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Der Berliner Busbahnhof (Foto: Jörg Kantel, gepostet auf Flickr, CC BY-NC-ND 2.0) © Jörg Kantel

"Mach dich nicht schmutzig. Am besten, du fasst gar nichts an!" Mahnende Worte meiner Mutter auf dem Weg zum Zug. Der Bahnhof war schmuddelig, überall lauerten Keime - auch anderthalb Meter über dem Boden - es roch schlecht, und Wände, Boden, Fenster sowie Dächer waren von jahrelangem Schmutzbefall so dunkel wie die meisten Szenen von "50 Shades of Grey". Im Zug bot sich oft kein anderes Szenario.

Das war vor 50 Jahren - oder noch früher. Vor den Zügen qualmten Dampfloks. Das hatte zur Folge, dass sich alles von den Griffstangen beim Einstieg bis zum Polster im Waggon mit einem rußig-fettigen Film belegte. Heute löst das bei Bahn-Nostalgikern verzücktes Begeisterungsjauchzen aus. Damals aber fühlte man sich nach jeder Zugfahrt dreckig, und zumindest meiner Mutter machte das keine Freude.

© francescomucio, Lesen Sie auch: Flughafen Stuttgart ist Toiletten-Champion

Ganz anders die Flughäfen. Sie waren und sind Horte der Sauberkeit. Jedenfalls in Deutschland. Früher, mag man sagen, war das ja kein Wunder, Fliegen war ja auch ein besonderes Erlebnis, auf das man sich besonders vorbereitete. Und die soziale Selektion durch die hohen Flugpreise tat wohl auch ein Übriges.

Bei einer nicht repräsentativen, spontanen Umfrage unter Freunden und Bekannten landete der Flughafen München hinsichtlich der Sauberkeit auf dem Spitzenplatz. Auch der stark frequentierte Frankfurter Airport brachte es trotz seiner gewaltigen Passagierzahl und seiner nicht immer reinigungsfreundlichen Architektur auf vier von fünf Sternen.

Jemen und Sudan stechen heraus

Weltweit ist es nicht viel anders. Ein besonders weitgereister Freund vergibt viele gute Noten für Flughäfen, sieht man einmal von Airports in Krisengebieten wie dem Jemen oder dem Sudan ab. Dort haben die Menschen ganz offensichtlich anderes zu tun, als Touristen und Businessleuten alle halbe Stunde hinterher zu wischen. Aus den eigentlich guten Noten für den Fernen Osten fällt der Airport von Hongkong negativ heraus.

Also kann es nicht mehr an der sozialen Selektion liegen. "Die da oben" sind auch nicht sauberer als die anderen. Denn heute bevölkert nicht mehr nur die besser verdienende Kundschaft Counter, Gates, Lounges und Waschräume. Wir erkennen es auch am desolaten Zustand der Erste-Klasse-Abteile in den Zügen nach einer langen ICE-Fahrt. Es gehört offensichtlich zum guten Ton, dort seine ausgelesene Zeitung auf den Boden zu werfen.

Umbau allein reicht nicht

Dass auch Billigtouristen oft keine Freunde von Sauberkeit sind, dokumentiert der Berliner ZOB am Messegelände. Das Fernbusterminal unterscheidet sich kaum von den schlechtesten Flughäfen in unserer Umfrage, und in Berlin kann man sich (noch?) nicht damit herausreden, in einem "failed state" zu leben. Es ist auch eine Visitenkarte der Stadt. Umbau allein reicht nicht.

Aus hygienischer Sicht sind die Eisenbahnstationen deutlich besser geworden, jedenfalls die großen. Und das liegt nicht nur daran, dass die Loks sich das Rauchen abgewöhnt haben. Auch die Menschen wurden von Bahn, Airlines und Flughafenbetreibern auf dem Bahnhof und im Terminal, auf den Flügen und in den Zügen weitestgehend zum Nikotinverzicht gezwungen. Nur viele Tunnels stinken nach wie vor.

Und vor allem hat die Deutsche Bahn begonnen, die Hinterlassenschaften ihrer Kunden in kürzeren Intervallen wegzuräumen. Denn seien wir ehrlich: Es sind nicht mehr die Lokomotiven, sondern die Kunden, die den Dreck produzieren. Sie spucken reichlich Kaugummi auf die Bodenplatten und lassen Zeitungen, Flaschen, Pappbecher sowie haufenweise Fastfood-Schachteln samt dem zugehörigen Plastikbesteck an den unmöglichsten Stellen zurück, nur nicht in den dafür bestimmten Entsorgungsbehältern. Die Reinigungsunternehmen leisten da echte Sisyphusarbeit.

Wo aber wenig Kunden sind, ist auch wenig Dreck. So gesehen sollten sie den BER vielleicht gar nicht erst aufmachen.

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern.

Thomas Rietig, Journalist und Autor, Foto: rsv-presseThomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

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