Airport Zürich erhält mehr Slots

Die Zahl der Slots am Flughafen Zürich wird zum Sommer 2019 erhöht. Das ist auch eine Entscheidung gegen den Lufthansa-Konzern, denn Swiss hatte Einspruch gegen den Plan erhoben.

Airbus A340 der Swiss am Flughafen Zürich © Flughafen Zürich

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) in der Schweiz erhöht die Zahl der Slots am Flughafen Zürich. Eine Airport-Sprecherin bestätigt dies gegenüber airliners.de. Nach Informationen der "Handelszeitung" habe die Behörde verfügt, dass ab dem kommenden Sommerflugplan werktags zwischen 5.45 Uhr und sieben Uhr am Morgen vier Zeitfenster mehr für Starts und Landungen eingeführt werden.

Darüber hinaus soll es auch abends mehr Slots geben - zwischen 21 und 22 Uhr. Zusätzlich dazu gebe es ebenfalls für Wochenende gesonderte Regelungen. "Diese leichte Ausdehnung der Kapazität wird unter anderem auch durch technische Maßnahmen am Boden ermöglicht, die die Sicherheit des Pistenbetriebes verbessern", zitiert der Bericht die Behörde.

Swiss war gegen den Plan

Damit erteilt das BAZL dem Antrag der Lufthansa-Tochter Swiss eine Absage. Die Airline hatte öffentlich die beantragte Kapazitätserweiterung am Heimatflughafen kritisiert. So fürchtete der Kranich-Carrier, dass die zusätzlichen Slots die Zahl der Verspätungen noch weiter ansteigen lassen könnte, berichtete kürzlich die "NZZ am Sonntag".

Denn morgendliche Delays hätten erhebliche Auswirkungen auf den weiteren Tag. Aus diesem Grund hatte die Airline erst vor zwei Jahren ihren Flugplan in der betreffenden Zeit ausgedünnt und sich gleichzeitig mit dem Flughafen darauf geeinigt, dass die Zahl der morgendlichen Slots nicht weiter erhöht wird.

Gerade in Zeiten in denen das ganze europäische Flugverkehrssystem in Spitzenzeiten am Limit arbeite, habe Swiss oft Probleme, ihre Maschinen vor Beginn des Nachtflugverbots nach Hause zu bringen, berichtet das Blatt. Eine Slot-Erweiterung abends vor Beginn des Nachtflugverbots lehnte das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt kürzlich als Lösung hingegen ab.

Jeder vierte Flug verspätet

Wie viele Airlines in Europa hat auch Swiss in diesem Sommer stark unter Verspätungen gelitten. So wies jeder vierte Flug der Kranich-Tochter eine Verspätung von mindestens 16 Minuten auf. Die Zahl geht aus der neuesten Ausgabe des Politikbriefs "Aeropolitics" der Schweizer Airline hervor. Einen Hauptgrund machten die strukturellen Problemen diverser Flugsicherungen in Europa aus.

Neben den drohenden Verspätungen könnte der Plan des Flughafens wie ein Zeichen des Aufbegehrens gegen die Monopolstellung der Lufthansa-Gruppe wirken, analysiert die "NZZ". So liege der Anteil der Slots in den wichtigsten Tageszeiten der Lufthansa-Airlines bei rund 70 Prozent. Zudem bieten Kranich-Carrier etwa 80 Routen von Zürich konkurrenzlos an. Das seien 14 mehr als noch im vergangenen Jahr, geht aus Analyse der Schweizer "Handelszeitung" hervor.

Die "NZZ" prognostiziert, dass sich der Flughafen mit den geplanten Slot-Erweiterungen einen Vorteil in einem anderen Streit mit der Airline erarbeiten wolle. Seit vergangenem Jahr arbeitet das BAZL einer Überarbeitung der Flughafengebühren, die ab August 2019 gelten sollen. Im Anschluss können dann die Verhandlungen zwischen Flughafen und Airlines starten. Sollte Swiss eine Gebührensenkung fordern, könnte der Airport im Tausch die Slot-Erweiterung wieder kassieren.

Von: cs, br

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