Zug statt Flug (1) Aus der Fläche ist schnelles Reisen oft schwierig

Die Politik will den innerdeutschen Flugverkehr auf die Bahn verlagern. Ein Problem zeigt sich abseits der Metropolen. Aus der Provinz führen viele Reisen verlockend nah an einen Flughafen. Ein Blick auf einen Bahn-Worst-Case in Brandenburg.

Talent-2-Regionalzug von Bombardier am Bahnhof Flughafen Berlin-Sch © dpa / Bernd Settnik

In einer mehrteiligen Reihe legt Bahn- und Luftfahrtjournalist Andreas Sebayang die praktischen Probleme rund um die aktuelle Diskussion um eine Verlagerung von Fernverkehr auf die Schiene dar. Der erste Teil zeigt die mangelhafte Anbindung der Fläche. In weiteren Teilen geht es um den Fernbahnverkehr innerhalb Deutschlands, die Schwierigkeiten beim grenzüberschreitenden Verkehr in Europa und Dingen, die sich aus Passagiersicht bei der Bahn ändern müssten, um eine ernsthafte Konkurrenz zum Flugzeug zu werden.

Es scheint politischer Konsens zu sein: Die Bahn soll schneller werden und den innerdeutschen Luftverkehr unattraktiver machen. Wie aber kommt man eigentlich in Deutschland am besten von einer Stadt zur anderen? Für den Großstädter ist die Frage recht einfach zu beantworten: Man setzt sich ins Flugzeug oder in die Bahn.

Doch schon im Speckgürtel der Metropolen und darüber hinaus wird es oft komplex, wenn es um attraktive Verbindungen geht. Das zeigt insbesondere der Blick auf das Berlin umgebende Bundesland Brandenburg. Fernverkehr auf der Schiene existiert hier fast gar nicht und selbst der Regionalverkehr wurde über Jahrzehnte stark ausgedünnt.

Nur wenige Regionen mussten so viel Bahninfrastruktur abgeben wie Brandenburg. Dutzende Bahnhöfe wurden seit der Wiedervereinigung stillgelegt, darunter insbesondere Querverbindungen in Nachbarstädte. Parallel dazu ging der Wiederaufbau essentieller Bahnverbindungen, vor allem nach Berlin, im Zuge der Einheit nur schleppend voran.

Das hatte mehrere Effekte: Die Menschen gewöhnten sich daran, dass die Bahn irrelevant ist und kauften sich ein Auto, statt auf den Bus zu warten, der so manche Bahnanbindung ersetzte. Wer schnell weg muss, der fährt mit dem Taxi oder dem Auto zum Flughafen Tegel oder nach Schönefeld. Alternativ geht es zum Ferienflieger nach Leipzig, Dresden oder sogar nach Rostock.

Ein Umweg um die halbe Stadt

Wer exemplarisch das ehemalige Bahnkreuz Neuruppin nördlich von Berlin betrachtet, sieht das besonders deutlich. In der Region gibt es keine besonderen Anreize, den Zug statt den Flug zu nehmen: Beide Alternativen sind mit enormem Aufwand verbunden, obwohl gerade hier eine vernünftige Zuganbindung im Gegensatz zum Flug punkten könnte.

Von: Andreas Sebayang

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