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Alles Alte wird wieder neu

Das war die Woche die war: Wie ein Medley ihrer größten Hits wiederholen die Großen unserer Branche dieser Tage ihre altbekannten Mantras. Unser Kolumnist Andrew Charlton freut sich: Klischees muss man eben bedienen.

Neues Flugzeug vor altem Tempel. © Adobe Stock / Soloviova Liudmyla

Es ist eine Quelle ständiger Faszination, dass die Luftfahrtindustrie irgendwie in der Lage ist, so gut zusammenzuarbeiten wie sie es tut. Dabei meine ich nicht die großen Dinge, sondern die kleinen. Es ist die Liebe zum Detail, die atemberaubend ist.

Vor einigen Wochen hatte sich die Branche entschlossen, die Metaphernwoche auszurufen. Wer hat das geplant? Welche geheimen Prozesse sind im Spiel, die die gesamte Branche in Einklang bringen? Wie werden lebenswichtige Information wie diese außerhalb aller bekannten Kommunikationskanäle übermittelt? Gibt es einen geheimen Kalender, in dem festgelegt ist, welche Woche welche ist? Markieren Sie auf jeden Fall in Ihrem Kalender, dass die vergangene Woche die Woche der Klischees war!

DWDWDW ("Das War Die Woche Die War")
26. bis 31. Oktober 2020

Den Startschuss am Montag gaben die Fluglotsen - eine sichere Wette für diese Art von Szenenbildarbeit - mit einer Pressemitteilung der ATCEUC - der Air Traffic Controllers European Union's Coordination - selbst keine Gewerkschaft, sondern die Stimme der verschiedenen Fluglotsengewerkschaften. Sie sind also gegen die neuen Vorschläge der Europäischen Kommission zur Änderung des Pakets von Verordnungen, die den Vorschlag für den einheitlichen europäischen Luftraum ausmachen - besser bekannt als "SES2 ∞".

Die Fluglotsen sind nicht glücklich. OK, wenn es um Reformen geht, sind sie nie glücklich. Nichts überstürzen, sagen sie dann. Ein ganz starker Auftritt, wenn Sie mich fragen. Gleich vom Klischee-Startschuss an!

Um nach diesem Auftakt nicht direkt ins Klischee-Hintertreffen zu gelangen, hat der ACI, der Berufsverband der Flughäfen, am Dienstag einen ganz starken Antritt am Elfmeterpunkt hingelegt, um mal in der sportlichen Analogie zu bleiben. Der Verband sprach über die finanzielle Notlage vor allem kleinerer und regionaler Flughäfen im Zuge der Covid-Krise. Man stellte fest, dass die Flughäfen "die Kosten bis auf die Knochen gesenkt" hätten. Man brauche "Notfall-Kriegskassen". Nicht irgendwelche Kriegskassen, wohlgemerkt.

Dennoch war es eine Schande, dass wir am Mittwochmorgen von ACI World in Montreal erfuhren, dass man "die besten Flughäfen der Welt feiern" würde, "während sich der Aufschwung fortsetzt". Der Preis wird in verschiedenen Kategorien an Flughäfen vergeben, die es geschafft haben, "die Passagier-Erfahrung kontinuierlich zu verbessern". Wir sollten dankbar dafür sein, dass sie nicht als "Gäste" bezeichnet wurden.

Die Gewinner waren Flughäfen, die "das Reiseerlebnis in den Vordergrund stellten". Sie tun dies, indem sie "den Passagier immer mehr in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen". Amadeus, den Sponsor des Preises, "inspirieren die Passagiere, Lösungen zu schaffen, die es den Flughäfen ermöglichen, flexibler, agiler und anpassungsfähiger zu sein". Klischee!!

Über den Autor

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Andrew Charlton ist der Geschäftsführer von Aviation Advocacy, einer auf den Luftverkehr fokussierten Strategie- und Regierungsberatung mit Sitz in der Schweiz. Andrew ist zudem Herausgeber des "Aviation Intelligence Reporter", der einen zunehmend einflussreichen und unerschütterlich unabhängigen Blick auf die Luftfahrt bietet, immer durchdacht und nie einseitig.

Von: Andrew Charlton Jetzt Gastautor werden

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