Alitalia: Lufthansa fordert Verzicht auf Privilegien

04.01.2018 - 15:59 0 Kommentare

Nach dem Scheitern der Niki-Übernahme konzentriert sich der Lufthansa-Konzern auf Alitalia. Ob sie dort eine Sanierung durchsetzen kann, ist ungewiss. Offenbar fordert der Kranich nun Zugeständnisse.

Stewardess von Alitalia: Die Mitarbeiter sollen wohl kostspielige Privilegien verlieren.Foto: © dpa

Der Kranich-Konzern will offenbar die Übernahme von Alitalia deutlich forcieren. "Nach dem Aus bei Niki sind Kapazitäten im Konzern frei, Alitalia ist für Lufthansa ein strategisch wichtiges Ziel", zitiert das "Handelsblatt" eine Führungskraft. Verantwortlich für den Deal soll neuerdings LH-Vorstand Harry Hohmeister sein - er leitet das Hub-Management im Konzern.

Airlines in Italien
Angaben in Prozent
Ryanair 26.4
Alitalia 23.4
Easyjet 8.9
Vueling 3.5
Lufthansa 3.0
Wizz Air 2.8
Übrige Airlines 32.0

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab italienischen Airports im laufenden Winterflugplan bis Ende März. "Übrige Airlines" sind jene mit je weniger als zwei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-aviation, Stand: 4. Januar 2018

Lufthansa verlangt von der italienischen Seite aber einen grundlegenden Umbau, bevor es zu einer Einigung kommen kann. Neben Stellenstreichungen geht es laut "Handelsblatt" dabei auch um die Abschaffung kostspieliger Privilegien, die Alitalia-Mitarbeiter seit langem genießen. Berichtet wird etwa, dass in Mailand stationierte Crews Anrecht auf einen Wohnsitz in Rom haben - inklusive Kostenübernahme für die Anreise während der Arbeitszeit und Vorabübernachtungen am Flughafen.

Einigung vor März nicht absehbar

Spätestens seit Dezember soll Lufthansa der einzige Bieter sein, mit dem die italienische Regierung noch über Alitalia verhandelt – auch wenn das offiziell bislang nicht bestätigt wurde. Weitere Kandidaten im Übernahmerennen waren Easyjet und der US-Finanzinvestor Cerberus.

Eine Einigung mit Lufthansa ist laut Presseberichten aber nicht mehr in diesem Monat zu erwarten, voraussichtlich nicht einmal vor den italienischen Parlamentswahlen am 4. März. Offiziell läuft das Bieterverfahren noch bis Ende April.

Lufthansa macht laut für einen Deal zur Bedingung, dass die seit Mai 2017 insolvente Alitalia noch vor der Übernahme saniert wird. Der Kranich hat kein Interesse am Gesamtunternehmen und will nur den Flugbetrieb, nicht aber die Bodenverkehrsdienste übernehmen.

Erhalten bleiben sollen lediglich 6000 von bislang 8000 Mitarbeitern – wohl der heikelste Punkt im Ringen um eine Zukunftsperspektive. Denn Politik und Gewerkschaften haben sich bislang höchstens zur Einsparung von 1000 Stellen bereit erklärt.

Streikaufruf für den 19. Januar

Mit neuen Arbeitskämpfen wollen die Gewerkschaften in Italien weitere Stellenstreichungen bei Alitalia verhindern. Mehrere Arbeitnehmerorganisationen haben für den 19. Januar zu einem 24-stündigen Streik bei der Airline aufgerufen. Dazu zählen die Transportgewerkschaft im Basisverband CUB und das selbstorganisierte Air Crew Committee.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gewerkschaften eine Sanierung bei Alitalia verhindern. Zuletzt zog im Mai 2017 das kategorische Nein zum Sparplan die Insolvenz der Airline nach sich. Das Unternehmen steht seither unter staatlicher Verwaltung, Anteilseigner sind zu 49 Prozent Etihad Airways und zu 51 Prozent das italienische Konsortium Compagnia Aerea Italiana.

Bei Lufthansa stellt man sich offenbar auf ein langes Ringen um die Alitalia-Sanierung ein. Laut eines Medienbericbzs veranschlagen die Konzernstrategen mindestens 18 Monate, bevor die Airline reif zur Übernahme wäre. Lufthansa würde dann rund 300 Millionen für den Kauf von Unternehmensteilen auf den Tisch legen, heißt es. In Italien hatte man sich Hoffnungen auf bis zu 500 Millionen Euro gemacht.

© AirTeamImages, Jesus Moreno Lesen Sie auch: Lufthansa hat genaue Pläne für Alitalia

Derzeit wird Alitalia noch von einem staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 600 Millionen Euro in der Luft gehalten. Er wurde zuletzt bis Ende September verlängert und um weitere 300 Millionen zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebs aufgestockt.

Von: pra
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