Ressourcen

Laut der Zeitung sahen sich die vier Piloten mangels Ausstattung und verfügbaren Ressourcen nicht in der Lage, ihre zusätzlichen Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen. Sie gaben die Positionen daher vor kurzem ab und wollten nur noch als normale Piloten arbeiten. Daraufhin sollen sie die Kündigung erhalten haben.

Ein Vorgehen, dass Austrocontrol zu der genannten Untersuchung veranlasste, die sich vor allem mit der Fehlerkultur bei Lauda befassen soll. Just Culture steht dabei als Prinzip für einen Umgang mit Fehlern oder Fehlentwicklungen, bei denen Mitarbeiter keine beziehungsweise nur verhältnismäßige Konsequenzen für die Meldung von erkannten Fehlern und Unzulänglichkeiten befürchten müssen. Da sie diese sonst nicht melden würden, womit aus den Fehlern im Unternehmen und als Sicherheitssystem im Ganzen auch nicht gelernt werden könnte. Dies ist laut der Just-Culture-Regel jedoch wesentlich wichtiger als die Bestrafung von Fehlern.

Von der aufgeklärten Fehlerkultur ausgeschlossen sind jedoch schwere persönliche Versäumnisse und Regelverletzungen sowie bewusst destruktives Verhalten.

Untersuchung könnte für Lauda brisant werden

Laut Standard waren die übergeordneten Positionen der entlassenen Piloten sicherheitsrelevant, weshalb der von Austro Control angestoßene Prüfprozess, der offensichtlich nach einer Aussage der betroffenen Piloten angestoßen wurde und mehrere Monate dauern kann, für Lauda brisant werden könnte. Im schlimmsten Fall drohte der Entzug der Fluglizenz.

Austro Control wollte sich auf airliners.de-Anfrage nicht zum konkreten Fall äußern, teilte aber mit, dass allgemein "im Zuge solcher Audits identifizierte Feststellungen durch die Unternehmen bearbeitet und behoben werden müssen, um einen gesetzeskonformen Zustand herzustellen."

© APA/dpa, Herbert Pfarrhofer Lesen Sie auch: Krise bei Laudamotion erzwingt massiven Sparkurs

Lauda teilte auf Anfrage gegenüber airliners.de mit, dass man kein offizielles Statement zur Austro-Control-Untersuchung abgeben wolle.

Schon zuvor hätten laut "Standard" Insider darauf hingewiesen, dass seit der Übernahme durch Ryanair nicht mehr von einer konstruktiven Fehlerkultur im Unternehmen gesprochen werden könnte, vielmehr sei eine Angstkultur an die Stelle dieser getreten.

Von: dk

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