Austrian Airlines bekommt sechs gebrauchte Airbus A320

Austrian Airlines bekommt weitere Airbus-Jets für ihren Kampf gegen die Billig-Konkurrenz in Wien. Die Flugzeuge sind geleast, denn neue Maschinen vergibt die Lufthansa Group aktuell nicht an ihr österreichisches Sorgenkind.

Ein Airbus von Austrian Airlines am Flughafen Wien. © AirTeamImages.com / Chris Jilli

Austrian kommt beim geplanten Flottenumbau voran. Wie die Lufthansa-Tochter mitteilte, werden nun sechs Mittelstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A320 geleast, um kurzfristig die Flotte zu verstärken.

Die ersten vier Flugzeuge werden den Angaben nach bei der Leasingfirma Aviation Capital Group geleast und waren zuvor bei Avianca Brasil im Einsatz. Das erste Flugzeug soll bereits Mitte August nach Wien überführt werden und dann nach Umbauarbeiten ab Dezember für Austrian abheben.

Ende August, sowie im September und Oktober sind weitere Flugzeugübernahmen ehemaliger Avianca-Flugzeuge geplant, wie die Airline mitteilte. Im kommenden Jahr sollen dann zwei weitere gebrauchte Flugzeuge von der chinesischen Juneyao Airlines nach Österreich kommen. Die zwei Airbus A320 gehören dem irischen Leasinganbieter CDB Aviation.

Embraer 190 soll Dash-8-Flotte ersetzen

Bereits im Januar hatte Austrian angekündigt, bis 2021 insgesamt zehn zusätzliche Jets anzuschaffen, die 18 Turboprop-Maschinen des Typs Dash 8-400 ersetzen sollen. Dies soll "auch Komplexität aus der Flottenstruktur nehmen, da man sich den Betrieb und die Wartung eines Flugzeugmusters sparen wird", begründet die Lufthansa-Tochter damals den über 200 Millionen Euro teuren Schritt.

Im laufenden Jahr hat Austrian den Angaben nach bereits zwei Dash-Flugzeuge aus der Flotte genommen. Ein weiteres soll folgen. Im kommenden Jahr sollen dann neun Turboprops weggegeben werden, sechs weitere folgen 2021. Die Bombardier-Regionalflugzeuge haben bei Austrian 76 Sitzplätze.

Trotz der Umstrukturierung der Flotte soll es für das Streckennetz keine Einschränkungen geben. Denn die Strecken, auf denen bislang die Dash-Flugzeuge unterwegs waren, sollen mit den mit 120 Sitzen deutlich größeren Embraer-Jets bedient werden. Auf Verbindungen, auf denen bislang die Embraer-Jets flogen, sollen dann Airbus-Flugzeuge verkehren, die je nach Flugzeugausstattung rund 180 Gästen Platz bieten.

Austrian will Marktanteile in Wien verteidigen

Im Zuge der Neuplanung gibt es aber auch weiterreichende Veränderungen. Zum einen wird Austrian ihre Crew-Basen in Altenrhein, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg aufgeben. Die gut 200 Mitarbeiter sollen nach Wien wechseln. Auch sonst will Austrian an der Heimatbasis wachsen und der Billigflug-Konkurrenz vor Ort die Stirn bieten. Durch die Umstellung der Kurz- und Mittelstreckenflotte erwartet man dort einen Kapazitätsschub von über zehn Prozent.

"Diese sechs zusätzlichen A320 sollen auch als klares Signal an die Billig-Konkurrenz verstanden werden", sagte Austrian Airlines CCO Andreas Otto jetzt zum Flottenumbau. "Wir verteidigen unsere Marktposition und sind fest entschlossen, für unsere Kunden zu kämpfen."

Die größten Airlines in Wien
Airline Anteil
Austrian 44.2
Eurowings 7.8
Lauda 6.9
Wizz Air 6
Easyjet 3.2
Anisec 2.8
Sonstige 29.1

Nach Marktanteil, aktuelle KalenderwocheQuelle: © CH-Aviation, OAG

Nach dem Marktaustritt von Air Berlin und Niki sieht sich Austrian in Wien in der Tat mit einem immer stärker werdenden Wettbewerb im Billigpreis-Segment konfrontiert. Neben der Ryanair-Tochter Lauda haben vor Ort zudem die Billigflieger Wizz Air, Anisec, Level, Eurowings und Easyjet Basen aufgebaut und zum Teil zuletzt stark erweitert. Der Flughafen wächst seitdem kräftig.

Das hat Auswirkungen auf die Profitabilität der österreichischen Lufthansa-Airline. In der Airline-Gruppe gilt Austrian bereits als Sorgenkind. Im vergangenen Jahr sank der erwirtschaftete bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) auf 83 Millionen Euro, nach 93 Millionen Euro im Jahr 2017.

In der Folge ist Lufthansa vorsichtig bei der Bestellung weiterer Flugzeuge für ihre Tochter in Wien, während die Group zuletzt 24 neue A320 Neo und drei A321 Neo aus bestehenden Optionen nachbestellte. Die Maschinen sollen 2023 und 204 ausgeliefert werden - zumeist an Lufthansa, aber zehn sind auch für Swiss vorgesehen. Austrian bekommt nun gebrauchte Flugzeuge.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Austrian denkt über kleinere Widebodies nach

Auch die Langstreckenflotte der Austrian steht derweil auf dem Prüfstand. Lufthansa hatte Mitte März 20 Boeing 787 bestellt und eine Illustration der Maschinen in den Liveries von Austrian, Swiss und Lufthansa präsentiert. Aber auch hier ist die wirtschaftliche Lage der österreichischen Airline ein Hemmnis. Laut Ex-Austrian-Chef Kay Kratky müsste die Fluggesellschaft mindestens 150 Millionen Euro Gewinn einfliegen, damit man über neue Langstreckenflugzeuge nachdenken könne.

Von: dh

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