Austrian-Chef fordert "unternehmerischen Mut"

Der scheidende Austrian-Chef Kratky relativiert in einem Interview die von Konzernchef Spohr angesprochene Renditeschwäche seiner Airline. Zudem begründet er den Umbau des Langstreckenangebots.

Kay Kratky, Geschäftsführer der Austrian Airlines AG. © APA / Helmut Fohringer

Austrian-Airlines-Chef Kay Kratky reagiert auf die Vorwürfe der Konzernmutter Lufthansa wegen der angeblich zu schwachen Ergebnisse seiner Gesellschaft. In einem Interview mit dem Portal "Austrian Aviation" forderte er "unternehmerischen Mut und Weitsicht" von der Lufthansa Group und verweist auf frühere Investitionsentscheidungen.

Die Lufthansa Passage selbst habe 2011 nur eine Rendite von 2,3 Prozent erreicht, sagte Kratky. "Trotzdem wurden damals A350 und 777X zum Listenpreis von 14 Milliarden Euro bestellt. Wir als Austrian Airlines sind jetzt, vergleichbar, bei einer Rendite von 4,6 Prozent. Was will ich damit sagen? Man braucht unternehmerischen Mut und Weitsicht, auch in solchen Situationen Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen."

Spohr: "Die schwächste unserer Netzwerklinien"

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass die Ergebnisse bei Austrian Airlines ihn nicht zufriedenstellten. "Austrian Airlines ist die schwächste unserer Netzwerkfluglinien", sagte er, und Hub-Chef Harry Hohmeister machte im airliners.de-Interview ähnliche Aussagen über das Drehkreuz Wien.

© Austrian Airlines, Michele Pauty Lesen Sie auch: Spohr schiebt Austrians Flottenwünsche auf

Derzeit könne sich Austrian keine Investitionen in neue Langstreckenflugzeuge leisten, machte Spohr klar. Dafür soll die österreichische Tochter ein Betriebsergebnis von mindestens 150 Millionen Euro einfahren. 2017 kam sie laut Konzernbilanz auf ein Adjusted Ebit von 94 Millionen - ein Ergebnis, das sie nach eigener Prognose in diesem Jahr wohl nicht wieder erreichen wird.

Billigflieger drücken das Ergebnis

"Dieses Jahr gibt es verschiedene Faktoren, die auch etwas Wasser in den Wein kippen", räumte Kratky ein. So hätten die Betriebsversammlungen der Belegschaft und die daraus resultierenen Flugausfälle Einbußen von fast zehn Millionen Euro im Ergebnis gebracht. Der steigende Kerosinpreis werde trotz Hedging etwa 40 Millionen Euro kosten.

Vor allem aber führten die Offensive von Lauda Motion, Level und Wizz Air in Wien zu sinkenden Ticketpreisen: "Viele versuchen, sich Marktanteile zu kaufen. Wenn zuletzt Level 100.000 Tickets für einen Cent verkauft hat, dann weiß man, wie groß der Druck ist, wenn man in einen Markt hinein möchte."

Den neuen Kollektivvertrag mit den Gewerkschaften, der zuletzt wieder in Gefahr geriet, nimmt Kratky ausdrücklich aus der Liste der finanziellen Belastungen aus. "Denn er wird uns erlauben, produktiver und besser zu planen, und uns allein dadurch deutlich zu verbessern."

Kein Zeitdruck bei Flottenmodernisierung

Bei der Modernisierung der Langstreckenflotte gebe es nun "keinen Zeitdruck mehr", so Kratky. "Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind unsere Flugzeuge, auch die 767, Top in Schuss, sind am neuesten Stand der Technik und exzellent gewartet." Als Richtschnur im Konzern gelte, Flugzeuge mit etwa 25 Dienstjahren auszutauschen. Drei der 767 haben dieses Alter aber bereits überschritten.

Boeing 767-300ER der Austrian Airlines Foto: © AirTeamImages.com, Michael Priesch

Ihr Langstreckenangebot strukturiert die Austrian im Herbst um: Die Ziele Hongkong, Havanna, Colombo, Isfahan und Schiras werden gestrichen, die Rennstrecken nach New York, Chicago, Toronto, Peking und Shanghai dagegen aufgestockt. "Wir glauben, dass wir dadurch mitunter den Geschäftsreiseverkehr zwischen Osteuropa und Nordamerika verbessern können. Für Businessreisende sind hochfrequente Verbindungen wichtiger als neue Destinationen", sagte Kratky dazu.

Mit der Aufnahme neuer Langstrecken sei Austrian "in den vergangenen Jahren einen durchaus mutigen Kurs gefahren". Doch für einige davon fehlten die Nachfrage und die Wirtschaftlichkeit, deshalb ziehe man nun die Konsequenzen.

Kratky scheidet Ende Juli aus

Kratky ist seit 2015 Chef der österreichischen Lufthansa-Tochter. Zuvor war der gebürtige Deutsche Betriebschef im Lufthansa-Vorstand. Ende Juli scheidet Kratky mit Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren aus - eine "harte Regel", wie er findet. Sein Nachfolger wird Alexis von Hoensbroech, bislang Vertriebsleiter bei Lufthansa Cargo.

Von: pra

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