airliners.de Logo

Analyse Ein Blindflug durch die Corona-Daten

Zwischen den Jahren und drumherum war die Datenlage zur Verbreitung des Coronavirus kaum verwertbar, weil auch die medizinische Infrastruktur in die Feiertage ging. Das scheinen viele nicht verstanden zu haben. Erste vernünftige Daten werden erst wieder ab kommender Woche vorliegen.

Ein Flugpassagier, der aufgrund der Corona-Pandemie einen Mundschutz trägt, schiebt im Flughafen Paris-Orly bei Paris einen Rollwagen mit Koffern. © dpa / Aurelien Morissard/XinHua

Der Lockdown wird verschärft und verlängert, als Grundlage dazu dienen die neuen Corona-Zahlen. Zu Weihnachten, zwischen den Jahren und bis in die erste Januar-Woche sind die Daten zu Sars-Cov-2 allerdings in großen Teilen kaum aussagekräftig.

Das war zu erwarten. Schon Thanksgiving in den USA zeigte, wie stark große Feiertage die Daten beeinflussen. Die ohnehin stark belasteten Gesundheitsämter aber auch Arztpraxen reduzierten den Betrieb, es gab weniger Tests und immer wieder unvollständige oder auch ausbleibende Meldungen von Daten. Auch in "normalen Zeiten" ist der Effekt bekannt: Typischerweise lassen sich schon die Corona-Daten der Wochentage nicht untereinander vergleichen. Alle Montags- und auch Dienstagszahlen sind stark durch das Wochenende verzerrt.

Mit gleich zwei großen Auszeiten zu Weihnachten und Silvester sowie den Tagen dazwischen kommt es in vielen Ländern nun sogar zu einem über zwei Wochen langen Blindflug gleich. So reduzierten sich die Tests etwa in Deutschland enorm. Der Labor-Verein ALM meldete nur noch etwas über 700.000 Tests über den Jahreswechsel (PDF), während die theoretische Testkapazität feiertagsbedingt nur geringfügig auf etwa 1,6 Millionen reduziert wurde. Das ergibt eine Auslastung von nur 45 Prozent. Schon in der Weihnachtswoche reduzierte sich die Auslastung auf 60 Prozent.

Die Akkreditierten Labore der Medizin sind für etwa 90 Prozent des Testgeschehens verantwortlich, sodass hier eine bundesweite Lage abgebildet wird. Vor den Feiertagen waren die Testkapazitäten überlastet. Mit weniger Tests verringern sich aber die entdeckten Fälle. Zudem gibt es nach den Feiertagen Nachmeldungen, die die Zahlen dann wieder hochschnellen lassen. Im Detail:

So sank die Anzahl der entdeckten Fälle zwischen den Feiertagen deutlich - auf das Niveau von vor etwa vier Wochen. Gleichzeitig stieg aber das Verhältnis der positiven Fälle ebenfalls deutlich an. Während vor vier Wochen noch etwas über zehn Prozent der Tests positiv waren, sind es jetzt "plötzlich" über 16 Prozent.

Das erklärt sich dadurch, dass zwischen Weihnachten und Neujahr vor allem dann getestet wurde, wenn es wirklich Verdachtsmomente gab. Ob oder wie sehr sich die Situation verschlechtert hat, lässt sich aus diesen Fallzahlen jedoch nicht entnehmen. Selbiges gilt derzeit für die Sieben-Tage-Inzidenzwerte, die bundesweit sinken, weil weniger getestet wird und die Infrastruktur eine Pause einlegt.

Von: Andreas Sebayang

Lesen Sie jetzt

Corona-Variantenverbreitung bedroht Erholung des Luftverkehrs

Corona-Lage 02/2021 Die Situation rund um die Verbreitung von Sars-Cov-2 bleibt sehr dynamisch. Sorgen bereiten weiter Varianten, die den Einsatz eines Impfstoffs bereits regional einschränken. Dazu kommt der weltweite Mangel an Sequenzierungskapazitäten, der für die Luftfahrt wichtig wäre. Ein Blick auf die aktuelle Lage in wichtigen Destinationen.

Lesen Sie mehr über

airliners+ Fluggesellschaften Corona-Virus Rahmenbedingungen Flughäfen Tourismus Politik