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Aktienkurse von Fluglinien und Boeing ziehen mächtig an

Corona-Impfstoffankündigungen und die Boeing-737-Max-Bestellung von Ryanair lassen die Kurse von Luftfahrtunternehmen steigen. Anleger setzen bei Fluglinien und Flugzeugherstellern auf eine baldige Wiederöffnung für den Reiseverkehr.

Das Boeing-Logo ist auf einem Bildschirm über dem Tradingfloor der New Yorker Börse zu sehen. © dpa / Richard Drew/AP

Die Aktien aus der Luftfahrtbranche haben am Donnerstag an den Börsen mit viel neuem Schwung den Steigflug angetreten. Laut Händlern setzen die Anleger bei Fluglinien und Flugzeugherstellern wieder stärker auf eine baldige Wiederöffnung für den Reiseverkehr - unter anderem wegen der Zuversicht, die seit Wochen auf bald verfügbare Impfstoffe beruht.

Ein Börsianer vermutete, dass bei Anlegern derzeit eine Zukunftsperspektive gehandelt wird, die sich in einem Zeitraum von sechs Monaten bis ins Jahr 2025 erstreckt - in der Hoffnung, dass die Auswirkungen der Pandemie eingedämmt werden und irgendwann wieder eine Rückkehr zum Alltagsgeschäft möglich ist. Außerdem zeugte eine Großbestellung von Ryanair für den Boeing-Jet 737 Max von Zuversicht des Billigfliegers, was eine Zeit nach Corona betrifft.

Gemeinsam mit der Ryanair-Bestellung katapultierte die Branchenrally die Boeing-Aktie bis zum Abend um 6,6 Prozent nach oben, womit sie im Dow zur Spitzengruppe gehörten und eine Stütze war. Für die US-Fluggesellschaften wie American Airlines oder United Airlines ging es derweil aber noch deutlicher um 9,8 respektive 7,7 Prozent nach oben. Auch in Europa nahmen die Wertpapiere wichtiger Luftfahrtunternehmen den Schwung mit. Ryanair lag mit rund neun Prozent im Plus.

Mit dem Kurssprung am Donnerstag knüpfte die Boeing-Aktie an ihre jüngste Erholungsrally an, die zuletzt auch von der Wiederzulassung des Krisenfliegers 737 Max getrieben worden war. Binnen etwa eines Monats haben die Papiere des Flugzeugbauers nun von 140 bis auf 240 Dollar zugelegt, was eine Steigerung um mehr als 70 Prozent bedeutet. Ryanair hat am Donnerstag eine Kaufoption für 75 weitere 737 Max gezogen. Die Maschinen waren im März 2019 nach zwei fatalen Abstürzen aus dem Verkehr gezogen worden.

Bei Delta Air Lines trübte es am Donnerstag nicht groß das Bild, dass die Fluggesellschaft davor warnte, dass der Barmittelverbrauch in diesem Quartal viel schwerwiegender als gedacht werden könnte. Obwohl das Unternehmen damit rechnet, in diesem Jahresviertel täglich zwölf bis 14 Millionen Dollar zu verlieren, stiegen die Aktien um 5,4 Prozent.

Analysten: Himmel klart sich auf

Nachdem sich Mitte November die Experten der US-Bank Goldman Sachs und von Kepler Cheuvreux positiver zur Branche geäußert hatten und von verringerten Abwärtsrisiken sprachen, äußerten sich nun auch die der Deutschen Bank optimistischer. Die Experten der UBS sind zwar noch zurückhaltender, sehen aber inmitten von Neuinfektionszahlen und Reisebeschränkungen für die weltweite Luftverkehrsbranche zumindest eine Stabilisierung der Trends im Dezember und Januar.

Der europäische Index für den Reise- und Freizeitsektor legte als einer der gefragtesten Indizes um 1,3 Prozent zu. Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von IAG um 4,3 Prozent und die von Ryanair und Air France-KLM um jeweils 3,3 Prozent. Easyjet gewannen 1,9 Prozent, während sich die der Lufthansa mit plus 0,1 Prozent kaum bewegten. Die Papiere der Kreuzfahrt-Reederei Carnival gewannen 2,9 Prozent. Die Aktien des Hotelbetreibers Accor stiegen um 3,5 Prozent.

Zudem rückten die Anteilsscheine des Flughafenbetreibers Fraport um 4,3 Prozent vor auf den höchsten Stand seit Anfang März und Flughafen Zurich gewannen 1,8 Prozent.

Analystin Siobhan Lynch von der Deutschen Bank sieht für die Flughafenbetreiber inzwischen mehr Chancen als Risiken: "Die jüngsten Impfstoffmeldungen und die möglichen Zeitachsen für eine Herdenimmunität decken sich mit unseren Erwartungen über eine Erholung des Luftverkehrs in der zweiten Jahreshälfte 2021." Die Flughafenbetreiber Fraport, Aena und Zurich Airport dürften im Jahr 2023 wieder das Verkehrsaufkommen des Jahres 2019 erreichen. Für die Aeroports de Paris (ADP) sollte das ein Jahr später der Fall sein.

Zugleich hob Lynch hervor, dass sie ihre Präferenzen neu ausgerichtet habe. Mit Blick auf den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport betonte sie vor allem das Einsparpotenzial und sprach daher nun ein Kaufurteil für die Papiere aus. Das Kursziel hob sie zugleich von 35 auf 60 Euro an. Für Aena und Zurich Airport bekräftigte sie ihre Kaufempfehlungen und hob die Kursziele an. Für Aena um 14 Euro auf nun 164 Euro und für die Schweizer von 157 auf 182 Franken.

Die Deutsche-Bank-Analysten Jaime Rowbotham und Andy Chu richteten das Portfolio der Aktien von Fluggesellschaften und Transportdienstleistern mit Blick auf 2021 komplett neu aus. In der Folge stuften sie die Aktie von Easyjet von "Hold" auf "Buy" hoch. Das Kursziel wurde mehr als verdoppelt und liegt nun bei 1150 Pence. Zudem hoben sie ihr Kursziel für IAG von 175 auf 220 Pence an. Sowohl für Easyjet als auch für IAG sei die Corona-Krise sehr hart. Beide Airlines gingen jedoch vor dem Hintergrund begrenzter staatlicher Stützungsmaßnahmen gut damit um. 2021 könnten sie aufholen, da die Nachfrage wieder steige und Liquiditätssorgen nachließen, schrieben die beiden Experten.

Die Kursziele für Wizz Air und Ryanair hoben die Experten ebenfalls an und bekräftigten ihre Kaufurteile. Mehr noch als vor der Pandemie dürften Ryanair und Wizz Air ihrer Einschätzung nach "langfristig gesehen strukturelle Gewinner" im europäischen Luftfahrtsektor sein. Beide könnten mit einem beschleunigten Ausbau ihrer Marktanteile und weiteren Kostensenkungen aus der Krise kommen.

Negativ blieben die Analysten dagegen für die Lufthansa und für Air France-KLM gestimmt. Zwar hoben die Deutsche-Bank-Experten ihre Kursziel auch für diese beiden Werte an, beließen die Aktien allerdings auf "Sell". Die stillen Regierungsbeteiligungen seien für die Lufthansa und für Air France-KLM alles andere als eine Idealsituation, bemängelten Rowbotham und Chu. Zudem mangele es an Klarheit, was die unvermeidliche Rekapitalisierung beider Unternehmen angehe.

Von: dh, dpa

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