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Fluglärmgegner Gernut Franke steht am 23.07.2014 vor seinem Haus in Schulzendorf (Brandenburg). © dpa / Ralf Hirschberger

Eigentlich sollten über Schulzendorf längst die Triebwerke im Minutentakt dröhnen. Doch es ist ruhig in der Gemeinde am südöstlichen Stadtrand Berlins. Vögel zwitschern, von Flugzeugen ist nichts zu hören. «Das ist der Vorführeffekt», sagt Gernut Franke, der gerne etwas Fluglärm demonstriert hätte.

Dass über Frankes Grundstück bislang nur ab und zu mal ein Jet fliegt, liegt an der wohl bekanntesten Baustelle im Land: dem neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Nur weil sich die Inbetriebnahme seit Jahren verzögert, ist es in Schulzendorf ruhig. Öffnet der Flughafen, wird über die Gemeinde alle paar Minuten ein Flugzeug donnern. «Dann wird Schulzendorf fallen», sagt Franke, es klingt wie Rhetorik in einem Krieg.

Sein Problem ist, dass sein Haus bislang überhaupt nicht gegen Lärm geschützt ist. Und die meisten Haushalte der rund 8000 anderen Schulzendorfer auch nicht. Vielleicht ein, zwei Gebäude im Ort hätten Schallschutz, sagt Franke, «wenn's hoch kommt».

Der Lärmschutz gerät beim Dauerthema Hauptstadtflughafen manchmal in den Hintergrund. Meist geht es um die Frage, ob der Eröffnungstermin wieder wackelt. Oder um die explodierenden Baukosten. Aber der drohende Lärm macht den Anwohnern die meisten Sorgen. Er wird ein Hauptthema bei der Landtagswahl am 14. September sein.

Was wäre, wenn der Flughafen schon 2012 geöffnet hätte?

Nach dem jüngsten Bericht der Flughafengesellschaft warten rund um den BER noch mehr als 23.000 Haushalte auf ausreichenden Schallschutz. Bislang habe erst etwa jeder zwölfte der 25.500 berechtigten Haushalte die nötigen Papiere erhalten, um Handwerker zu beauftragen. Manche fragen sich da, was die Anwohner in Schulzendorf, Blankenfelde-Mahlow oder Bohnsdorf aushalten müssten, wenn der Flughafen 2012 eröffnet worden wäre.

Daraus wurde bekanntlich nichts. Der Vorteil: So blieb mehr Zeit für Lärmschutz. Doch der Fortschritt sei «gleich null», sagt Christine Dorn vom Bündnis Südost. Von «Verarsche» spricht Gernut Franke. Er ist auch im Vorstand des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB) gegen den neuen Hauptstadtflughafen.

In Frankes Haus waren mehrmals die Sachverständigen, um die notwendigen Schallschutzmaßnahmen festzulegen. Die Dämmung von Dach und Fenstern, der Lüftereinbau - die Kosten wurden dem 53-Jährigen nicht genannt. Doch ein ordentlicher Lärmschutz werde wohl viel Geld kosten, meint er. «Seitdem habe ich von denen nichts mehr gehört.» Als Hauptgrund für die Verzögerung gilt das Urteil des

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Oberverwaltungsgerichts im April 2013, wonach der Schallschutz für die BER-Anwohner verbessert werden muss. Weil der Flughafen die strengen Vorgaben verfehlt hatte, musste das Schallschutzprogramm praktisch von vorn beginnen. Die Gesamtkosten stiegen von 139 Millionen auf 739 Millionen Euro.

«Die Landesregierung ist auch nicht zufrieden mit dem Fortschritt beim Schallschutz», heißt es im Infrastrukturministerium. Die Flughafengesellschaft arbeite aber mit Hochdruck und man erwarte, «dass alles getan wird, um die Menschen vor Fluglärm zu schützen». Auch der Betreiber FBB gibt sich emsig: «Nach Kenntnis der FBB handelt es sich um das umfangreichste Schallschutzprogramm weltweit», sagt ein Sprecher. Es werde mit Hochdruck an einer Umsetzung gearbeitet.

Wir wollen nicht in einem Akustik-Käfig hausen

BER-Anwohner Gernut Franke

Vom raschen Fortschritt hängt für den Betreiber viel ab. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will 2015 die Südbahn in Betrieb nehmen, damit die Nordbahn saniert werden kann. Von ihr starten die Flugzeuge vom bestehenden Flughafen Schönefeld nebenan. Der Plan funktioniert aber nur, wenn die Anwohner ausreichend gegen den Lärm geschützt sind.

In den Anrainergemeinden glauben viele nicht daran, dass es jemals einen guten Lärmschutz gibt. Die Leute seien resigniert, sagt Gernut Franke. Und selbst wenn es einen perfekten Schallschutz für die Häuser geben sollte: Was ist mit den Gärten, den Erholungsgebieten im Grünen? Man wolle sich doch auch im Freien bewegen und nicht in einem «Akustik-Käfig» hausen, meint Franke.

Viele Anwohner fordern daher die komplette Abkehr vom Projekt BER in Schönefeld - und die Suche nach einem ganz neuen Flughafen-Standort fern des dicht bevölkerten Berliner Speckgürtels. Doch diesen radikalen Vorschlag trägt keine der Parteien im Brandenburger Landtag mit. Die Frage ist, wem die BER-Gegner am 14. September ihre Stimme geben werden.

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