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Alitalia wird verstaatlicht

Die italienische Regierung will die Fluggesellschaft Alitalia verstaatlichen. Ein Schritt der angesichts der Corona-Krise die beste Lösung sei. Doch schon zuvor hat die Regierung jahrelang keinen Investor für die Airline gefunden.

A321 von Alitalia © AirTeamImages.com / Ido Wachtel

Italien will die Fluggesellschaft Alitalia verstaatlichen, deren wirtschaftliche Lage sich durch die Corona-Krise zusätzlich verschlechtert hat. Diese Entscheidung habe das Kabinett im Rahmen eines Hilfspakets für die Wirtschaft getroffen, teilte die Regierung mit. Wegen der Corona-Krise sind weltweit unzählige Flüge ausgefallen, Fluggesellschaften haben dadurch massive Einbußen.

Zur Rettung von Alitalia werde die Regierung in Rom eine "neue Gesellschaft" gründen, die "vollständig vom Wirtschafts- und Finanzministerium oder von einer Gesellschaft, die sich mehrheitlich in öffentlichem Besitz befindet", kontrolliert wird. Einen Zeitplan und andere Details der Verstaatlichung legte die Regierung zunächst nicht vor.

Hilfsfonds über 600 Millionen Euro steht bereit

Wie die Nachrichtenagentur AGI berichtete, hat die italienische Regierung einen Hilfsfonds in Höhe von 600 Millionen Euro zur Sanierung des angeschlagenen Luftfahrtsektors insgesamt aufgelegt. Der größte Anteil soll demnach in die Alitalia-Verstaatlichung fließen.

"Dies ist keine einfache Situation", sagte Verkehrsministerin Paola De Micheli dem Fernsehsender Rainews 24. Die Corona-Krise habe sie jedoch in der "Idee bestärkt, dass ein nationales Unternehmen von strategischer Bedeutung" für Italien sei.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise und ist seit Mai 2017 insolvent. Über die Jahre hat sie etliche Rettungskredite von der Regierung erhalten. Erst Anfang Dezember hatte die Regierung in Rom einen weiteren Überbrückungskredit in Höhe von 400 Millionen Euro genehmigt. Damit sollte der Flugbetrieb der Gesellschaft vor einem möglichen Verkauf bis zum 31. Mai 2020 garantiert werden.

© ANSA/dpa, Ettore Ferrari Lesen Sie auch: Regierung setzt Alitalia letzte Frist für Weiterbestand

Eigentlich hatte die italienische Regierung hat der angeschlagenen Fluggesellschaft eine letzte Frist bis dahin gesetzt, einen nachhaltigen Sanierungsplan aufzustellen und einen neuen Eigentümer zu finden. "Das Ziel ist ganz klar, bis zur Mitte des Jahres (einen Deal) abzuschließen", sagte Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Stefano Patuanelli. Sollte bis dahin kein Käufer gefunden sein, werde es keine weiteren Gelder mehr geben und das Unternehmen werde zerschlagen: "Für Alitalia ist das wirklich die letzte Staatshilfe."

Billigflieger wie Easyjet und Ryanair setzten die Fluglinie in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck. Experten weisen aber auch daraufhin, dass Alitalia zu klein ist und zu viel Personal hat, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Im Jahr 2018 flogen nur 22 Millionen Passagier mit Alitalia. Im Vergleich: Die Lufthansa hatte damals rund 180 Millionen Fluggäste. 2017 meldete Alitalia Konkurs an.

Italien steht vor einer Wirtschaftskrise

Italien ist das am meisten von der weltweiten Corona-Krise betroffene Land in Europa. 28.000 Menschen wurden bisher positiv auf das Virus getestet, mehr als 2100 Menschen starben. Im ganzen Land gelten wegen der Krise drastische Einschränkungen.

Experten warnen auch vor den langfristigen ökonomischen Gefahren. Italien gehört zu den am stärksten verschuldeten Ländern in Europa und verzeichnet zugleich das schwächste Wirtschaftswachstum. Am Montag hatte Regierungschef Giuseppe Conte ein Hilfsprogramm in Höhe von 25 Milliarden Euro für Familien und Unternehmen bekanntgegeben, mit dem die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abgefedert werden sollen.

Von: dk mit afp

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