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Airlines drängen EU, einheitliche Corona-Regeln durchzusetzen

"Eine Quarantäne ist wie ein Reiseverbot": Mit eindringlichen Worten verlangen Spitzenvertreter der europäischen Luftfahrt, dass Reisebeschränkungen gelockert und vor allem vereinheitlicht werden. Ansonsten drohten viele Pleiten.

Eine Frau, die einen Mundschutz trägt, steht im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens in der Abflughalle vor einer Anzeigetafel © dpa / Arne Dedert

Die europäischen Fluggesellschaften sehen in einem gemeinsamen Pandemie-Management der EU-Staaten die einzige Chance, den Luftverkehr wieder planbar zu machen und das Vertrauen der Passagiere zurückzugewinnen. Andernfalls drohe eine Welle von Airline-Pleiten, ist sich der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) sicher.

Einheitliche Reiseregeln seien das wichtigste Mittel, um die Nachfrage nach Flugtickets wieder anzukurbeln, sagte A4E-Geschäftsführer Thomas Reynaert in einer Videokonferenz mit Journalisten. Man fordert die Regierungen in der Europäischen Union auf, einer entsprechenden Empfehlung der EU-Kommission zu folgen. Das Ziel der Airlines ist dabei klar: "Wir wollen so viele Quarantäneregelungen wie möglich vermeiden", so Reynaert. Quarantäne-Anordnungen sollten stets das letzte Mittel in der Pandemiebekämpfung sein.

Dass eine verlässliche Ticket-Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist, sobald Unsicherheit weicht, bestätigte Easyjet-Chef Johan Lundgren in der Konferenz. "Sobald Reisebeschränkungen zurückgenommen werden, gehen die Buchungen durch die Decke". Daher würden einheitliche Regeln den Fluggesellschaften mehr helfen als zusätzliches Geld von den Regierungen.

Gemeinsame Kriterien und Schwellenwerte als Basis

Die staatlichen Hilfen "sind zum allergrößten Teil Kredite", was öffentlich etwas untergehe, so Lundgren. Mit Krediten lasse sich eine Krise jedoch nur überbrücken, nicht nachhaltig überwinden. So werde es auch nichts mit mehr Umweltschutz im Luftverkehr, sollten die Airlines gezwungen sein, sich weiter mit Notfinanzierungen über Wasser zu halten.

"Unterschiedliche Maßnahmen der Mitgliedstaaten - oft sehr kurzfristig umgesetzt, auf unterschiedlichen Kriterien basierend und nicht ausreichend mit anderen Staaten koordiniert - haben zu einem Einbruch der Passagiernachfrage geführt. Der Rat der EU muss dies zu einer politischen Priorität machen", sagte Benjamin Smith, CEO der Air-France-KLM-Gruppe und A4E-Vorsitzender. Das unkoordinierte Vorgehen habe die Freizügigkeit in der EU erheblich beschädigt, was verheerende Auswirkungen für die Tourismus- und Reisebranche habe.

© AirTeamImages.com, Chris Jilli Lesen Sie auch: Iata veröffentlicht internationalen Appell für Grenzöffnungen

Die Fluggesellschaften drängen auf die Annahme gemeinsamer Kriterien und Schwellenwerte zur Bewertung des epidemiologischen Risikos von Reisen in/aus bestimmten Gebieten, wie zum Beispiel die Inzidenzrate (positive Cocid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner) und die Positivitätsrate von Tests auf Covid-19-Infektionen. Ferner werden Maßnahmen auf regionaler Ebene auf der Grundlage der Daten des ECDC (European Center for Disease Control) anstelle von pauschalen nationalen Beschränkungen gefordert.

Verbesserte Covid-19-Tests und Kontaktverfolgung sollten anstelle von Quarantänen eingesetzt werden, so A4E, da die Tests eine gezielte Risikominderung auf individueller Ebene ermöglichen würden. Die Mitgliedstaaten sollten weiterhin in die Bereitstellung schneller und zuverlässiger Covid-19-Tests für Fluggäste kurz vor dem Abflug investieren.

"Ein erneuertes und gemeinsames Konzept für Reisebeschränkungen, wie in unserem Vorschlag skizziert, würde den Fluggesellschaften und unseren Passagieren die Klarheit und Vorhersehbarkeit bieten, die wir brauchen, und gleichzeitig die grenzüberschreitende Konnektivität verbessern und die Integrität des Schengen/EU-Raums wiederherstellen", kommentierte Smith. Die Mitgliedstaaten sollten dringend gemeinsame Kriterien auch auf Drittländer anwenden, damit der interkontinentale Verkehr so schnell und sicher wie möglich wieder aufgenommen werden könne, fügte er hinzu.

"Fliegen ist sicher"

Nach Ansicht von Sebastian Mikosz vom Weltluftfahrtverband Iata steckt die Branche noch nicht in der Erholungsphase, sondern immer noch im Überlebenskampf. Viele Staaten haben Airlines in der Krise mit Milliardenkrediten vor der Pleite bewahrt. Die Bundesrepublik stieg bei der Lufthansa sogar als Anteilseigner ein.

Aus Sicht der Iata liegt die schwache Erholung der Ticketnachfrage nicht daran, dass die Menschen Angst hätten, sich im Flugzeug mit dem Virus anzustecken. "Aber wenn die Menschen nicht wissen, ob sie reisen können, kaufen sie keine Tickets", sagte Mikosz. Zudem wirke eine 7- oder 14-tägige Quarantänepflicht nach der Ankunft oder nach der Rückkehr faktisch wie ein Reiseverbot. Auch die europäische Luftfahrtbehörde Easa sieht das Fliegen mit Blick auf die Ansteckungsgefahr als sicher an. "Der Luftverkehr produziert keine neuen Fälle", sagte Easa-Exekutivdirektor Patrick Ky.

© dpa, Eurokinissi/Eurokinissi via ZUMA Wire Lesen Sie auch: Airline-Verbände beklagen "Flickenteppich" bei Einreiseverboten

Seit die coronabedingten Reisewarnungen in der EU und weiteren Ländern Europas Mitte Juni weitgehend aufgehoben worden waren, haben einzelne Regierungen wieder Warnungen für Staaten und Urlaubsregionen verhängt. Die EU-Kommission hatte daher Vorschläge vorgelegt, um schnellstmöglich gemeinsame Kriterien und Schwellenwerte für die Einführung von Reisebeschränkungen zu vereinbaren.

© airliners.de, Andreas Sebayang Lesen Sie auch: Eurocontrol sieht stagnierenden Flugverkehr bis Februar 2021

Von: dk mit dpa

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