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So sicher ist Fliegen, © dpa/Daniel Reinhardt
Wartende Fluggäste. © dpa / Daniel Reinhardt

Seit 2015 beantwortet Flugkapitän Nikolaus Braun in der airliners.de-Serie "Antworten aus dem Cockpit" Leserfragen zu Themen rund um Luftfahrttechnik und Flugbetrieb. Die beliebtesten Folgen aktualisieren wir derzeit und veröffentlichen sie neu. Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an antwortenausdemcockpit@airliners.de

Kann es wirklich sicher sein, mit 300 Personen, 50 Tonnen brennbarem Treibstoff und über 100 Tonnen Metall mit bis zu 300 km/h über eine enge Straße zu rasen?

Kann es wirklich sicher sein, eine enge Röhre mit 85 Prozent der Schallgeschwindigkeit an den Rand der Tropopause zu schießen?

Kann es sicher sein, ohne Sicht nach draußen auf einem schmalen Asphaltband zu landen, das gerade so für den Bremsweg ausreicht?

Aus der Praxis muss man ganz klar sagen: ja! Es klappt erstaunlich oft erstaunlich gut – egal ob in London bei Nebel, in Hongkong bei Wind, in Dubai in der Hitze oder in Chicago bei viel Verkehr.

Der globale Luftverkehr hat eine Vielzahl an Verfahren entwickelt, mit denen er den alltäglichen Gefahren begegnen kann.

Bei der Konstruktion von Flugzeugen ist die Flugsicherheit ein Merkmal, das sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche zieht. In den Bauvorschriften steht bis ins kleinste Detail geregelt, welchen Anforderungen der Entwurf genügen muss.

Redundanz und Wartung macht Systeme sicher

Ein Kerngedanke ist dabei die "Redundanz": Alle wichtigen Teile, seien es einzelne Schrauben oder komplexe Systeme, sind mindestens doppelt ausgelegt, in besonderen Fällen sogar dreifach. Fällt ein Teil aus, kann das verbleibende System die Funktion sicherstellen.

Jedes einzelne, kleine Bauteil ist genau für seinen Anwendungszweck spezifiziert und zugelassen. Fällt es aus, kann es nur durch ein eben solches Bauteil ersetzt werden. Lösungen "mal eben schnell aus dem Baumarkt" sind weder zugelassen noch wird auch nur der Hauch eines Gedanken in diese Richtung verschwendet.

Generell ist die Wartung eines Flugzeuges sehr aufwändig und oft umständlich: Viele Bauteile haben eine festgelegte "Lebensdauer" und müssen nach Ablauf der Zeit gewechselt oder von Grund auf überholt werden. Dieser hohe Aufwand erlaubt dafür im Gegenzug den sicheren Einsatz der Flugzeuge über viele Jahre hinweg.

All diese Anforderungen machen den Bau eines Flugzeugs zu einer ausgesprochenen komplexen und teuren Angelegenheit, die nur an wenigen Orten auf der Welt geleistet werden kann. Aber auch die Airlines sind ein Teil der Sicherheitskette. Durch die Organisation innerhalb der Airline werden maßgebliche Einflüsse auf die Sicherheit mitgestaltet.

Kein Druck auf die Besatzungen

Die ideale Airline ist zum Beispiel bestrebt, jeglichen Druck von den Besatzungen zu nehmen: Weder ein zeitlich zu enger Flugplan noch die großen Kosten für den Treibstoff, sollten die Piloten unter Druck setzen. Die Piloten müssen die Möglichkeit haben, jederzeit die notwendigen Maßnahmen treffen zu können, um einen sicheren Flug zu gewährleisten.

Auch die Senioritätslisten sind im Flugbetrieb ein Baustein zur Erhöhung der Flugsicherheit. Durch das Prinzip der Beförderung nach Dienstalter muss kein Pilot besondere Leistungen zeigen, um "dem Chef zu gefallen". Ein solches Streben könnte dazu führen, dass es zu sportlich gehandhabt wird und letzten Endes aus falschem Ehrgeiz gefährlich wird.

Pilotentraining in einem Boeing-787-Simulator, © Boeing
Pilotentraining in einem Boeing-787-Simulator © Boeing

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die Airline eine gute Personalauswahl bei Einstellung treffen muss, damit die Piloten trotz fehlender direkter Leistungsanreize eine gute Arbeit abliefern. Die Besatzung muss dazu eigentlich nur das Flugzeug sicher fliegen und sich um eine wirtschaftliche Flugdurchführung kümmern.

Was so einfach klingt wird aber komplex, wenn Fehler auftauchen. Um es deutlich zu sagen: Egal, was in der Luft passiert – ob vom Hersteller per Verfahren schon vorhergesehen oder nach "Murphys Law" unvorhergesehen – die Piloten müssen das Flugzeug in jedem Falle im aktuellen Zustand wieder landen. Es ist nicht möglich, einfach anzuhalten.

Ist Fliegen die sicherste Fortbewegungsmöglichkeit?

Annika G.

Der Kollege Autopilot ist in diesem Gesamtkontext übrigens Freund und Feind: Einerseits kann er viel Arbeit abnehmen, gerade, wenn es stressig wird. Andererseits reduziert sein dauernder Einsatz das Üben der handwerklichen Fähigkeiten der Flugsteuerung der Piloten.

Zweimal im Jahr müssen die Piloten im Simulator einem Prüfer unter Beweis stellen, dass sie noch alle Verfahren beherrschen und das Flugzeug sicher landen können. Des Weiteren finden regelmäßige medizinische Untersuchungen, Fortbildungen und Wissenstests statt.

Das sicherste Verkehrsmittel?

Kommen wir nun zum Verkehrsmittelvergleich in Sachen Sicherheit. Wie so oft kann man dabei korrekt nur mit einem "teils-teils" korrekt antworten. Denn je nach verwendeter Bezugsgröße ist mal das Flugzeug am sichersten, mal ist es ein anderes Verkehrsmittel. Die Bezugsgröße kann dabei beispielsweise die Zeit oder die Strecke sein.

Betrachtet man die zurückgelegte Strecke als Basis, ist das Flugzeug in der Tat am sichersten. Dies kann man sich auch sehr plastisch überlegen, wenn man sich nur die Gefahren vorstellt, die auf einer Autofahrt, Zugfahrt oder Busfahrt von Frankfurt nach Shanghai einem begegnen könnten – alleine schon durch die sehr lange Reisezeit. Nimmt man hingegen die Zeit als Grundlage, ist das Flugzeug nicht mehr so weit vorne, es fällt auf Platz drei hinter den Bus und den Zug zurück.

Fakt ist aber, dass die Unfallrate in der zivilen Luftfahrt in den letzten Jahren auf sehr niedrigem Niveau konstant geblieben ist – ein Erfolg der gesamten Luftfahrtindustrie. Sie liegt laut IATA aktuell bei 0,23 tödlichen Unfällen je eine Millionen Flüge. So gut dieser Wert auch ist, bei wieder steigenden Verkehrszahlen sind auch in Zukunft weitere Bemühungen notwendig, damit die Unfallzahlen nicht ansteigen.

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