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Airlines drängen EU, Ausnahmeregeln für Slotvergabe zu verlängern

"Use it or loose it" ist das Mantra der Slotverteilung an vollen europäischen Verkehrsflughäfen. Doch mit der Nutzung ist das in der Corona-Krise so eine Sache. Sollte die EU nicht zügig handeln, drohen viele Leerflüge.

Passagiermaschinen im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. © dpa / Frank Rumpenhorst

Als es Mitte März aufgrund der sich ausbreitenden Covid-Pandemie zum Grounding fast aller Verkehrsfugzeuge kam, entschied die EU-Kommission zur Erleichterung der Airlines, dass die sogenannte 80/20-Regel für Slots an europäischen Verkehrsflughäfen bis Ende Oktober ausgesetzt wird. So sollte verhindert werde, dass Fluggesellschaften wegen in der Krise ohne Passagiere fliegen müssen, um ihre Start- und Landerechte nicht zu verlieren.

Fluggesellschaften müssen die ihnen zugestandenen Slots an großen Verkehrsflughäfen während einer Flugplanperiode normalerweise zu 80 Prozent auch wirklich nutzen, um in darauf folgenden Jahre ihr Recht auf die Zeitnischen zu wahren. Als die Aussetzung der Regelung im März beschlossen wurde, ging eigentlich die gesamte Branche von einr wesentlich schnelleren Erholung des Luftverkehrs aus, als sie sich heute abzeichnet.

"Fluggesellschaften brauchen mehr Planungssicherheit"

Nun läuft die Sonderregelung demnächst aus und die Slot-Problematik rückt wieder in den Vordergrund. Die Iata bezeichnete einen globalen Verzicht auf Slot-Verluste für Airlines, die in der Corona-Krise weniger fliegen, zuletzt als "dringendste regulatorische Erleichterung überhaupt" für die Branche. "Die große Unsicherheit auf dem Markt bedeutet, dass die Fluggesellschaften die Flexibilität benötigen, ihre Flugpläne an die Nachfrage anzupassen, ohne unter dem Druck zu stehen, für die Nichtnutzung zugewiesener Slots bestraft zu werden. Die Fluggesellschaften können es sich nicht leisten, leere Flugzeuge zu fliegen, wenn die Marktnachfrage sinkt", so der Weltluftfahrtverband.

In Europa sind die Slot-Regeln unter EU-Recht vereinheitlicht. Die EU-Kommission hat sich bisher noch nicht offiziell geäußert, wie sie weiter mit dem Thema verfahren will. Die Luftfahrt-Branche will ihr die Entscheidung jedoch möglichst einfach machen. Gemeinsam mit den Flughäfen und den europäischen Slot-Koordinatoren habe man sich auf Bedingungen geeinigt, "die einen verantwortungsvollen Umgang" mit einer Verlängerung der Sonderregeln sicherstellen sollen, teilte der europäische Dachverband der Fluggesellschaften "Airlines for Europe" (A4E) nun mit.

© dpa, Frederik von Erichsen Lesen Sie auch: EU-Staaten wollen Aussetzung der Slot-Regeln bis Ende Oktober

So hätten sich Airlines und Flughäfen darauf geeinigt, Slots, die in diesem Winter nicht genutzt werden sollen, nur vorübergehend für den Winter abzugeben, was vor allem für die Flughäfen kurzfristig ein Verlustgeschäft darstellen dürfte. Das sei ein großer Schritt in der aktuellen Situation, betont A4E. Es sei nun entscheidend, dass die Europäische Kommission eine Verlängerung des Verzichts auf Slotverluste formalisiert und klarstellt, wie die temporäre Rückgabe im Detail umgesetzt werden solle. Die ganze Branche brauche von der Kommission rasch ein klares Signal bezüglich der Spielregeln für die kommende Wintersaison.

Nur die Sonderregelung kann umfangreiche Leerflüge vermeiden

"Die Wiederherstellung des Vertrauens der Passagiere hat für den gesamten Luftfahrtsektor und auch für die europäische Wirtschaft höchste Priorität. Angesichts der sich ständig ändernden staatlichen Restriktionen ist es von entscheidender Bedeutung, dass die bevorstehenden Winterflugpläne den Passagieren so viel Vorhersehbarkeit wie möglich bieten", sagte der A4E-Generaldirektor Thomas Reynaert.

Auch die Iata verlangt nun entschlossenes politisches Handeln. Nur eine Verlängerung der Sonderregelung könne sicherstellen, dass es in Europa nicht massiv zu Leerflügen komme. Die Verhandlungsergebnisse zwischen Fluggesellschaften und Flughäfen könnten sofort umgesetzt werden, wenn die Kommission sie billige und formalisiere.

Von: dk

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