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Airlines erlebten 2020 Verkehrseinbruch wie nie zuvor

Der weltweite Flugverkehr ist wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr so massiv eingebrochen wie nie zuvor. Jetzt hat auch die Iata die Zahlen für 2020 vorgelegt. Die Prognosen für 2021 müssen wohl korrigiert werden.

Flugzeuge der Delta Air Lines stehen im April 2020 in Victorville im Corona-Storage. © AirTeamImages.com / John Kilmer

Die internationalen Airlines zittern um ihr Sommergeschäft. Nur wenige Wochen nach seiner jüngsten Prognose hat der Branchenverband Iata jetzt ein deutlich verschärftes Szenario vorgestellt, sollten die Regierungen wegen der Coronavirus-Mutationen länger an harten Einreisebeschränkungen festhalten. Im schlimmsten Fall werde sich der Luftverkehr im laufenden Jahr nur sehr langsam erholen und im Gesamtjahr möglicherweise nur 38 Prozent des Vorkrisen-Niveaus erreichen. "Das würde ein ohnehin hartes Jahr noch härter machen", sagte Iata-Chef Alexandre de Juniac.

Airlines weltweit erlebten 2020 Verkehrseinbruch wie nie zuvor Die geflogenen Sitzplatzkilometer (RPK) gingen auf das ganze Jahr gesehen um fast 66 Prozent zurück, wie der Iata-Chefökonom Brian Pearce berichtete. Im Dezember waren es minus 85 Prozent im internationalen Betrieb und minus 70 Prozent auf Inlandsstrecken.

Eigentlich hatte der Verband damit gerechnet, das Fluggeschäft in diesem Jahr auf etwa 50 Prozent des Vorkrisen-Niveaus von 2019 hochfahren zu können. Die neuen Virusmutationen und neue Reisebeschränkungen könnten das aber zunichte machen, warnte Iata-Chefökonom Pearce. Die Vorausbuchungen hätten im Dezember im Jahresvergleich 70 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen.

Für eine neue Prognose sei es zu früh, aber Szenarien zeigten, dass die geflogenen Passagierkilometer im Gesamtjahr 2021 vielleicht auch nur 38 Prozent des Niveaus von 2019 erreichen. "Das würde ein ohnehin hartes Jahr noch härter machen", sagte Iata-Chef Alexandre de Juniac.

Weltweit waren im vergangenen Jahr nur noch 1,8 Milliarden Passagiere im Flugzeug unterwegs - nach 4,5 Milliarden im Jahr 2019, wie die Iata schon im Dezember berichtet hatte. Das machte mehr als 15 Jahre Passagierwachstum zunichte. Zuletzt waren es weltweit 2003 weniger Passagiere gewesen, damals knapp 1,7 Milliarden.

Probleme mit Impfung

Risiken sind nicht nur die aktuellen Schwierigkeiten bei der Produktion und Verteilung der Impfstoffe, sondern auch die Frage, ob diese gegen die neuen Mutationen überhaupt noch wirksam sein werden. Dies müssten Tests in den kommenden Wochen belegen, sagte Pearce. Die Regierungen könnten zudem dazu neigen, erst beim Erreichen der sogenannten Herden-Immunität gegen die Krankheit Covid-19 die Grenzen wieder zu öffnen. Ursprünglich hatte die Iata angenommen, dass bereits bei einem wirksamen Schutz der besonders gefährdeten Gruppen die Beschränkungen gelockert würden. Der Airline-Verband setzt sich zudem dafür ein, über Impf- und Testnachweise Quarantänen für die Reisenden möglichst zu vermeiden.

Für weite Teile der Welt sei die Herdenimmunität frühestens im Jahr 2022 zu erwarten, in Indien und Russland sogar noch später, sagte Iata-Ökonom Pearce unter Verweis auf medizinische Studien. Für die EU liegt die Termin-Erwartung im September dieses Jahres, nach den USA, Kanada und Großbritannien. Man gehe auch wegen der besseren Versorgung mit Impfstoff davon aus, dass zunächst die Verbindungen zwischen den entwickelten Industrieländern wieder aufgenommen werden, voraussichtlich zuerst über dem Nordatlantik. Grundsätzlich werde sich die Langstrecke aber langsamer erholen als Kontinentalflüge.

"Wir haben den Sommer-Urlaub noch nicht aufgegeben", sagt der Chef der europäischen Lotsen-Organsiation Eurocontrol, Eamonn Brennan. Er kann am europäischen Himmel aber aktuell auch keine Hoffnungsschimmer entdecken. Nach den Eurocontrol-Daten gab es am 1. Februar 66 Prozent weniger Flüge als vor einem Jahr - fast nur noch Frachtmaschinen. Das Sitzangebot lag 75 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres und fast zwei Drittel (61 Prozent) der Flotte stand am Boden. Weitere Impf-Verzögerungen und neue Viruswellen könnten die Situation in einem ebenfalls frisch erarbeiteten Negativ-Szenario so verschärfen, dass noch im Juni nur 30 Prozent der sonst üblichen Flüge unterwegs wären.

Nach einer Analyse des "Capa Centre for Aviation" ist der Flugverkehr in Europa noch schwerer getroffen als anderswo. In den 54 Ländern der Europa-Region sei Ende Januar nur 56 Prozent der Flotte im Einsatz gewesen, verglichen mit einem globalen Durchschnitt von 65 Prozent. "Da die nationalen Lockdowns weiter gehen und Reiserestriktionen verschärft werden, sind weitere Einschnitte zu erwarten", berichteten die Capa-Experten in einer Analyse vom 31. Januar. "Wenn die Nachfrage wieder steigt, ist zu erwarten, dass die Billigflieger vorn liegen."

Von: br, dpa-AFX

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