airliners.de Logo

Airlines: EU bremst Bio-Kerosin aus

Bis 2030 müssen wesentlich mehr alternative Treibstoffe hergestellt werden, beschließt die Europäische Union. Das betrifft auch die Airlines - und die sind enttäuscht von der Regelung.

Ein KLM-Flugzeug wird betankt. © KLM

Mit einer neuen Richtlinie will die EU die Nutzung erneuerbarer Energie erheblich vorantreiben. Bis 2030 soll ihr Anteil mindestens 32 Prozent am gesamten Energieverbrauch erreichen, teilten Europa-Parlament und EU-Kommission mit.

Für den Verkehrssektor gilt allerdings ein geringeres Ziel von nur 14 Prozent. Zwischen Land-, Wasser- und Luftverkehr wird dabei nicht unterschieden, denn erfüllt werden muss die Quote nicht von den Verkehrsträgern. Adressaten sind die Kraftstoffhersteller, die mit ihren Produkten alle Verkehrssegmente beliefern.

Die EU-Richtlinie RED II

Mit der Richtlinie für erneuerbare Energien (RED) verordnete die EU 2009, dass erneuerbare Energieträger bis 2020 einen Anteil von 20 Prozent am Gesamtverbrauch erreichen sollen, im Verkehr mindestens zehn Prozent. Die jetzt beschlossene Neufassung RED II mit den Zielen für 2030 soll bis 30. Juni 2021 in nationales Recht umgesetzt werden.

Für die Luftfahrtunternehmen ergibt sich aus den neuen EU-Zielen für erneuerbare Energie also keine direkte Verpflichtung. Indirekt sind sie aber schon davon betroffen: Die Airlines erhofften sich künftig eine stärkere Förderung für die Produktion von alternativem Kerosin - und sehen sich nun enttäuscht.

Förderung für Bio-Kerosin wurde versagt

Denn das Europa-Parlament wollte eigentlich das Flugkerosin aus erneuerbaren Quellen besonders fördern und bei der Quote doppelt so hoch anrechnen lassen wie etwa Benzin. Daraus wurde nichts: Im Kompromiss mit der EU-Kommission und den Mitgliedsländern kam am Ende nur ein Faktor 1,2 heraus.

Zu wenig, meint Rafael Schvartzman, Europa-Chef des Airline-Verbands Iata. "Diese Entscheidung bedeutet, dass Europa bei der Produktion nachhaltigen Kerosins auf der Kriechspur bleibt."

Airlines wollen mehr alternative Kraftstoffe

Denn der höhere Faktor wäre für die Treibstoffhersteller ein Anreiz gewesen, mehr nachhaltiges Kerosin zu produzieren und auch besser zu vermarkten als bisher. Daran hätten die Airlines eigentlich ein großes Interesse. "Wir als Luftverkehrswirtschaft wollen, dass alternative Flugkraftstoffe einen Beitrag zum Klimaschutz im Luftverkehr leisten können", erklärt Uta-Maria Pfeiffer, Leiterin Nachhaltigkeit beim Airline-Verband BDL, gegenüber airliners.de.

Die internationale Luftfahrt hat sich verpflichtet, ihren Kohlendioxidausstoß drastisch zu reduzieren. Ab 2020 will sie CO2-neutral wachsen und bis 2050 den Ausstoß gegenüber 2005 halbieren. Das lässt sich mit sparsameren Flugzeugen allein nicht erreichen.

Erneuerbarer Treibstoff

Nach Angaben von Eurostat wurden 2015 in der EU 8,6 Prozent des Öls in der Luftfahrt verbraucht, 47,5 Prozent im Straßenverkehr, acht Prozent in der Schifffahrt. Der Anteil erneuerbarer Quellen im Verkehr lag im selben Jahr bei vier Prozent, in der Luftfahrt bei null Prozent.

Doch bei den Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen wurde bislang außer einer Reihe von Testflügen fast nichts erreicht: Ihr Anteil an der Flugzeugbetankung in der EU lag zuletzt bei null Prozent (siehe Kasten).

Einzige Ausnahme ist aktuell KLM: Die Niederländer mischen auf ihrer neuen Verbindung vom schwedischen Växjö nach Amsterdam fünf Prozent Biokerosin bei. Dabei handelt es sich um ein Projekt mit dem Flughafen Växjö, dem Treibstoffhersteller Sky NRG und dem Forstverband Södra.

Nachhaltiges Kerosin ist zu teuer

Dass bisher fast kein erneuerbarer Treibstoff genutzt wird, liegt laut BDL-Expertin Pfeiffer an den hohen Preisen: "Bislang sind alternative Kraftstoffe etwa drei- bis fünfmal so teuer wie klassisches Kerosin."

© dpa, Markus Scholz Lesen Sie auch: Lufthansa verlässt Klimaschutz-Initiative Aireg

Die Luftfahrt-Lobby fordert deshalb von der Politik mehr Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen für die Markteinführung des nachhaltigen Kerosins. Denn Flugzeuge sind im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln vorerst noch ausschließlich auf flüssigen Treibstoff angewiesen.

Iata-Manager Schvartsman stellt angesichts der neuen Richtlinie ernüchtert fest: "Die EU ist nicht bereit, die CO2-Reduzierung in der Luftfahrt zu unterstützen."

Von: pra

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften EU Airlines Umwelt Treibstoffe