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Ein Osterhase steht 2016 am Airport Weeze. © Flughafen Weeze

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Aus den Comprehensive Assessments der letzten zwei Wochen (2021-04-08 und 2021-04-01 jeweils als PDF) von Eurocontrol lässt sich zumindest für bestimmte Tage eine Erhöhung der Reiseaktivitäten erkennen. Nach einem Jahr der Krise hatte sich die Reiseindustrie und vor allem die Luftfahrt ein erhöhtes Reiseaufkommen erhofft. Auf der anderen Seite wurde eben genau eine solche Situation aus Infektionsschutzgründen befürchtet.

In den meisten Bundesländern Deutschlands sind die Osterferien über einen Zeitraum von zwei Wochen zwischen dem 27. März und dem 11. April positioniert. Das gilt auch für viele Länder Europas, wenngleich Spanien beispielsweise dazu tendiert, die Ferien mit Ostern beginnen zu lassen und andere Länder erst im Mai eine Urlaubszeit haben.

Allgemein wäre in dieser Zeit also eine Steigerung zu erwarten. Gegenüber dem Vergelichszeitraum 2019 sowohl bei der Zahl der absoluten als auch der relativen Flugbewegungen. Letzteres ist allerdings schwierig, denn die Schulferien lagen 2019 nicht an derselben Stelle, da Ostern nicht jedes Jahr an der gleichen Stelle liegt. Eurocontrols erstes Comprehensive Assessment ist allerdings auf Mitte April 2020 datiert (PDF) und passt damit genau, dank Daten aus dem Jahr 2019. Allerdings entspricht die Datenqualität nicht jener, die in den aktuellen Lageberichten wiedergegeben wird.

Daten aus der Zeit im Jahr 2020 sind für einen Vergleich an sich nicht geeignet. Es war der Beginn der Pandemie und damit eine ohnehin sehr turbulente Zeit. Der Einbruch der von Eurocontrol erfassten Flugbewegungen lag bei 90 Prozent und mehr.

Es waren einmal rund 30.000 Flugbewegungen zu Ostern

Am Dienstag, den 14. April 2019 gab es jedenfalls noch 30.276 Flugbewegungen, also einem Dienstag vor dem Osterwochenende. Am Dienstag, den 21. April wurden 31.083 Flüge verzeichnet. Diese beiden Daten waren tatsächlich jeweils rund um die jeweiligen Höhepunkte der Flugbewegungen. Am Samstag, den 18. April, zwischen Karfreitag und Ostersonntag, waren es beispielsweise nur um die 27.000 Bewegungen.

Leider nutzt Eurocontrol in den letzten Monaten vornehmlich den Mittwoch als Referenztag. Hierzu sei aber anzumerken, dass die Unterschiede zwischen Mittwochs- und Dienstagsbewegungen durchaus auffallen und Dienstage grob zehn Prozent unter Mittwochen liegen. Zumal die äquivalenten Daten dieses Jahr einen enormen Verlust darstellen, der aber immerhin nicht so drastisch ist wie 2020. Dennoch verwendet airliners.de für diese Analyse nicht nur die Mittwochsdaten, sondern die auf der Webseite von Eurocontrol zusätzlich publizierten Tagesdaten und damit insbesondere aktuelle Dienstage.

Ein kleiner Osterbuckel ist anhand der Eurocontrol-Statistiken zu erkennen. © Eurocontrol

Am Dienstag, den 30. März 2021, also vor Ostern in diesem Jahr, lagen die Flugbewegungen immerhin bei einem Wert von 10.552. Am vergangenen Dienstag waren es 9940 Flüge. Im direkten Osterferienvergleich war also immerhin ein Drittel der Flüge unterwegs. Das Gesamtminus liegt derzeit bei 65 Prozent. Hier gibt es allerdings auch Verzerrungen. So sind Frachter verstärkt unterwegs, da die Frachtkapazitäten in Passagiermaschinen stark reduziert sind.

