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Harte Zeiten für Lufthansa Airlines überwinden Krise nur langsam

Luftfahrt-Analysten rechnen bei den Airlines für 2010 mit einer Phase der Erholung. Absehbar ist aber noch nicht, ob die Nachfrage bei Premiumangeboten wieder steigen oder ob der Trend zum Billigfliegen anhalten wird. Der Lufthansa sagen die Analysten in jedem Fall "harte Monate" voraus.

Lufthansa-Maschinen am Flughafen München © Flughafen München

Die Luftfahrtbranche wird sich nach Ansicht von Experten erst allmählich von der Wirtschaftskrise erholen. "Es ist wie das langsame Abheben einer schweren Maschine", skizzierte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler seine Erwartung für die Aktien der Fluggesellschaften am Montagabend beim Luftfahrt-Presse-Club in Frankfurt. Uneinig waren sich die Experten hingegen darin, ob der Trend zum Billigfliegen anhält oder ob die Nachfrage nach Premiumtickets wieder spürbar anzieht.

"Ich denke, dass wir 2010 eine Phase der Erholung sehen werden", sagte Frank Skodzik, Luftfahrt-Analyst der Commerzbank. Im vergangenen Jahr hatte besonders der Einbruch bei den lukrativen Tickets für die First und Business Class klassischen Linienfliegern wie der Lufthansa das Geschäft verhagelt. Skodzik, Pieper und Dekabank-Experte Christian Gombert rechnen noch in diesem Jahr wieder mit mit steigenden Ticketpreisen - eine Entwicklung, die den gegen rote Zahlen kämpfenden Airlines entgegenkommen dürfte.

Hoffnung auf mehr Geschäftsreisende

Dabei setzen die Experten auf mehr Geschäftsreisen - dies dürfte ihrer Ansicht nach gerade auf der Langstrecke wieder zu einem wachsenden Absatz von Premiumtickets führen. "Nach New York zu fliegen ist in der Economy Class schon sehr anstrengend", gab Metzler-Analyst Pieper zu bedenken. Das dürfte den Unternehmen nach und nach bewusst werden, schätzt er. Ebenso die Tatsache, dass unter gestrichenen Dienstreisen auch die Kundenbeziehungen litten - und am Ende Geschäftsabschlüsse verloren gingen. Daher rechnet Pieper nicht mit einem generellen Trend zu Billigflügen.

Sein Kollege Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht das anders. "Es gibt eine Tendenz, dass die Kurzstrecken von Low-Cost-Carriern und die Langstrecke eher von den Netzwerkcarriern übernommen wird." Er glaubt nicht, dass sich die Nachfrage im Premiumsegment in diesem Jahr spürbar erholen wird. Auch dürfte der Druck auf die Reisebudgets anhalten, der viele Geschäftsreisende bereits zu billigeren Anbietern wie Air Berlin und Easyjet getrieben hat. Deshalb müssten auch Gesellschaften wie die Lufthansa die Premiumklassen zugunsten der Economy Class zusammenstreichen. "Es geht darum, die Flugzeuge so voll zu kriegen wie möglich", sagte Hellgren.

Harte Monate für die Lufthansa

Nach Hellgrens Ansicht müssen die Fluglinien zum Geldverdienen ihre Kosten deutlich senken - wie die Lufthansa, die sich bereits ein straffes Sparprogramm samt Stellenabbau auferlegt hat. "Alle großen Airlines werden Wege suchen, wie sie das Personal auf Dauer reduzieren", zeigte er sich überzeugt.

Angesichts des Kostendrucks sagte auch Analyst Pieper der Lufthansa harte Monate voraus. Seit Mitte 2009 hat die Airline erst die britische BMI und dann die österreichische AUA übernommen. Bei den Briten fielen erst einmal "saftige Verluste an", stellte Pieper klar. Hinzu kämen hohe Treibstoffpreise und ein drohender Pilotenstreik. "Ein Liquiditätsengpass wird unvermeidbar." Auch eine Kapitalerhöhung hält er nicht für ausgeschlossen. Konkurrent Air Berlin werde vermutlich Marktanteile gewinnen - schon 2009 habe das Unternehmen der Lufthansa mit niedrigeren Preisen Geschäftskunden abgejagt.

Low-Cost-Modell nicht zukunftstauglich?

Trotzdem setzt Commerzbank-Analyst Skodzik auf die Lufthansa. Nachdem Billigflieger wie Ryanair von der Krise profitiert hätten und British Airwayswie Air France-KLM stark angeschlagen seien, erwarte er viel von der größten deutschen Airline.

Das Geschäftsmodell der Billigflieger sei hingegen endlich, baue es doch auf permanentem Wachstum auf. Irgendwann seien alle interessanten Strecken auf dem Kontinent besetzt. Daher sei es höchst unsicher, wie sich etwa Ryanair entwickeln werde.

Dekabank-Experte Gombert würde dennoch stets eher in eine europäische als in eine US-amerikanische Airline investieren: "Die haben fast ihr komplettes Eigenkapital verbraucht", sagte er und urteilte: "Das ist eher im Bereich Zocken als Investieren."

Von: dpa-AFX

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