Von einer Oster-Normalität oder gar einer Reisewelle lässt sich trotzdem nicht sprechen. Low Cost Carrier wie Easyjet (-95 Prozent), Ryanair (-89 Prozent) und Vueling (-88 Prozent) konnten am 7. April keine signifikante Erhöhung der Flottenbewegungen erreichen. Zu beachten ist, dass diese Daten des 7. April 2021 mit dem 3. April 2019 verglichen wurden und nicht mit den Osterwochen. Es gelang vielen Airlines nicht, sich im Osterverkehr wenigstens dem normalen April-Verkehr anzunähern.

Niedriges Flugniveau sorgt für starke Ausschläge

Nun stellt sich die Frage, ob es denn überhaupt eine signifikante Zunahme des Luftverkehrs in der Mitte der Osterwochen gab, wie es eigentlich der Fall sein müsste. Dazu können die absoluten Zahlen der letzten beiden Comprehensive Assessments genutzt werden. Zur Erinnerung: Am 7. April gab es 9940 Flüge und am 30. März 10.552 Flüge. Die Woche davor (23. März) lag der Wert bei 9399 und nochmals einen Dienstag (16. März) davor bei 9159.

Es gab also tatsächlich einen Anstieg des Luftverkehrs über Europa um etwa zehn bis 15 Prozent, was allerdings in Anbetracht eines Gesamtminus von deutlich über 60 Prozent weiterhin ein niedriges Niveau ist. Der Anstieg ist auch höher als das vergleichsweise stabile Fluggeschehen im Jahr 2019, das aus alten Reports hervorgeht. Ein Osterbuckel ist in der Statistik vom 27. April 2020 bezugnehmend auf das Jahr 2019 nur schwer zu erkennen (PDF).

Diese Aussagen beziehen sich ausschließlich auf den Verkehr in der Luft. Aussagen zur Auslastung und damit zu tatsächlich Reisenden lassen sich anhand dieser Daten nicht treffen.

Interessant sind schließlich noch die Profiteure des Osterverkehrs. Wie bereits zuvor erwähnt, blieb das Niveau gerade bei Low Cost Carriern sehr niedrig. Auf diesem Niveau machen nur wenige Flugbewegungen schon starke prozentuale Schwankungen aus. Diese Daten basieren wieder auf dem Referenzmittwoch, den Eurocontrol derzeit nutzt. Am 31. März wurden 11.931 Flüge gezählt. Einer der höchsten Werte.

Der 31. März hatte für Pandemie-Verhältnisse recht viele Flugbewegungen. © Eurocontrol

Im Vergleich zu dem Tag zwei Wochen zuvor profitierte vor allem Lufthansa. Die konnte ihr Angebot um 139 Flüge auf 366 Stück erhöhen. Ein Plus von über 60 Prozent. Das Gesamtangebot lag aber weiterhin bei einem Minus von 77 Prozent.

Aber auch ein Low Cost Carrier fiel auf. Ryanair konnte das Angebot verdreifachen. Von 68 Flügen Mitte März auf 215 Flüge Ende März im Osterverkehr. Das ist allerdings weiterhin ein sehr niedriges Niveau und entsprach am 31. März einem Minus von 91 Prozent verglichen mit 2019. Moderate Zuwächse gab es noch bei Turkish Airlines und Air France, die allerdings ohnehin ein hohes Flugangebot haben.

Ein kleiner Osterreisebuckel war da

Die aus Pandemiesicht befürchtete erhöhte Reiseaktivität blieb nach Eurocontrol-Zahlen definitiv aus. Es gab zwar einen erkennbaren und auffälligen Anstieg an Flugbewegungen, doch die waren weiterhin auf einem niedrigen Niveau mit einem Gesamtminus von über 60 Prozent. Dazu kommt, dass in der Top 40 der Fluggesellschaften derzeit vier Frachtcarrier mit nahezu regulärem Flugangebot unterwegs sind.

Insbesondere die für den Ferienverkehr besonders wichtigen Low Cost Carrier konnten solche Werte nicht einmal annähernd erreichen. Full Service Carrier sind etwas besser aufgestellt. Selbst bei der Annahme eines erhöhten Sitzladefaktors, der derzeit allerdings nicht belegt ist, wären die Werte weiterhin extrem niedrig. Große Flottenteile blieben auch über Ostern am Boden.